Wie die Energiewende Stromanschlüsse zur Mangelware macht
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In Hamburg werden Stromanschlüsse jetzt Mangelware. Bremen, Frankfurt und Berlin haben es bereits vorgemacht. Nicht jeder, der Strom braucht, bekommt den auch. Er wird zugewiesen. Oder einfach abgelehnt. Das liegt an einer Politik, die „Elektrifizierung“ und „Energiewende“ erzwingen will – aber dummerweise die Stromversorgung nicht sicherstellen kann. Diese Planwirtschaft muss schiefgehen. Damit das aber nicht so schnell auffällt, wird erst einmal rationiert. Erst in Ballungsräumen. Bald auch anderswo in Deutschland.
Deutschland hat es in Sachen Energiewende und Klimaneutralität endlich geschafft! Allerdings anders als versprochen … Nach Jahren der Energiewende-Rhetorik ist der Punkt erreicht, an dem Strom in deutschen Großstädten nicht mehr einfach bestellt werden kann, sondern zugeteilt werden muss. Wie in einer Mangelwirtschaft. Oder Planwirtschaft. Was beides dasselbe ist. In Hamburg, Deutschlands zweitgrößter Stadt und wichtigstem Industrie- und Hafenstandort, startet im zweiten Halbjahr 2026 ein Verfahren, das genau das macht: Großverbraucher bekommen künftig nicht mehr automatisch den Netzanschluss, den sie brauchen. Sie bekommen einen Anteil, den ihnen ein Netzbetreiber nach einem Verteilschlüssel zuweist. Die Hamburger Energienetze nennen es nüchtern „Repartierungsverfahren“. Man könnte es auch Strom-Rationierung nennen. Etwas, das es bisher nur in Kriegszeiten gab. Oder in der DDR.
Der Staat erzeugt erst ein Problem und teilt dann zu
Der Grund ist so einfach wie brisant: Es gibt schlicht mehr Nachfrage nach Netzanschlüssen, als das Netz hergibt. „Die aktuelle Spitzenlast im Hamburger Stromnetz liegt bei 1,8 Gigawatt. Allein in den vergangenen Monaten haben wir aber Anfragen für Netzanschlüsse in einer Größenordnung von zwei Gigawatt bekommen“, sagt Peter Wolffram, Geschäftsführer bei den Hamburger Energienetzen, gegenüber der Welt. Die Anfragemenge übersteigt also bereits jetzt die gesamte heutige Spitzenlast der Stadt. Und das nur bei den Neuanschlüssen. Betroffen sind vor allem Rechenzentren, Batteriespeicher, Wasserstoff-Elektrolyseanlagen und Power-to-Heat-Anlagen für die Wärmeversorgung. Also (fast) alles Dinge und Anlagen, die für die „Energiewende“ so dringend gebraucht werden.
Das Irre dabei: Die Ursache für die Rationierung liegt nicht in einem plötzlichen Wirtschaftsboom, sondern in den politischen Vorgaben zur „Klimaneutralität“. Denn um die Plan-Ziele zu erreichen, müssen praktisch alle Lebensbereiche mit Strom laufen und eben nicht mehr mit Kohle, Gas, Öl oder gar Kernkraft. Wärme, Mobilität, Industrie: Alles soll auf Strom umgestellt werden, während der Ausbau der Netze einfach nicht hinterherkommt. Hamburg will sogar „Spitzenreiter“ sein und schon 2040 klimaneutral werden (Deutschland und die EU 2045). Die Folgen dieser angeblichen Spitzenreiter-Position sind also schon jetzt merkbar. Und Hamburg ist kein Einzelfall. Ähnliche Rationierungen gibt es auch in anderen Ballungs- und Industriezentren und künftig wohl praktisch überall in Deutschland. Denn das Problem ist immer dasselbe.

Die Energiewende in Deutschland macht Stromanschlüsse zur Mangelware.
Das politische Ziel „Energiewende“ steht auch ohne Grüne in der Regierung unter Union und SPD fest. Die Infrastruktur, die es tragen soll, gibt es aber nicht. Und so entsteht ein Muster, das man in der deutschen Energiepolitik immer öfter und klarer wiedererkennt: Erst werden ambitionierte Klimaziele beschlossen, dann stellt sich heraus, dass die physische Realität der Stromnetze nicht mitspielt. Die Rechnung zahlen am Ende die Wirtschaft und die Menschen über Energiekosten und Inflation. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Strom bei neuen Anschlüssen bremst zudem künftige Investitionen in Industrie- und Energieprojekte aus. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der Deutschland um jeden Ansiedlungsstandort kämpfen müsste, selbst große Konzerne wie VW in die Knie gehen und die Rezession zum deutschen Normalzustand wird.
