Sein Manifest zeigt: Der Mörder von Montreal war ein kommunistischer Antisemit
Ein Beitrag von
Das 104-seitige Manifest, das der Student verfasste, der in Montreal eine tödliche Schießerei begann, enthüllt seine Weltsicht. Und die beschränkt sich keineswegs auf die eines „Incels“, wie in den Medien behauptet, sondern ist von Hass auf den Kapitalismus und Juden geprägt.
Am vergangenen Montag eröffnete in Montreal ein mit einer Langwaffe bewaffneter Mann in Militärkleidung das Feuer auf Polizeibeamte und tötete den 34-jährigen Mohamed Lamine Benredouane, bevor er selbst erschossen wurde. In dem Chaos – möglicherweise durch die Kugel einer Polizistin – wurde auch ein Zivilist getötet, der 68-jährige Michael Mizrahi, Mitglied der jüdischen Gemeinde Montreal.
Die Tat ereignete sich in dem jüdisch geprägten Stadtteil Côte-des-Neiges, weshalb ein antisemitischer Anschlag für möglich gehalten wurde. Bald nach der Tat wurde jedoch bekannt, dass der Täter, der 25-jährige Philosophie-Student Seth Scott Hatfield aus Lethbridge, zwei Wochen zuvor ein 104-seitiges Manifest verfasst hatte, das sogleich als Dokument der „Incel“-Ideologie interpretiert wurde. „Incel“ ist die Kurzform von „involuntary celibate“ („unfreiwillig enthaltsam“) für jemanden, der bei Frauen nicht ankommt, und wird gewöhnlich mit einer misogynen, rechten Einstellung in Verbindung gebracht.

Montreal Police Chief Fady Dagher gibt erschüttert den Tod des Kollegen bekannt.
Fester Glaube: Der Kapitalismus zerstört die Gesellschaft
Nun stimmt es, dass Hatfield extreme Ansichten über Frauen hatte. Aber das war nur ein kleiner Teil seiner Weltanschauung. In seiner Schrift, die im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit gehalten ist und jede Menge Fußnoten enthält, beschreibt er, wie sich die Gesellschaft von der Monogamie zu einer „hypergamen“ wandelte – seiner Ansicht nach durch den Kapitalismus, die Pornoindustrie, Dating-Apps und die Kontrolle durch die Elite.
Hatfield, der ausweislich seines Manifests trotz seiner extremen Ansichten durchaus belesen, intelligent und eloquent war, lobt das, was er als kommunistische Gesellschaften bezeichnet – etwa China, Nordkorea und die Sowjetunion – im Gegensatz zum „Westen“, weil diese Gesellschaften seiner Auffassung nach besser darin seien, gemeinschaftliche Strukturen zu schaffen, die Monogamie fördern.

