Jugendliche verlieren Interesse an FKK: Die Körperkultur steht für Freiheit und Lebenslust
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Der gebührenfinanzierte Sender Arte berichtete über die aussterbende FKK-Szene, die NZZ griff das Thema auf. Jugendliche würden immer weniger Begeisterung für ein Dasein in Nacktheit aufbringen – so das präsentierte Narrativ. Dabei ist FKK nicht nur natürlich, es ist auch gesund und zeugt von einem edlen Selbstverständnis.
Zuerst war der Mensch, später die Scham. Die Scham, sich nicht blank zu präsentieren, ist in der Öffentlichkeit sicherlich berechtigt; an Seen und Liegewiesen hingegen sollte man mit Nacktheit normal umgehen. Schließlich ist der menschliche Körper „normal“ – normaler geht es eigentlich kaum.
Der Ossi zieht blank
Das wusste man bereits in der staatsatheistischen DDR. Die Sozialisten propagierten ein gesundes Menschenbild: der „freie“ Bürger, der im Einklang mit der Natur Sport treibt, badet und sich für seinen Körper nicht schämt. Die Sonne stellte keine Rechnung, dadurch war die Vitamin-D-Einnahme kostenfrei und auch in Krisenzeiten nicht defizitär. Im malerischen Potsdam wird die FKK-Kultur beibehalten; auch an nicht explizit als FKK markierten Seen, wie dem Heiligen See, findet man unzählige Ossis, die ohne Badekleidung das kühle Nass betreten oder sich in der Sonne räkeln.

Am Heiligen See gehen Potsdamer auch mal nackt baden.
Die Modernisten der DDR-Elite sahen FKK explizit nicht als pervers an – zu Recht, denn die Fähigkeit, nackte Körper nicht gleich zu sexualisieren, zeugt von einem edlen Gemüt. Wer als Mann weibliche Brüste sehen kann, ohne erregt zu werden, beweist eine eigentlich absolut selbstverständliche Selbstbeherrschung. Anders als in muslimischen Kulturen, in denen Männer – laut eigener Aussage – bedeckte Frauen benötigen, damit sie nicht hormonell durchdrehen, sollten Europäer besser als das sein. Sie sollten Frauen trotz fehlender Kleidung in Ruhe lassen können, statt sie mit lüsternen Blicken oder schlimmerem Vorgehen zu belästigen. Dass das nicht jede Kultur hinbekommt, zeigt ein Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik.
Doch wer FKK wegen – so Gott will, temporär – in Europa lebenden Kulturfremden regulieren möchte, kapituliert vor der Invasion, statt diese abzuwehren und seinen Kontinent zurückzuerobern. Wer das nicht tun möchte, kann sich einen Burkini zulegen und im örtlichen Freibad planschen gehen.

Nackte Bronzestatuen auf der Freundschaftsinsel in Potsdam: Die DDR feierte FKK als gesunden Lebensstil.
Schuld sind die Veganer
So ironisch es erscheinen mag: Das aus dem Nahen Osten nach Europa gekommene Christentum gehört zum Kontinent. Adam und Eva empfanden Scham für ihre Nacktheit, nachdem sie das falsche Obst frühstückten. Trotzdem wurde der Mensch nach Gottes Ebenbild erschaffen – behaupten zumindest diejenigen, die an die verhängnisvolle vegane Speise im Garten Eden glauben. Sich für das Göttliche zu schämen, ist widersprüchlich oder zumindest eine Form von christlicher Dialektik.

„Adam und Eva“, Jan Preisler, 1908
Stark, schön und gesund
Der Körper ist das größte Kunstwerk. Das wussten schon die antiken Griechen. Aristokraten betrieben Sport, waren leicht bekleidet und erschufen Statuen, die blank die volle Pracht der menschlichen Natur zeigten. Genau wie diese Statuen geformt wurden, kann der Mensch seinen Körper formen. Sport gehört für viele zum Alltag dazu und sorgt in Kombination mit gesunder Ernährung für einen ästhetischen Körper, der jedes Gemälde in den Schatten stellt. Wer sich fit hält, kann am Strand zeigen, wie er auch ohne jegliche Art von Textilfremdkörper aussieht – damit motiviert er andere, es ihm gleichzutun. Gleichzeitig lernt man am FKK-Strand die vielen Körpertypen kennen und bricht so mit den völlig unrealistischen Körperidealen, die in sozialen Medien und sonstiger fragwürdiger Massenkultur propagiert werden. Kein Mensch ist perfekt, doch die Perfektion kann angestrebt werden – dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Perfektion eine Utopie ist und man diese niemals erreichen wird. Ein Besuch am FKK-Strand erdet einen und zeigt, dass jeder Mensch mit seinen äußerlichen Problemchen zu kämpfen hat. Wer nicht mehr kämpft, hat bereits verloren und fungiert für den gesunden Menschen als Negativbeispiel.
Welch freieres Gefühl kann es geben, als sich auch nackt in seiner Haut wohlzufühlen – von jeglichem moralischen Spuk befreit?

Safe Space für prüde Badegäste: Die polnische Ostsee
In einer gesunden Gesellschaft wäre jeder Strand ein FKK-Strand. Wer sich vor dem Menschen ekelt, könnte sich in einen mit Sichtschutz abgesteckten Bereich am Strand bewegen, wo er mit den Burkini-Trägern, den Komplexbeladenen, den christlich-Prüden und sonstigen lebensverneinenden Besuchern sein Textil tragen kann. So wie derzeit an der Ostsee, wo die katholischen Polen so einen Safe Space bereits geschaffen haben, während die Ossis das Leben zu leben wissen.
Dieser Text ist Teil eines Pro-Kontra-Kommentar-Duos. Lesen Sie hier den Contra-FKK-Kommentar.
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