Bislang galt in Hamburg das sogenannte Windhundverfahren: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Simpel, nachvollziehbar, fair im klassischen Sinn. Die Nachfrage konnte bedient werden, nur eben der Reihe nach. Damit ist jetzt Schluss. An die Stelle des Windhundprinzips tritt ein staatlich beaufsichtigtes Zuteilungsverfahren, das die Hamburger Energienetze „in enger Abstimmung mit der Bundesnetzagentur“ entwickeln und durchführen. Bedeutet im Klartext: Eine Behörde des Bundes wacht künftig mit darüber, ob und wie Bürger und Unternehmen an Strom kommen.
Wie die Strom-Rationierung konkret funktioniert
Damit man versteht, was hier tatsächlich passiert, lohnt sich der Blick auf den Mechanismus. Und der ist, entkleidet vom Verwaltungsdeutsch, ziemlich simpel. Ein Netzbetreiber stellt fest, wie viel freie Netzkapazität in einer Region überhaupt noch zu vergeben ist. Dann sammelt er über ein festgelegtes Zeitfenster alle Anträge von Unternehmen, die einen neuen, großen Stromanschluss wollen. Übersteigt die Summe der Wünsche die verfügbare Kapazität – und genau das ist inzwischen der Regelfall –, wird nicht mehr nach Anmeldedatum vergeben, sondern nach einer Formel aufgeteilt. Die Kapazitäten reichen nicht mehr, weil von politischer Seite massiv Druck gemacht wird. Die Deutschen sollen sich Wärmepumpen einbauen. Die laufen mit Strom. Die Deutschen sollen auf E-Mobilität umsteigen. Die Autos müssen geladen werden. Die Deutschen sollen sich Batteriespeicher zulegen. Die müssen ebenfalls geladen werden. Zudem läuft der Alltag immer und überall über Elektrizität: vom Kühlschrank über Haushaltsgeräte, Radio und TV bis hin zum Mobiltelefon, das geladen werden muss.
Die deutsche Industrie wird faktisch auch dazu gezwungen, auf Elektro umzusteigen. Oder auf Wasserstoff. Aber selbst der muss mit massiver elektrischer Energie in Elektrolyseuren erstmal hergestellt werden. Vor dieser massiven Nachfrage kollabiert jetzt das System in den ersten Regionen.

Die Deutschen sollen sich Wärmepumpen einbauen.
Dabei gibt es zwei Grundmodelle. Beim „Pro-Kopf-Modell“ bekommt zunächst jeder Antragsteller den gleichen Anteil an der verfügbaren Leistung, ganz egal, wie viel er ursprünglich wollte. Ein kleiner Mittelständler bekäme also rechnerisch denselben Anteil wie ein Großkonzern. Beim „Pro-Rata-Modell“ wird die Kapazität dagegen proportional zur beantragten Leistung verteilt. Wer mehr wollte, bekommt am Ende auch mehr. Aber eben nicht das, was er ursprünglich beantragt hat, sondern nur einen Bruchteil davon. In beiden Fällen wird anschließend nachjustiert: Wer seinen zugeteilten Anteil ablehnt oder eine festgelegte Mindestmenge nicht erreicht, fliegt aus der laufenden Verteilrunde und die freigewordene Leistung wird unter den übrigen Bewerbern neu aufgeteilt.
Vereinfacht gesagt: Wer Strom für eine neue Fabrik oder ein Rechenzentrum braucht, stellt sich künftig in eine Warteschlange, aus der am Ende alle etwas weniger herausbekommen, als sie eigentlich wollten. Und manche gar nichts.
Rechtlich gestützt wird das Ganze auf Paragraf 17 des Energiewirtschaftsgesetzes, der Netzbetreiber zu „angemessenen, diskriminierungsfreien und transparenten“ Anschlussbedingungen verpflichtet. Ein bundesweit einheitliches Verfahren gibt es dabei ausdrücklich nicht: Die Bundesnetzagentur hat Anfang 2025 bewusst darauf verzichtet, ein verbindliches Standardmodell vorzugeben, und überlässt es den einzelnen Netzbetreibern, sich ihre eigene Zuteilungslogik auszudenken – solange die Bundesbehörde am Ende zustimmt. Das heißt: Je nach Stadt gelten künftig unterschiedliche Regeln dafür, wer Strom bekommt und wer nicht. Ein Flickenteppich der Rationierung.
