Arche-Gründer Siggelkow: „Kinder wissen schon früh, was sie werden: Bürgergeldbezieher“
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In einem gemeinsamen Interview mit Focus und dem Tagesspiegel hat der Gründer des Kinderhilfswerks „Die Arche“, Bernd Siggelkow, die Sozialpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert.
Siggelkow über...
... die Lebenssituation armer Kinder: Wir haben extrem viele alleinerziehende Mütter, die arbeiten, aber zusätzlich Geld brauchen: Bürgergeld oder Kinderzuschlag. Viele beantragen das aber nicht, weil sie zu stolz sind und sich schämen oder weil die Bürokratie beim Jobcenter sie überfordert. Dazu kommen die vielen Migrantenfamilien, die wir ins Land holen und die Sozialleistungen beziehen. Dauerhaft können wir uns das nicht leisten. Nun soll die Kindergrundsicherung es richten. Aber das ist nicht mehr als ein Schnellschuss.
... die fehlgeleitete Verwendung von Bürgergeld in vielen Familien: „Das Klischee, dass in vielen dieser Haushalte eine Spielekonsole da ist oder ein größerer Fernseher, ist nicht falsch.“ Und: „Das Entscheidende ist für mich: Das Geld muss beim Kind ankommen. Ich habe meine Zweifel, ob die Regierung die Prioritäten richtig setzt.“
... den Anreiz für Geringverdiener, überhaupt noch Arbeiten zu gehen: „Wenn ich einen ganz schlechten Bildungsstand habe und mir einen Job suche, dann bekomme ich Mindestlohn. Und viele Leute, die sich den Mindestlohn im Vergleich zum Bürgergeld angucken, sagen: Da bleibe ich lieber zu Hause. Den Leuten muss ganz klar sein, dass sie mit selbst verdientem Geld und Zuschüssen obendrauf deutlich besser dastehen als im Bürgergeld. Und natürlich gibt es die Faulen, von denen Sie reden. Ganz ehrlich und undiplomatisch: Da braucht der eine oder andere auch stärker als bisher einen Tritt in den Hintern. Es reicht nicht, hier und da Sozialleistungen zu kürzen, sondern die Botschaft müsste sein: So, du gehst jetzt gemeinnützig arbeiten. Da müssten Arbeitsfähige schlicht in die Pflicht genommen werden.“
... die Zukunftsperspektiven von Kindern armer Eltern: „Wir haben vor Kurzem ein Konzert veranstaltet, für 80 Prozent der Kinder im Publikum war es das erste ihres Lebens. Viele unserer Kinder waren noch nie im Kino und haben noch nie den Stadtbezirk verlassen. Im Prinzip fehlt es ihnen an allem. Die wissen in der vierten oder fünften Klasse schon, was sie werden, nämlich Bürgergeldbezieher, weil sie von vornherein gar keine Perspektive vermittelt bekommen.“
...die zunehmende Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen aus Migranten-Familien: „In den letzten zehn Jahren kamen die ganzen muslimischen Hassprediger, die angefangen haben, die Jugendlichen durch Videoclips aufzuhetzen. Die haben sie richtig radikalisiert. Vor einigen Jahren haben wir als Arche in Hamburg einen Jugendlichen an den Islamischen Staat verloren.“
... das Verhältnis von muslimischen Jugendlichen zu Israel: „Wenn ich darauf hinweise, dass die Hamas Frauen und Kinder massakriert hat, kommt als Reaktion nur: „Israel ist selbst schuld. Sie müssen das Land zurückgeben.“ Leider lässt sich mit solchen Gesprächen wenig erreichen, wenn die Kinder von Anfang an mit tief sitzendem Israelhass aufwachsen. Sie müssten dringend die Chance bekommen, ihren Horizont zu erweitern und mit anderen Kulturen und Religionen in Berührung zu kommen.“
... die fehlende Distanzierung von Jugendlichen Migranten von den schrecklichen Taten der Hamas: „Nicht alle halten für gut, was die Hamas getan hat. Aber ich erlebe auch keine Jugendlichen, die sagen, dass sie diese Taten schrecklich finden. Mich schockiert, dass das Thema in den Schulen nicht aufgearbeitet wird.“
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