Einleitung des akademisch gehaltenen Manifests von Hatfield.
Im Manifest schreibt der Student, dass „die kapitalistische Ordnung echte Gemeinschaft zerstört und durch transaktionale Beziehungen ersetzt habe“ und argumentiert, dass „die Logik des Marktes jeden Lebensbereich durchdrungen habe und Individuen entfremdet sowie spirituell ausgehöhlt zurücklasse“. Insbesondere männliche Einsamkeit stellt er als eine zivilisatorische Krise dar.
Verantwortlich für die Degeneration des Westens: die „jüdisch-bürgerliche Klasse“
Zu den Incel-typischen Annahmen gehören: Frauen hätten nahezu unbegrenzte Auswahlmöglichkeiten. Die meisten Frauen würden nur eine kleine Elite von Männern wollen. Und das gesamte gesellschaftliche System sei gegen durchschnittliche Männer gerichtet. Die Degeneration des Westens, vor der die kommunistische Welt ihre Bürger bewahrt hat, wie Hatfield glaubt, sei der Bourgeoisie anzulasten.
Und in dieser befanden sich, so der Mörder von Montreal, viele Juden, „die ihre neu gewonnene Macht umgehend dazu nutzten, den Staat Israel zu schaffen“: „Der Einfluss zionistischer Juden auf die westliche Bourgeoisie ist tatsächlich so stark, dass ich die westliche herrschende Klasse in einigen meiner anderen Werke gelegentlich selbst als die ‚jüdisch-bürgerliche Klasse‘ [im Original: „judaeo-bourgeois class“] bezeichne.“ Allerdings sei auch ein großer Teil der Bourgeoisie nicht jüdisch, so wie ihr auch nicht alle Juden angehörten.
In seinem Manifest ruft Hatfield dazu auf, gegen den „Hypergamie-Staat“ zu kämpfen. Wer Gewalt ablehnt und auf legale oder politische Wege setzt, dem empfiehlt er die Unterwanderung ideologischer Strömungen wie des konservativen Sozialismus, Kommunismus, oder der islamischen Theokratie – der ideologischen Richtungen, die „am ehesten mit seinen eigenen Ansichten vereinbar“ seien.
Aufruf zum revolutionären Kampf
Hatfield selbst zieht den revolutionären Kampf respektive den Terrorismus vor. Er empfiehlt, die Schriften und Lehren von Robespierre, Saint-Just, Babeuf, Marx, Engels, Lenin, Dzierżyński, Stalin und Mao zu studieren. Man solle von ihnen „lernen, zu erkennen, inwiefern sie uns ähnelten, und jene Lehren aufzunehmen, die für unsere Sache relevant sind“. Felix Dzierżyński, den berüchtigten Chef der bolschewistischen Geheimpolizei, zitiert Hatfield wie folgt:
„Unsere Aufgabe ist es, die Feinde der Sowjetmacht und der neuen Lebensordnung zu bekämpfen. Solche Feinde sind sowohl unsere politischen Gegner als auch alle Gangster, Betrüger, Wucherer und sonstigen Kriminellen, die die Grundlagen des sozialistischen Systems untergraben. Ihnen gegenüber sind wir erbarmungslos.“

„Erbarmungsloser Kampf“: Hatfield zitiert Felix Dzierżyński,, den gefürchteten Chef der bolschewistischen Tscheka (Geheimpolizei).
Berufung auf Marx und Engels
Hatfield will die modernen Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen, die er für Entfremdung, Einsamkeit und moralischen Verfall verantwortlich macht, gewaltsam gestürzt sehen. Zu den Personengruppen, die er als Ziele markiert hat, gehören Politiker, „einflussreiche Zionisten“ und die Hauptsitze aller Unternehmen mit Verbindungen zum Zionismus, führende Banker der Finanzelite, Immobilien-Investoren, Spekulationsbetrüger, „prominente Profiteure körperlicher Verstümmelung, gemeinhin als ‚Schönheitschirurgen‘ bekannt“, Homosexuelle, Porno-Unternehmen und -darsteller, denen vorgeworfen wird, Pornografie aktiv zu verbreiten.
Tatsächlich gehören Porno-Unternehmen zu den Zielen, gegen die er Angriffe empfiehlt, weil er Pornografie als einen der schlimmsten Faktoren für männliches Leid und einen umfassenderen kulturellen Niedergang betrachtet. Es wird für möglich gehalten, dass Hatfield seinen Anschlag möglicherweise gegen den Hauptsitz und/oder den Geschäftsführer eines Unternehmens in Montreal gerichtet haben könnte: Der Angriff ereignete sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eines Gebäudes, in dem sich die Montrealer Büros von Aylo befinden, der multinationalen Firma hinter der Pornografie-Website Pornhub, einer der meistbesuchten Websites der Welt.