Hamburg ist kein Einzelfall
Berlin, Bremen und Frankfurt am Main praktizieren dieses Rationierungssystem teils schon seit 2024. Den meisten ist das Problem aber nicht bekannt, weil kaum darüber berichtet wird. In Berlin läuft das Verfahren bereits seit dem 1. Januar 2024. Und die Zahlen zeigen, wie eng es tatsächlich geworden ist: Für das Jahr 2025 gingen 70 Anfragen ein, 47 davon waren vollständig. Am Ende wurden gerade einmal 37 Anfragen davon bedient. Bedeutet: Zehn Bewerber gingen komplett leer aus, weil ihre zugestandene Mindestleistung nicht erreicht wurde. Das Verfahren ist inzwischen sogar vor Gericht gelandet. Ein Antragsteller zog gegen die Berliner Zuteilungspraxis vor die Bundesnetzagentur, die den Missbrauchsantrag zwar zurückwies, gegen deren Beschluss aber wiederum vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf geklagt wird. Sämtliche in Berlin bereits zugeteilten Anschlussleistungen stehen deshalb aktuell unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Überprüfung. Selbst wer eine Zuteilung bekommen hat, kann sich also nicht sicher sein, sie am Ende auch zu behalten.
In Bremen geht der Netzbetreiber Wesernetz noch einen Schritt weiter. Für Anschlüsse oberhalb von drei Megawatt wird neue Kapazität inzwischen ausschließlich über sogenannte „flexible Netzanschlussverträge“ vergeben. Das bedeutet praktisch, dass Unternehmen sich vertraglich verpflichten müssen, ihren Stromverbrauch auf Anweisung des Netzbetreibers zu drosseln oder komplett abschalten zu lassen. Für die Zuteilungsperiode 2025/2026 gingen 17 Anfragen mit einem Gesamtbedarf von rund 315 Megawatt ein. Zugeteilt wurden gerade einmal 75 Megawatt! Das ist also knapp ein Viertel dessen, was nachgefragt wurde. Und wer überhaupt mitspielen will, zahlt vorab eine Reservierungsgebühr von 1.500 Euro pro beantragtem Megawatt. Wohlgemerkt: Nur für die Chance auf eine Zuteilung, nicht für die Zuteilung selbst.
Frankfurt am Main, einer der wichtigsten Rechenzentrumsstandorte Europas, verschärft die Lage noch um eine politische Komponente. Dort priorisiert der Netzbetreiber NRM Anschlussanfragen ausdrücklich nach politischer Wunschliste: Zuerst kommen Wärmepumpen und private Ladeeinrichtungen, dann Projekte mit „Treibhausgasneutralitätsbezug“, erst danach der Rest. Wer dringend Strom für ein normales Geschäftsvorhaben braucht, aber keinen grünen Stempel vorweisen kann, hat sich hinten anzustellen. Wer besonders schnell Kapazität will, kann zusätzlich einen „Flexleistungsvertrag“ abschließen. Der Vertrag verpflichtet dazu, den Stromverbrauch binnen zwei Minuten auf Anweisung abschalten zu können. Zwei Minuten, um eine Fabrik oder ein Rechenzentrum vom Netz zu nehmen. Sehr realistisch…
Ein Symptom für ganz Deutschland
Das eigentliche Problem ist nicht das Repartierungsverfahren selbst. Es ist am Ende nur das Symptom. Das eigentliche Problem ist eine Energie- und Klimapolitik, die immer neue Ziele ausruft und Planvorgaben macht, ohne vorher sicherzustellen, dass die Leitungen dafür überhaupt liegen. Jetzt zahlt zuerst die Wirtschaft die Zeche: mit Wartelisten, Kontingenten und Zwangsabschaltklauseln. Danach trifft es auch die privaten Verbraucher. Die großen Zentren Hamburg, Berlin, Bremen und Frankfurt sind nur die Vorboten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die Industrieregionen in NRW, Baden-Württemberg oder Bayern dran sind. Denn Energiewende und Klimaneutralität gelten ja für ganz Deutschland.
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