Rammstein-Fans verteidigen Till Lindemann: „Dass die Band nach dem Konzert nicht kuschelt, ist klar“
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- Rammstein gaben erstes Deutschland-Konzert ihrer Europa-Tournee in München.
- Das Olympiastadion war ausverkauft.
- NIUS war Ort, sprach mit den Fans über die aktuellen Vorwürfe um Sex-Castings für Till Lindemann.
Als wäre nichts gewesen... Fast! Im ausverkauften Münchner Olympiastadion hat die Band Rammstein am Mittwoch das erste Deutschland-Konzert ihrer aktuellen Europatournee gespielt. Von der Bühne kein Wort zu den erhobenen Vorwürfe gegen Frontmann Till Lindemann – dafür gigantische Bühnenshow, Brachial-Poesie und Pyro-Effekte wie man es von Rammstein kennt. Anders als bei anderen Konzerten verzichtete die Band aber auf das Lied „Pussy“, zu dem Lindemann sonst das Publikum seit Jahren mit einer Schaumkanone in Formn eines Riesen-Penis bespritzte. Auch diese fehlte.
Mehrere Frauen haben in den vergangenen Tagen Vorwürfe gegen Lindemann erhoben. Sie schildern Situationen, die sie auf Aftershow-Partys der Band als beängstigend empfunden hätten. Dort und auch während Rammstein-Konzerten soll es zu Sex mit Sänger Till Lindemann gekommen sein, nachdem sie aus der sogenannten "Row Zero" (Reihe Null), einem Bereich ganz vorn im Zuschauerraum, gezielt dafür gecastet worden seien. Die Frauen berichten, ihnen sei Alkohol aufgedrängt worden, der Sex habe teilweise unter K.O.-Tropfen stattgefunden, einige zeigten blaue Flecken, die sie an solchen Abenden davongetragen haben wollen.
"Dass die Jungs nach der Show nicht kuscheln, ist klar"
NIUS hat sich die München-Show angesehen – und mit Fans über Rammstein und die aktuellen Vorwürfe gegenüber Till Lindemann gesprochen.
Anna-Lena (25) und Victoria (25), besuchen grundsätzlich gemeinsam Rammstein-Konzerte, zum dritten Mal sind sie bereits dabei. Was finden sie am besten? „Die Musik, die Stimmung, die Show, die Wärme, das Bier. Wir freuen uns immer das ganze Jahr auf das eine Event, das ist Rammstein, nur wir zwei, das ist mein Lieblingsding!" Haben die aktuellen Sex-Vorwürfe eure Sicht auf die Band verändert? "Nö. Wir sind für die Musik hier und sitzen auch nicht in Row Zero.
Vergewaltigung unterstützen wir natürlich nicht, aber dass die Jungs nicht kuscheln nach dem Konzert, ist auch irgendwo klar. Wir haben keine negativen Erfahrungen gemacht.

Glaubt Ihr denn, dass etwas passiert ist, was nicht in Ordnung war? „Schwierig. Es wird was dran sein, das ist ganz klar. Wenn sie
das so sagt, soll man derjenigen, die etwas sagt, Glauben schenken und nicht vorverurteilen. Das, denke ich, machen wir nicht – auf keiner Seite. Wir sind hier neutral. Wir wissen es nicht, wir waren nicht dabei."
"Die Vorwürfe sind Bullshit"
Jari, Patrick, Harri, Tommi, Harri aus Finnland glauben fest daran, dass die Vorwürfe gegenüber Lindemann erfunden sind: "Das ist Bullshit, Lindemann is the King! Das sind nur ein paar Leute, die versuchen, aus etwas einen Skandal zu machen. Das ist Bullshit, ich glaube das nicht. Sie haben keine Beweise."

"Die Mädels wussten doch, worum es geht"
Enni Dippel aus Pressrath: „Die Frauen, die das behaupten, das ist Bullshit in meinen Augen. Meiner Meinung nach ist vielleicht was passiert, aber nicht so, wie sie behaupten. Die Mädels, die da mitgehen, die wissen doch, was Sache ist und worum es geht. Vielleicht war es nur anders als sie es sich vorgestellt haben."
"Noch ist nichts bewiesen"
Helena, 28, aus München: „Jetzt ist ja noch gar nichts bewiesen, von daher mach ich mir da noch gar keine Gedanken. Wenn’s im Nachhinein rauskommt, gut, man würd schon überlegen, ob man nochmal ein Ticket kauft, wahrscheinlich. Aber jetzt bin ich erst mal wegen der Show und der Musik da.“

In einer Stellungnahme von Rammstein hieß es, die Vorwürfe hätten die Band sehr getroffen und man nehme sie außerordentlich ernst. „Unseren Fans sagen wir: Es ist uns wichtig, dass Ihr euch bei unseren Shows wohl und sicher fühlt – vor und hinter der Bühne.“ Weiter hieß es in dem Schreiben vom Samstagabend: „Wir verurteilen jede Art von Übergriffigkeit und bitten euch: beteiligt euch nicht an öffentlichen Vorverurteilungen jeglicher Art denen gegenüber, die Anschuldigungen erhoben haben. Sie haben ein Recht auf ihre Sicht der Dinge.“ Auch die Band habe aber ein Recht – nämlich ebenfalls nicht vorverurteilt zu werden.
Row Zero wurde in München verboten
Für das Münchner Konzert gab es aufgrund der Vorwürfe bereits Konsequenzen. Die Fan-Reihe im Sicherheitsbereich unmittelbar vor der Bühne – die berüchtigte Row Zero – die wurde verboten. Das Konzept für die Aftershowpartys sei ebenfalls geändert, hieß es im Umfeld der Berliner Band. Zudem gibt es eigene Untersuchungen der Band. Dazu sollen schon Zeugenaussagen vorliegen. Eine Anwaltskanzlei befragt Mitarbeiter der Crew, das Sicherheitsteam, die Band. Auch möglicherweise betroffene Frauen sollen befragt werden.
Aufgrund der Anschuldigungen um die Sex-Castings hatten vor dem Konzert rund 60 Menschen gegen den Auftritt der Band protestiert und Ankommende zum Boykott aufgefordert. Nach Angaben eines Sprechers der Polizei verlief die Versammlung ohne größere Zwischenfälle. Nach drei weiteren Konzerten in München in dieser Woche spielt die Band im Juli drei weitere Deutschland-Konzerte in Berlin.
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