Behörden-Irrsinn in Berlin: Leeres Vogelnest blockiert Bau von 230 Wohnungen
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Berlin kommt nicht zur Ruhe – bei den Baumaßnahmen schon. Der nächste Irrsinn in der Hauptstadt ist da.
Wie die BZ zuerst berichtete, blockiert ein verlassenes Vogelnest im Stadtteil Mariendorf den Bau von 230 Wohnungen. Es geht um den sogenannten „Campus Schätzelberg“, ein 100-Millionen-Euro-Projekt. Private Investoren (darunter „Baumarkt“-Familie Hellweg) wollen bis zu 230 Wohnungen (davon 85 gefördert) und eine Kita errichten. Das Gelände grenzt an den Dreifaltigkeits-Friedhof, berührt jedoch keine Gräber.
Nach fünf Jahren Planung sollten die Bauarbeiten beginnen. Plötzlich ist das Genehmigungsverfahren ins Stocken geraten.
Und das hat mit Bürokratismus zu tun – und völlig falsch verstandenen Tierliebe. Es geht um Mäusebussarde. Genauer: um ein verlassenes Nest, in dem ein Mäusebussard einst gelebt hat. Der Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen mit dem typisch schrillen Fiepen gehört zu häufigsten Greifvögeln in Mitteleuropa. Der Buteo buteo (so sein wissenschaftlicher Name) hat sich auch im Berliner Stadtgebiet angesiedelt. Und da beginnt das Drama um die 230 Wohnungen, die jetzt vielleicht nie gebaut werden können. Denn wo der Bussard wohnt, darf nicht gebaut werden.
Nest ist schon zerfallen
Das erste Problem: Die beteiligten Naturschutzbehörden befürchten, der Baulärm könnte den Lebensrum eines Mäusebussards beeinträchtigen. Allerdings: Der Befund eines Gutachters, den die Investoren beauftragt hatten, weist aus: „Das Nest ist so stark zerfallen, dass es Löcher aufweist und keine Anzeichen einer Erneuerung zeigt.“ Spätestens seit 2022 sei es nicht benutzt worden, so das Gutachten. Die letzten Jungvögel piepten dort 2020.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz verliert eine Brutstätte ihren Schutzstatus, wenn es länger nicht genutzt wurde. In der Regel sind das zwei Jahre. Aber Experten des Berliner Umweltamtes setzten jetzt als Frist vier Jahre an, fordern eine Ausnahmegenehmigung für die Entfernung des Nestes. Der Volksmund sagt: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das gilt offenbar nicht unter Naturschützern. Bausenator Christian Gaebler (SPD) und Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) suchen „derzeit eine gemeinsame Lösung“, wie es heißt. Gaebler zu BZ: „Standards müssen so gesetzt werden, dass die Natur zu ihrem Recht kommt – aber auch der Wohnungsbau. Keine Seite kann mit Maximalforderungen an den Start gehen. Manche Fach-Bedarfe stellen ihre Forderungen absolut – das wollen wir im Senat anders machen.“
Sehnse, det is Berlin, könnte man sagen. Oder (nicht ganz ernst gemeint): Mäusebussard müsste man sein. Zumindest in Berlin. Da gibt es keinen Baulärm.
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