Polizei suchte 30 Jahre vergeblich nach RAF-Terroristin: Journalisten entdeckten Daniela Klette beim Capoeira-Tanzen
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Diese Geschichte ist so unfassbar, dass man sie kaum glauben kann.
Sie handelt von einer Frau, die auf Partys mit ihrer RAF-Mitgliedschaft prahlt, einer Terroristin, die von Journalisten beim Capoeira-Tanzen aufgespürt wird und trotzdem unbehelligt in Deutschland lebt. Sie handelt von einem skandalösen Versagen der Behörden.
Die Frau, um die es geht, heißt Daniela Klette (65) und sie ist die RAF-Terroristin, die am Montag gefasst wurde. NIUS berichtete.
Irre: Bereits im vergangenen Jahr waren Journalisten ihr auf der Spur, konnten ihre Capoeira-Tanz-Gruppe mithilfe eines Software-Programms ausfindig machen. Für den rbb-Podcast „Legion: Most Wanted“ recherchierte ein Team um den Podcaster Khesrau Behroz gemeinsam mit einem Hinweisgeber namens „Sebastian“ und fand heraus, dass sich Klette in Berlin aufhielt.

Im Podcast „Legion: Most Wanted“ berichten die Journalisten von ihrer Recherche.
Doch: Wie kann es sein, dass Journalisten der Terroristin so einfach auf die Spur kommen – und Strafverfolgungsbehörden genau das 30 Jahre lang nicht schaffen?
Die Geschichte, die ein Hinweisgeber namens Sebastian den Journalisten erzählt, beginnt mit dem Treffen der Hacker-Aktivistengruppe Anonymous in Köln. Es ist die Hochzeit der Proteste gegen das Anti-Piraterieabkommen ACTA vor etwa 20 Jahren und er selbst, erzählt Sebastian, habe sich gegen das Abkommen engagiert, an Protest-Veranstaltungen teilgenommen. Dort, das zumindest behauptet er, lernte er Klette kennen, die sich damals Monika nannte. Sie sei immer sehr darauf bedacht gewesen, nicht auf Fotos zu sehen zu sein, habe ihr Gesicht mit einem Tuch oder der typischen Anonymous-Maske bedeckt.
Klette zeigte RAF-Fahndungsplakat auf Party
Jahre später lädt Monika (bei der es sich laut Sebastian um Klette handelt), ihn zu ihrer Geburtstagsparty ein, einer Feier voller Alt-Linker. Dort zeigt sie ihm ein RAF-Fahndungsplakat und erzählt, sie sei die gesuchte Terroristin auf dem Bild. Eine Google-Recherche bestätigt Sebastian, er wendet sich an das Journalisten-Team.
Da die Podcaster unsicher sind, ob sie Sebastian Glauben schenken sollen, beauftragen sie den Bellingcat-Journalisten Michael Colborne, der ein altes Foto der Terroristin Klette mithilfe eines KI-Softwareprogramms analysiert – und Erfolg hat. Colborne findet Fotos von Klette auf der Facebook-Seite eines Capoeira-Vereins.

Terroristin Klette beim Capoeira-Tanzen.
Terroristin tanzt Capoeira mit Kindern
Dutzende Bilder zeigen die Terroristin fröhlich tanzend oder mit Kindern. Allerdings finden sie vor Ort heraus, dass Klette seit vier Jahren nicht mehr in der Gruppe war.
In dem Video ist Klette beim Capoeira vor 11 Jahren in Berlin zu sehen. (Sie trägt ein schwarzes bedrucktes T-Shirt)
Schließlich treffen die Journalisten eine Frau, die sie zunächst für Daniela Klette halten. Sie besuchen sie zu Hause, die Frau lässt sie rein. Einfach so.
Im Wohnzimmer der Frau, die sie für Klette halten, steht ein Katzenbaum, an der Wand hängt ein Star-Wars-Plakat. Monika hat gerade mit ihren Enkeln gebacken, es duftet nach Keksen, als Reporter Serafin Dinges ihre Wohnung betritt. Über eine Stunde sprechen die beiden, aufzeichnen lassen möchte sich Monika nicht.
In dem Gespräch erzählt sie viel von ihrer Zeit bei der Hacker-Gruppe Anonymous, Dinges beschreibt sie als „Anonymous-Oma“, die sichtlich stolz auf die Hacker-Aktionen ist. Als der Reporter sie schließlich auf den eigentlichen Grund seines Besuchs anspricht, bestreitet die Frau, die gesuchte Terroristin zu sein. Der Reporter gibt sich damit zufrieden.
Am Ende resümiert der Podcast-Sprecher Khesrau Behroz: „Bleibt die Frage: Ist Monika Daniela Klette? Schon vor dem Gespräch spricht alles dagegen und nichts, was sie Serafin erzählt, spricht dafür.“ Und: „Wir haben eine Weile darüber nachgedacht: Krankenhaus, Geburtsurkunde, Schule – das alles wäre ziemlich kompliziert.“
Auch die Seriosität von Hinweisgeber Sebastian zweifeln die Journalisten am Ende an. Denn Monika erinnert sich kaum an ihn, verwechselt ihn schließlich. Der Podcaster sagt: „Vielleicht eine Finte, aber eine Terroristin würde sich doch merken, wem gegenüber sie sich offenbart hat.“ Am Ende resümieren die Journalisten, Sebastian habe sie belogen, und die Frau, bei der Reporter Dinges saß, sei nicht die gesuchte Terroristin gewesen.
Fest steht: Journalisten haben es geschafft, die Tanz-Gruppe einer Terroristin mithilfe eines Software-Programms ausfindig zu machen – während den Strafverfolgungsbehörden dies offensichtlich nicht gelang. Ein beispielloses Behördenversagen, das noch aufzuklären sein wird.
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