Die Website Pornhub war dem Mörder von Montreal verhasst.
In seinem Bestreben, die Hypergamie zu überwinden, beruft sich Hatfield auf Karl Marx und Friedrich Engels’ „Kommunistisches Manifest“ und zählt als wichtigste Bedingungen dafür auf:
- Die vollständige Abschaffung des Privateigentums ohne Entschädigung und die anschließende Verstaatlichung dieses Eigentum.
- Die Zentralisierung des Kreditwesens in den Händen des Staates durch die Einrichtung einer Zentralbank und einer Planwirtschaft.
- Die Einführung staatlicher Kontrolle über Transport- und Kommunikationsmittel.
Durchschaubares Framing
In der Wahl der Mittel, die im gewalttätigen Kampf gegen die vermeintlichen Verderber der Gesellschaft legitim sind, ist der Dzierżyński-Fan nicht wählerisch. Lang und breit lässt er sich darüber aus, zu welchen Waffen man greifen sollte, und ruft schließlich offen zur Gewalt auf:
„Bewaffnet euch mit allem, was ihr beschaffen könnt, sei es eine Klinge, eine Schusswaffe, eine Bombe oder alles zusammen. Zieht dann los, stürmt die prunkvollen Arbeitsstätten, die Konferenzen und die Wohnungen unserer Feinde und vernichtet den gesamten Abschaum, den ihr dort vorfindet. Streckt sie mitten in ihrem angeblich verdorbenen und hedonistischen Leben nieder und lasst sie in ihrem eigenen Blut versinken.“
Der Aufruf endet mit der Parole: „Seid unbeugsam, zieht hinaus und TÖTET SIE ALLE.“
Hatfields Tat allein auf die Incel-Ideologie zurückzuführen, erscheint vor diesem Hintergrund als Versuch, das Verbrechen von Montreal als Folge einer angeblich rechten, von Männern geprägten gesellschaftlichen Krise zu framen und die unbequeme Realität linksextremen antisemitischen Extremismus unter den Teppich zu kehren.
„Falscher“ Täter, abgehakt
Sein „Manifest des 22. Juni“ hat selbstverständlich mit einer extremen Art der Frauenfeindlichkeit zu tun, ist aber nicht „rechts“, sondern in der Summe eine Mixtur aus Antifeminismus, Antisemitismus, Antikapitalismus, Kulturpessimismus sowie persönlichen Beschwerden und Verschwörungserzählungen.

Seth Hatfield in seiner Camouflage-Uniform am Tatort.
Das vollständige Dokument ist nicht offiziell durch Behörden oder Ermittlungsstellen öffentlich gemacht worden. Das ist in solchen Fällen üblich – um Nachahmungseffekte zu vermeiden, keine unkontrollierte Verbreitung extremistischer Inhalte zu fördern und laufende Ermittlungen und rechtliche Prozesse zu schützen.
Es fällt jedoch auf, dass kaum von der marxistischen Ideologie die Rede ist, die das ganze Manifest durchzieht. Lieber stellt man die „Incel“-Weltsicht Seth Hatfields in den Vordergrund und lässt die Bluttat von Montreal als irgendwie „rechts“ oder „rechtsextremistisch“ motiviert erscheinen, um sie gleich danach abzuhaken. Ob in der staatlichen kanadischen Rundfunkanstalt CBC oder in der Tagesschau der ARD: Ein kommunistischer Antisemit darf als Täter nicht vorkommen.
Lesen Sie dazu auch: Trans-Amok-Chronik: So oft mordeten Männer in Frauenkleidern Unschuldige
Mehr NIUS:
Offenbach: Jugendlicher schießt auf Freibad-Sicherheitsmitarbeiter (36)
Mädchen (18) von zwei Syrern am Münchener Busbahnhof vergewaltigt
BKA zählt 54 Angriffe auf Journalisten: Die meisten Fälle wurden „ausländischer Ideologie“ zugeordnet
Ladendiebstahl erreicht neuen Höchststand: Einzelhandel verliert mehr als 4,3 Milliarden Euro
Gewalt in Deutschland: Das NIUS Protokoll
SEK-Zugriff: Mann übergoss sich im Rathaus mit Benzin und drohte mit Feuerzeug
+++ Messerstecherei unter Rumänen +++ 30-Jähriger greift Ex-Partnerin (32) an +++ 52-jähriger Obdachloser schlägt mit Machete um sich +++
Homophobie in Hamburg: Mann mit „südländischem“ Aussehen verprügelt 40-Jährigen
Mehr NIUS:
Ladendiebstahl erreicht neuen Höchststand: Einzelhandel verliert mehr als 4,3 Milliarden Euro
Gewalt in Deutschland: Das NIUS Protokoll
SEK-Zugriff: Mann übergoss sich im Rathaus mit Benzin und drohte mit Feuerzeug
+++ Messerstecherei unter Rumänen +++ 30-Jähriger greift Ex-Partnerin (32) an +++ 52-jähriger Obdachloser schlägt mit Machete um sich +++
Homophobie in Hamburg: Mann mit „südländischem“ Aussehen verprügelt 40-Jährigen
Eine Droge namens „Knastpapier“ überschwemmt deutsche Gefängnisse
Buttersäureanschlag auf Auto von Christoph de Vries
Gesucht! Hüseyin B. (33) soll Mann in Bremen niedergestochen haben
Claudio Casula
Artikel teilen
Kommentare