30 Jahre auf der Flucht: ARD-Reporter gaben Informationen über RAF-Terroristin nicht an Polizei weiter
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Nach 30 Jahren, in denen sie sich unbehelligt als normale Bürgerin in der Gesellschaft bewegte, hat die Polizei am Montag die RAF-Terroristin Daniela Klette festgenommen. Unglaublich: ARD-Journalisten waren Klette bereits im vergangenen Jahr auf den Fersen, gaben ihre Informationen aber nicht an die Strafverfolgungsbehörden weiter.
Wie kann es sein, dass eine gesuchte Verbrecherin in der Hauptstadt lebt – und niemand etwas davon mitbekommt?
Genau das ist Daniela Klette gelungen, und zwar 30 Jahre lang. Sie tanzte Capoeira, unterrichtete Kinder in der südamerikanischen Tanz-Kampfkunst und nahm am „Karneval der Kulturen“ in Berlin teil. Ohne Hemmungen ließ sie sich bei solchen Gelegenheiten auch fotografieren.
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Ihre Leidenschaft hätte Klette zum Verhängnis werden können – wenn die Behörden die zahlreichen Bilder, die im Netz von ihr herumschwirren, gefunden hätten.

Terroristin Klette beim Capoeira-Tanzen (Foto/Collage: ÖRR Antisemitismus Watch)
Journalisten nutzten KI-Software
Genau das gelang ARD-Reportern im vergangenen Jahr bei ihrer Recherche für den Podcast „Legion: Most Wanted“.
In dem Beitrag wird Bellingcat-Journalist Michael Colborne beauftragtet, Klette mithilfe von alten Fahndungsbildern zu suchen. Colborne arbeitet mit einem Bildanalyse-Tool, das mithilfe künstlicher Intelligenz Gesichter abgleicht. Er ließ es durchs Netz laufen und erhielt zunächst vor allem die bekannten Fahndungsfotos von Klette. Doch dann tauchten vier Jahre alte Fotos von Klettes Capoeira-Gruppe auf Facebook auf.
Doch warum gelingt den Strafverfolgungsbehörden nicht, was Journalisten offenbar mühelos schaffen? Versuchten Sie es möglicherweise nicht einmal? Und: Warum gaben die Journalisten des rbb ihre Erkenntnisse nicht an die Behörden weiter?
Auf eine NIUS-Anfrage antwortet ein rbb-Sprecher: „Es sind keine Rechercheergebnisse an Ermittlungsbehörden weitergegeben worden, der Podcast selbst ist natürlich frei zugänglich.“
Brisant: Der Podcast wird nicht nur vom rbb und dem Podcast-Studio „Undone“ produziert – sondern auch vom NDR und damit von der öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalt, die auch die Tagesschau produziert.
Journalisten informierten Strafverfolgungsbehörden nicht
Die Journalisten hielten es aber offenbar nicht für nötig, die Polizei darüber zu informieren, dass mitten in Berlin eine gesuchte Terroristin als ganz normale Bürgerin lebte.
Das BKA verweist in der Frage an die Staatsanwaltschaft Verden. Dort antwortet man uns auf Anfrage: „Angesichts der laufenden Ermittlungen können gegenwärtig keine Angaben gemacht werden.“ Auf eine erneute, allgemein gefasstere Rückfrage, ob man denn grundsätzlich mit ähnlichen Such-Tools arbeite, erneut die ausweichende Antwort: „Aus ermittlungstaktischen Erwägungen werden zu Einzelheiten der Ermittlungen, hierzu gehören insbesondere auch Fahndungsmethoden, keine Angaben gemacht.“
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