Antisemitismus: Bereits 960 judenfeindliche Straftaten in diesem Jahr
- Im Jahr 2023 wurden bereits 960 antisemitische Straftaten in Deutschland erfasst, berichtet die Welt.
- Die meisten Verdächtigen stammen aus dem rechtsradikalen Spektrum.
- Der Zentralrat der Juden warnt davor, dass viele Übergriffe, insbesondere von Muslimen, nicht einmal erfasst werden.
Die Zahl antisemitischer Straftaten bleibt besorgniserregend. Das Bundeskriminalamt hat im ersten Halbjahr insgesamt 960 Fälle registriert, darunter 25 Gewalttaten.
Großteil der Straftaten kommt von rechts
Wie die Welt berichtet, geht diese Information aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Vizepräsidentin des Bundestags, Petra Pau, hervor. Der Großteil dieser Straftaten wird der politisch motivierten Kriminalität rechts zugeordnet. 380 der 446 im zweiten Quartal 2023 registrierten Straftaten und sieben der 14 Gewalttaten entfallen auf diesen Bereich. Zwei dieser Gewalttaten wurden jeweils in Berlin und Bayern registriert, dazu je eine in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Synagoge in Berlin-Mitte unter Polizeischutz.
Auf den Phänomenbereich „ausländische Ideologie“ fallen im zweiten Quartal 15 Straf- und zwei Gewalttaten, einer „religiösen Ideologie“ werden vier Straf- und eine Gewalttat zugerechnet, also vor allem islamistisch motivierte Taten.
Zentralrat der Juden besorgt
Der Zentralrat der Juden äußert seine Besorgnis über die anhaltend hohen Zahlen. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats, betonte: „Wir erleben eine Geisteshaltung, die jüdisches Leben nicht zu Deutschland zählt“. Er fügte hinzu, dass es eine anhaltende Bedrohung aus bestimmten Milieus gibt, insbesondere von der radikalen Rechten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete die Zahlen als „beschämend“ und betonte die Notwendigkeit, jüdische Einrichtungen in Deutschland zu schützen.
Trotz eindeutiger Zahlen sieht Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Judenhass nicht nur am Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Sie sagte, dass es während der Corona-Pandemie einen Anstieg des „antisemitischen Verschwörungswahns“ gegeben habe. Petra Pau erinnerte an einen Vorfall, bei dem ein israelischer Tourist in Berlin angegriffen wurde, nachdem er Hebräisch gesprochen hatte.
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