Asylzahlen in Deutschland schießen im September wieder in die Höhe
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Die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versprochene Wende in der Migrationspolitik gerät ins Stocken: Wie die Welt berichtet, hat sich die Anzahl der Asyl-Erstanträge im September erneut erhöht. Laut Innenbehörden seien demnach im vergangenen Monat rund 9.130 Erstanträge gestellt worden, was zwar weniger ist als im Vorjahr, jedoch deutlich mehr als die etwa 7.800 im August. Besonders betroffen waren Antragsteller aus Afghanistan, Syrien und der Türkei. Damit lagen die September-Zahlen über allen Monatswerten seit März dieses Jahres.
Inklusive rund 10.790 Folgeanträgen registrierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt mehr als 19.900 Anträge. Der markante Anstieg der Folgeanträge in den letzten Monaten ist dem BAMF zufolge vor allem auf Frauen aus Afghanistan zurückzuführen. Auslöser ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober vergangenen Jahres, das den Umgang des Taliban-Regimes mit Frauen als „geschlechtsspezifische Verfolgung“ einstuft.
Afghaninnen haben dadurch einen automatischen Anspruch auf Flüchtlingsschutz. Das BAMF muss nun bereits in Deutschland lebenden Afghaninnen, die einen Folgeantrag stellen, die Flüchtlingseigenschaft allein aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft zuerkennen – ohne dass eine individuelle Verfolgung nachgewiesen werden muss.

Wegen der Regentschaft der Taliban können sich afghanische Frauen mit Bezug auf Herkunft und Geschlecht auf Schutz bewerben.
Seit Jahresbeginn meldet das BAMF einen stetigen Anstieg solcher Anträge, da Afghaninnen, die zuvor nur subsidiären Schutz, ein Abschiebungsverbot oder eine Ablehnung erhalten hatten, nun von ihrem neuen Recht Gebrauch machen. Ein zentraler Anreiz: Der Flüchtlingsschutz geht mit einem privilegierten Familiennachzug einher. Das bedeutet, dass die Kernfamilie ein Recht auf Zusammenführung in Deutschland hat, unabhängig davon, ob das hier lebende Mitglied für den Lebensunterhalt der Nachziehenden aufkommen kann.
Bereits mehr als 120.000 Anträge
Parallel dazu ist die Anerkennungsquote für Asylbewerber in diesem Jahr spürbar gesunken: Nur noch weniger als jeder Vierte erhält Schutz. Im vergangenen Jahrzehnt lag die Quote oft bei etwa einem Drittel, in den jüngeren Jahren sogar weit darüber – teils über 60 Prozent. Grund war die Dominanz syrischer Antragsteller, die bis auf Ausnahmen anerkannt wurden, selbst wenn sie zuvor lange in der Türkei oder anderen Ländern gelebt hatten.
Inzwischen sinken die Zahlen bei Syrern und Afghanen. Zudem hat der Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 zu einer Aussetzung von Entscheidungen über syrische Anträge geführt: Diese werden weder anerkannt noch abgelehnt, bis die Lage klarer bewertbar ist. Die Statistik wird somit stärker von Gruppen wie Türken, Irakern und Iranern geprägt, die mit sehr niedrigen Anerkennungsquoten kämpfen.

Syrer in Deutschland feiern den Sturz von Baschar al-Assad.
Trotz aller Maßnahmen übersteigt der monatliche Zuzug von Asylsuchenden und nachziehenden Angehörigen bei weitem die Ausreisen und Abschiebungen. Während aus der Türkei seit dem Assad-Sturz Hunderttausende Syrer in ihre Heimat zurückgekehrt sind, haben aus Deutschland nur etwa 2.000 Syrer per Förderprogramm ausgereist.
Die Bundesregierung feiert dennoch die im Vergleich zum Vorjahr gesunkenen Asylzahlen als Erfolg ihrer Migrationswende – obwohl allein 2025 bereits mehr als 87.000 Erstantragsteller hinzugekommen sind. Inklusive Folgeanträgen beläuft sich die Gesamtzahl nun auf über 120.000.
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