ARD-Chefredakteurin lästert über den RBB – und zieht ihre Bewerbung zurück
- Juliane Leopold, seit 2019 Chefredakteurin Digitales von ARD-aktuell, hat ihre Bewerbung um den Posten der RBB-Intendanz zurückgezogen.
- Neben der Digitalisierung gebe es noch viele andere Großbaustellen beim Sender, so die ARD-Journalistin.
- Bahnen sich beim Sender schon die nächsten Skandale an?
In einem LinkedIn-Post hat Juliane Leopold (40) verkündet, dass sie ihre Bewerbung auf den Posten des Intendanten des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zurückzieht. Sie sei nicht optimal für die Stelle geeignet: „Ich glaube, dass es im rbb gerade Fragen gibt, die mit größerer Priorität im Fokus stehen.“ Deutet die Journalistin auf noch größere Probleme beim RBB als eine mangelnde Digitalisierung?
RBB-Skandal um Filz und Prasserei
Laut Leopold sind für den RBB aktuell andere Fragen wichtig wie etwa die Zusammenarbeit innerhalb des Senders oder hierarchische Strukturen rund um wichtige Entscheidungen. Außerdem versteckt sie scharfe Kritik: Eine der zentralen Fragen sei wohl auch „Wie bleibt am ehesten alles so, wie es ist?“, schreibt Leopold.
Die Intendantenwahl ist notwendig geworden, nachdem der RBB im Sommer 2022 in eine tiefe Krise gestürzt war. Wegen Vetternwirtschaft und der Verschwendung von Geldern war die damalige Intendantin Patricia Schlesinger rausgeflogen. Auch Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf war verwickelt. Schlesinger wurde fristlos entlassen. Beide wiesen die Vorwürfe zurück. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt.
Am Freitag wird die neue Intendanz gewählt
Der RBB-Rundfunkrat, der sich aus verschiedenen Gruppen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und weiteren Institutionen zusammensetzt und als Aufsichtsgremium fungiert, wählt den Intendanten oder die Intendantin an diesem Freitag (16. Juni). Auf der Kandidatenliste stehen nun noch: Heide Baumann (50, zuletzt Mitglied der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland), Ulrike Demmer (50, von 2016 bis 2021 stellvertretende Sprecherin der vergangenen schwarz-roten Bundesregierung), und Jan Weyrauch (55, Programmdirektor bei Radio Bremen).
Der Vorsitzende des Rundfunkrates Oliver Bürgel äußerte sein Bedauern über den Rückzug von Leopold. „Wir haben in der Findungskommission viel Wert darauf gelegt, Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen inhaltlichen und strategischen Ansätzen in das Wahlverfahren zu integrieren. Die Kompetenzen und das gesamte Auftreten von Frau Leopold in unserem anspruchsvollen Bewerbungsverfahren haben nicht nur mich beeindruckt. Trotzdem respektiere ich ihre Entscheidung ausdrücklich.“
Auch Radio-Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch wird doch nicht bei der Intendantenwahl beim öffentlich-rechtlichen ARD-Sender antreten. Er habe sich entschieden, nicht zu kandidieren, teilte Weyrauch am Donnerstag – einen Tag vor der Wahl – mit. Hintergrund für seinen Rückzug ist eine aufgekommene Debatte um die Höhe des künftigen Intendantengehalts in dem Sender.
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