Zwischen Tränen und Schuldgefühlen: Das seltsame Frauenbild der Grünen
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Es ist ein merkwürdiges Frauenbild, was die Grünen da propagieren: Zum „Internationalen Tag der Frauengesundheit“ am 28. Mai postet die Partei eine lilafarbene Grafik, die einen vermeintlich typischen Tag im Leben einer überlasteten berufstätigen Mutter darstellen soll. Das ist so platt wie eine Instagram-Kachel oder ein Motivationsspruch im Wandkalender.

Diese Grafik posteten die Grünen zum Internationalen Tag der Frauengesundheit.
Tränen im Bad, ernsthaft?
Ein großer Teil des Tages geht demnach für Arbeiten, Haushalt, Kinder, Einkaufen und Wäsche drauf. Interessant ist die Reihenfolge: Hier reihen sich die Kinder irgendwo zwischen Supermarkt und Staubsaugen ein. Lustig wird’s aber in den kleineren Sparten:
Etwa ein Drittel des Tages ist geprägt von „an alles denken“, „kurz im Bad weinen“, „Schuldgefühlen, wenn man nicht an alles gedacht hat“ und „weiter funktionieren“. Hand aufs Herz: Wie viele Mütter kennen Sie, die ein Drittel ihrer Wachzeit, also mehrere Stunden, mit Gewissensbissen und Tränen auf der Toilette verbringen? Kleiner Tipp: In der Zeit, in der sie im Bad passiv-aggressiv ins Handtuch heulen, könnten sie eine Runde mit den Kindern kuscheln. Bringt allen garantiert mehr.
Natürlich kann ein Leben mit Kindern und Job aufreibend sein. Das wissen alle Mütter. Ist jemand krank, schert jemand aus, wird es schnell maximal stressig. Doch das Weltbild der Grünen scheint das Familienleben nur noch als Bürde zu sehen, als heimisches Hamsterrad zwischen „Gender-Pay-Gap“, „Care-Arbeit“ und „Mental-Load“.

Weinen Mütter wirklich so viel heimlich im Bad, anstatt ein offenes Gespräch zu suchen?
Vermutlich hätte die Generation unserer Mütter darüber laut gelacht, die problemlos Nachwuchs, Haushalt, einen meist abwesenden Mann und (häufig) einen Job ohne Jammern gewuppt hat. Das Motto dieser Frauen war stets: Es sind ja nur ein paar Jahre, dann wird’s wieder ruhiger. Doch die heutige Generation der Jammer-Mamas ist offenbar weder im Berufs-, noch im Privatleben belastbar: Jede Härte braucht ein Syndrom, jede Phase eine Diagnose.
Gar nicht enthalten im Leben einer Grünen ist offenbar: Spaß. Was ist mit Spielstunden auf dem Teppich, Vorlesen auf dem Sofa, schönen Stunden auf dem Spielplatz? Gemäß dem Schaubild der Grünen ist das Familienleben so vergnüglich wie ein Tag im Bergwerk.
Mehr als 40.000 Menschen haben den Grünen-Aufruf unterschrieben und fordern Entlastung und mehr Therapieplätze für Mütter. Vor allem Alleinerziehende können und sollen davon profitieren. Unterstützung ist die eine Sache, das ständige Schlechtreden des Familienlebens die andere. Das Schaubild des Grauens gibt das Wichtigste nicht wieder, was den ganzen Laden zusammenhält: Liebe.
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Melanie Grün
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