Botaniker-Kongress: 200 Pflanzen wegen rassistischer Namen umbenannt
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Sechs Tage lang stritten sich mehr als 500 Pflanzenforscher bei ihrem Internationalen Botanischen Kongress in Madrid in Spanien um ein Thema, das die Welt bewegt: angeblich rassistische Namen von Pflanzen, Pilzen und Algen. Nach knapper Abstimmung stand schließlich fest, dass 200 Lebewesen umgetauft werden, weil ihre Bezeichnungen schwarze Menschen in Afrika beleidigen sollen.
Konkret handelt es sich bei der Umbenennung um Pflanzen-, Pilz- und Algennamen, die das Wort „caffra“ enthalten – etwa die „Erythrina caffra“, auf Deutsch bekannt als Küstenkorallenbaum. Der Begriff sei ein Schimpfwort gegenüber schwarzen Menschen, der aus der Kolonialzeit stammt und vor allem schwarze Menschen in südafrikanischen Ländern betrifft, hieß es im Vorfeld des Kongresses. Er soll nun mit dem Ausdruck „affra“ ersetzt werden.
„Dieses Wort ist heutzutage äußerst abwertend für Menschen aus Afrika. Aber das war nicht immer so; die negativen Konnotationen begannen Mitte des 20. Jahrhunderts“, schrieb Sonia Molino von der spanischen Botanischen Gesellschaft auf X. Die Änderung des Wortes „caffra“ in „affra“ wurde vom Pflanzentaxonomen Prof. Gideon Smith von der Nelson Mandela University in Südafrika und seinem Kollegen Prof. Estrela Figueiredo vorgeschlagen.
Umbenennung laut Expertin nur ein „Babyschritt“
Sandra Knapp vom Natural History Museum, die den Kongress leitete, sagte dem britischen Guardian: „Die Entscheidung der Botaniker sollte der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die an der Benennung von Organismen beteiligt ist, klarmachen, dass sie Gespräche eröffnen und sich bewusster darüber werden müssen, welche Namen erlaubt werden sollten.“ Aber: Die Entscheidung sei ein „Babyschritt“ und „nicht mehr als das.“
Eigentlich wurden von den Wissenschaftlern noch stärkere Änderungen gefordert: So sah der ursprünglich eingereichte Beschluss vor, alle Namen mit beleidigenden oder abwertenden Konnotationen rückwirkend zu ändern. Am Ende konnten sich die Forscher aber darauf einigen, dass ab dem 1. Januar 2026 entsprechende Namen nicht mehr genutzt werden dürfen. Laut Medienberichten soll dann ein Expertengremium über die Benennung neu entdeckter Pflanzen entscheiden.

Anophtalmus hitleri, auch bekannt als „Hitlerkäfer“.
Mini-Käfer „Hitleri“ bleibt „Hitleri“
Auch ein weiterer gerade mal fünf Millimeter kleiner Käfer erregt die Gemüter. Der Grund ist sein wissenschaftlicher Name: „Anophthalmus hitleri“. Sinnigerweise ist das Insekt braun und blind – und wurde schon 1937 von dem österreichischen Käfersammler und Führer-Fan Oskar Scheibel zu Ehren Adolf Hitlers so benannt.
In der Natur ist der kleine Krabbler, der aus Slowenien stammt, fast ausgestorben. In den zoologischen Sammlungen existieren auch immer weniger präparierte Exemplare, weil es Neonazis schick finden, einen kleinen „Hitleri“ zu besitzen.
Bis zu 2000 Euro werden auf dem Schwarzmarkt für die Mini-Käfer geboten. Der Name steht derzeit nicht zur Disposition.
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