Behörden-Versagen in Hamburg: Alster-Schwäne brauchen Winterquartier – Bauzeit mehr als 10 Jahre!
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- Die Alsterschwäne (aktuell zirka 120 Stück) sind ein Wahrzeichen der Stadt Hamburg
- Zum Überwintern stellt die Hansestadt den Schwänen immer ein Übergangsquartier zur Verfügung
- Bereits 2016 begannen die Planungen für eine permanente „Schutzresidenz“, doch das Projekt verzögerte sich immer wieder
- Neuer Termin für die Fertigstellung: frühestens 2026
Es begann im Jahr 2016 – in Hamburger Behörden entstand die Idee, eine neue, sichere Unterbringungsmöglichkeit für die Alsterschwäne zu schaffen. Gerade bei Krankheiten Tier-Pandemien und in der kalten Jahreszeit sollten die Schwäne, in Hamburg als Wahrzeichen bekannt, warm und sicher untergebracht sein.

Im Jahr 2018 noch ganz stolz (von l. nach r.): Leiter Fachamt Management des öffentlichen Raumes Egbert Willing, stellv. Leiterin Bezirksamt Hamburg-Nord Yvonne Nische, Schwanenvater Olaf Nieß, Finanzsenator Andreas Dressel.
„Ganz im Sinne des Tierschutzes“
Im Jahr 2018 verkündete die Stadt: Das bestehende Schwäne-Quartier soll um eine feste Halle ergänzt werden. Die damalige Bezirksamtsleiterin Hamburg-Nord, Yvonne Nische sagte: „Dass Hamburg-Nord stellvertretend für die ganze Stadt den Hamburger Alsterschwänen eine Heimstätte bieten darf, darauf sind die Menschen hier im Bezirk sehr stolz.“
Sie freue sich, dass die Stadt in die Modernisierung der Unterkunft investiere und eine feste Halle für den Bedarfsfall in der kalten und für Aufzuchtprojekte in der warmen Jahreszeit ermögliche. „Das ist ganz im Sinne des Tierschutzes und derjenigen, die sich hier als Gastgeber um Hamburgs Wahrzeichen kümmern!“
Architekten planen Halle mit begrünten Dächern
Zwei Jahre später präsentiert das Architekturbüro „EinsZuEins“ auf seiner Webseite den Entwurf für das Schwan-Quartier. Man habe sich in einem Wettbewerbsverfahren durchgesetzt. Die Entwürfe sind extravagant. Geplante Realisierung laut Architekturbüro (bis heute so auf der Webseite ausgewiesen): das Jahr 2022.

Die 3D-Animation vom Architekturbüro „EinszuEins“
Vogelgrippe kam schneller als neue Halle
Im Jahr 2021 zwang die Vogelgrippe die Behörden zum schnellen Handeln. Auf der Baustelle war noch nichts geschehen, doch die Schwäne brauchen trotzdem Sicherheit vor der oft tödlichen Tierkrankheit.
Die einfache Lösung auf Kosten der Steuerzahler: Eine Zeltanlage wird angemietet. Nach NIUS-Informationen belaufen sich die Kosten dafür auf alleine 40.000 Euro pro Winter. Sollte die Zelt-Lösung tatsächlich bis einschließlich heute genutzt worden sein, kostete allein das Interim-Winterquartier der Schwäne den Steuerzahler mehr als 250.000 Euro.

Dieses Foto entstand vor wenigen Tagen bei einem offiziellen Pressetermin. Die Schwäne wurden aus dem Winterquartier auf die Alster entlassen.
Mit dieser Summe hätte man gewiss ein schickes Winterquartier für Hamburgs Prachtvögel schaffen können ...
„Insbesondere wegen der Vogelgrippe mussten wir in den vergangenen Jahren immer wieder Zelte aufbauen, um die Schwäne vor einer Infektion zu schützen. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig“, gibt der Bezirksamtsleiter, Michael Werner-Boelz, gegenüber dem NDR zu.
2023: Bald soll es so weit sein!
Im Januar 2023 berichtet das Hamburg Journal: Architektur-Wettbewerb abgeschlossen (dieser fand schon 2020 statt) und zum Ende des Jahres soll das neue Winterquartier stehen. Der NDR berichtet dazu: „Mit dem Neubau sollen die Schwäne als Symbol der Stadt Hamburg nun ein repräsentatives und artgerechtes Quartier erhalten.“
Schließlich blickt das Hamburger Schwanenwesen auf eine jahrhundertelange Tradition. Das Amt des Schwanenvaters gebe es schon seit 1674.

2024: Fertigstellung in diesem Jahr ungewiss
Schwanenvater Olaf Nieß ist zwar nicht für das Desaster verantwortlich, darf aber beim NDR die peinliche Botschaft übermitteln. Der Neubau verzögere sich weiter. Gründe nannte Nieß nicht.
NIUS vor Ort: Fertigstellung dieses Jahr unwahrscheinlich
NIUS war am Eppendorfer Mühlenteich und hat den aktuellen Fortschritt der Bauarbeiten mit Fotos dokumentiert. Der Stand der Dinge: peinlich.

Trostlos: Die Baustelle des neuen Schwan-Quartiers macht eher den Eindruck eines Abstellplatzes.
Diese Bilder sind Zeugnis für ein bald zehnjähriges Totalversagen der mit dem Bau betrauten Behörden. Sollte der Bau der Köhlbrandbrücke in einer ähnlichen Güte erfolgen, ist wohl nicht mehr mit einer Fertigstellung in diesem Jahrhundert zu rechnen (NIUS berichtete).
Mehr lesen: Deutschland-Tempo: Warum wird diese Brücke erst in 18 Jahren fertig?

Lediglich Bäume und Büsche wurden entfernt. Von echten Baumaßnahmen können die Hamburger aktuell nur träumen.
Auf den Fotos ist zu sehen: Einige Bäume, Hecken und Sträucher wurden bereits gefällt und entfernt. Doch nach NIUS-Informationen rechnet man in den Behörden mit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2025.
Bis dahin werden weiter Bauzäune das Gelände um den Teich schmücken. Fertigstellung der neuen Halle? Vermutlich frühestens 2026 – 10 Jahre nach Planungsbeginn.
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