Querdenken-Chef wieder frei! Als Erstes rief Ballweg seine Eltern an
Von Simone Schamann und Sebastian Karadshow
Nach neun Monaten U-Haft ist er wieder frei!
Querdenken-Chef Michael Ballweg wurde am heutigen Dienstag aus der JVA Stammheim entlassen, um 15.53 Uhr rollte er mit seinen Anwälten in die Freiheit. Zuvor hatte das Stuttgarter Oberlandesgericht seinen Haftbefehl aufgehoben.
Sein erster Anruf galt den Eltern, die erleichtert reagieren. Im Gespräch mit „Achtung, Reichelt!“ sagt Ballweg: „Es gab für mich schwere Momente im Gefängnis, aber ich bin nicht an meine Grenzen gestoßen. Ich hatte jeden Tag Hoffnung, dass ich bald wieder in Freiheit bin.“ Besondere Vorfreude hat er jetzt auf seinen kroatischen Schäferhund DeeDee (3,5 Jahre).
„Achtung, Reichelt!“ konnte Ballweg auf seiner ersten Fahrt nach der Entlassung interviewen:
Ballweg weiter: „Sollte Anklage erhoben werden, blicke ich zuversichtlich auf den Prozessbeginn. Jetzt kann ich mich endlich wieder selbst verteidigen.“ Seit Juni 2022 war Querdenken-Gründer Michael Ballweg in Untersuchungshaft in Stuttgart-Stammheim. Zunächst wurde dem IT-Unternehmer vorgeworfen, 640.000 Euro Spendengelder für private Zwecke verwendet zu haben. Auch Teile der Geldwäsche-Vorwürfe gegen Ballweg wurden fallengelassen.
Im Laufe des Verfahrens wurden die Anschuldigungen deutlich reduziert, es geht jetzt um mehreren Darlehen in Höhe von 146.000 Euro. Der Vorwurf: Er habe Spenden aus der Querdenken-Bewegung auf sein Geschäftskonto geführt. Weiterer Vorwurf: Geldwäsche-Mauscheleien über verschiedene Krypto-Konten und versuchter Betrug in mehr als 9000 Fällen.
Ballweg sagt zu „Achtung, Reichelt!“: „Vor Corona hätte ich niemals gedacht, dass ich mich jemals mit solchen Dingen beschäftigen muss. Der Gedanke, dass ich jemals ins Gefängnis kommen würde, wäre damals absurd gewesen.“
Es sei hart gewesen, kein Internet zu haben, sagt der Querdenken-Chef. Und weiter: „Keinen Zugang zu Zahlen und Dokumenten zu haben, von denen ich weiß, dass sie mich entlasten. Ich habe alles, was ich den Anwälten übermitteln wollte, handschriftlich und aus dem Gedächtnis machen müssen, das einzige Hilfsmittel, das ich in der JVA bekommen habe, war ein einfacher Taschenrechner.“ Ballweg meint das nicht als Vorwurf, er habe nur gemerkt, wie abgeschnitten von der Außenwelt er in der U-Haft war.
„Zum Glück gab es viele tolle Menschen, die mir sehr gute Bücher geschickt haben. Ich habe viel gelesen, viel meditiert. Ich habe auch viel mit anderen Häftlingen gesprochen, was unheimlich interessant war. Die Geschichten und Schicksale der anderen Menschen in Stammheim.“

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