Kai Wegner tut nichts gegen glatte Gehwege: Entsetzen und Fassungslosigkeit über den Regierenden Streusalz-Versager von Berlin
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Seit Tagen verwandelt anhaltender Frost, kombiniert mit Eisregen, Berlin in eine gefährliche Rutschbahn. Gehwege und Treppen sind spiegelglatt, Notaufnahmen melden Dutzende von Knochenbrüchen täglich, und der öffentliche Nahverkehr lahmt. Und zeitgleich gilt in der Hauptstadt ein Verbot von Streusalz auf Berlins Fußwegen aus Umweltschutzgründen, das das Grundwasser vor Versalzung schützen soll, aber nun als lebensgefährlich kritisiert wird. Anders als in Hamburg, wo Ausnahmen bei extremem Glatteis erlaubt sind, bleibt Berlin bei Splitt und Sand als Mittel, die bei anhaltendem Regen oft wirkungslos verspült werden. Nun aber regt sich massive Kritik an der Kommunikation des Oberbürgermeisters Kai Wegner.
Wegner hatte am Donnerstag mit einem dringenden Appell gewarnt: „Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost. Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahmen möglich zu machen“, schrieb er auf der Plattform X und Instagram. Doch der Vorstoß kommt für viele zu spät und wirft Fragen zur Amtsführung Wegners auf, der bereits in früheren Krisen wie dem großen Stromausfall vor wenigen Wochen in die Kritik geraten war.

Wegner flehte öffentlich auf der Plattform X – und auf Instagram.
FDP-Vize Wolfgang Kubicki kritisierte Wegner scharf als „historischen Totalausfall als Regierender Bürgermeister von Berlin“ in einem Post auf X, in dem er auf andere Versäumnisse einging. In einer weiteren Äußerung forderte Kubicki sogar Wegners Rücktritt, da dieser während des Stromausfalls Tennis gespielt habe: „Wäre Kai Wegner zurückgetreten, hätte er sich diese (und vermutlich weitere kommende) Demütigungen erspart. Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende.“ Der Berliner FDP-Landesvorsitzende Christoph Meyer warf der schwarz-roten Koalition Handlungsunfähigkeit vor: „Kai Wegner muss öffentlich darum betteln, von seiner Koalition die Mehrheit für den Einsatz von Streusalz (!) zu bekommen. Diese schwarz-rote Koalition ist gespalten und handlungsunfähig.“ Meyer kritisierte zudem Wegners Vorbereitung auf den Stromausfall: „Berlin war wider besseren Wissens katastrophal auf den Stromausfall unvorbereitet. [...] Dafür tragen er und seine CDU die Verantwortung.“
Moritz Harrer, der für die digitale Kommunikation der FDP verantwortlich ist, schrieb: „Innerhalb von drei Wochen Tennis-Lüge und Streusalz-Bettelei. Kai Wegner bietet uns hier ein meisterhaftes Lehrstück in der politischen (Fehl-)Kommunikation – und es sind für ihn und die CDU noch acht Monate bis zur Wahl. Junge Junge Junge.“
NIUS-Kolumnist Benedikt Brechtken verteidigte Wegner gegen den Spott, der dem Bürgermeister widerfährt: „Der Spott gegen Kai Wegner ist unangebracht und kommt vom Ahnungslosen“, so Brechtken mit einem Augenzwinkern. „Niemand der Kritiker möchte in Wahrheit mit ihm tauschen und die harte Entscheidung verantworten müssen, ob bei glatten Wegen Streusalz eingesetzt werden soll.“

Zwei Zentimeter Eisschicht – und politische Inaktivität
Der linke Journalist Hanno Hauenstein teilte ferner mit: „Kai Wegner bekommt es nicht hin, bei Eis genug Salz streuen zu lassen, damit Menschen Gehwege sicher benutzen können. Bin gerade mit gebrochenem Fuß auf Krücken und kann ohne Uber so nicht mal zum Arzt.“ Liv von Boetticher, investigative Journalistin bei RTL und Stern, postete ein Foto von Glatteis und ergänzte dazu: „2 cm Eisschicht auf einem Fußgängerweg mit Neigung. Für (alte und gebrechliche) Menschen: Lebensgefahr. Es ist im Übrigen so vereist, dass Streusplitt nicht mal mehr richtig haftet.“



Das Stadtbild Ende Januar: Glatteis vor dem Reichstagsgebäude.
„Ein Rückfall ins Mittelalter?“
Der Grund, weshalb Berlin auf Streusalz verzichtet: Wissenschaftler und Experten warnten einst vor den Langzeitfolgen von Streusalz. Es erhöhe die Salzkonzentration in Böden und Gewässern, was Pflanzen und Insekten schade. Dennoch plädieren einige für eine Abwägung: Bei extremem Glatteis wie jetzt, das durch Klimawandel bedingte Wetterextreme begünstigt, müsse Menschenschutz priorisiert werden. Die Anthropologin Susanne Schröter kritisierte: „Gerade aus Berlin gekommen, frage ich mich, ob die ökologische Moderne tatsächlich bedeuten soll, dass der Verkehr zusammenbricht und ältere Menschen in ihren Wohnungen eingeschlossen werden. Ein Rückfall ins Mittelalter?“
Auch Verfassungsrechtler Josef Franz Lindner ging auf Wegner los: „Will der Berliner Bürgermeister Wegner die Menschen ‚seiner‘ Stadt eigentlich für dumm verkaufen und bewusst dem Risiko von Knochenbrüchen wegen Glatteis aussetzen? [...] Im Unterlassen dieser Maßnahme liegt der juristische Ansatz für Staatshaftungsklagen.“ Auch Feuerwehr- und Poilizeigesellschaft haben sich nicht öffentlich geäußert, doch in vergleichbaren Wintern mahnte sie stets zu besserer Vorbereitung auf Glatteisrisiken. Stefan Wetzling schrieb: „Der Testosteronspiegel unter Männern ist seit 1975 um ca. 50% gesunken. Dadurch sinken Risikobereitschaft und Durchsetzungsvermögen. Einer der Hauptgründe, warum wir eine wehrlose und müde Gesellschaft geworden sind. Kai #Wegner ist kein Bürgermeister, er ist ein Symptom.“
Unter den Berlinern dominiert auf X Frustration. Viele verknüpfen das Glatteis mit Wegners Amtsführung insgesamt: Beim Stromausfall Anfang Januar, der mehr als 100.000 Menschen betraf, spielte Wegner Tennis, statt vor Ort zu sein, was sein Image als Krisenmanager nachhaltig beschädigte. Nun, drei Wochen später, zeigt sich erneut, dass Wegner als Krisenmanager versagt.
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