Skandal! Kita verteilt Anfass-Tabelle für Kinder
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In einer Kita in Nordrhein-Westfalen, die kürzlich aufgrund von Missbrauchsvorwürfen in den Fokus geraten ist, kommt ein sexualpädagogisches Konzept zur Anwendung, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Während die Staatsanwaltschaft seit Monaten wegen des angeblichen Missbrauchs in der Einrichtung ermittelt, befördert das Konzept ein verstörendes Bild kindlicher Sexual-Erziehung zutage.
Das sexualpädagogische Konzept der Kita Sonneblume in Burscheid ist auf der Internetseite der Einrichtung für jedermann abrufbar. Auf Seite 35 des 37-seitigen Dokuments findet sich eine Tabelle, in der die Kita-Kinder ankreuzen sollen, wer sie wo anfassen darf. Die Auswahlmöglichkeiten reichen von harmlosen Berührungen wie Händeschütteln bis hin zu „Berührungen an Penis/Scheide“. Zu den Personen, die zur Auswahl stehen, gehören neben den Eltern auch Onkel und Tante, Erzieher, Freunde, Oma/Opa und Geschwister.

Die Tabelle aus dem sexualpädagogischen Leitfaden der Kita Sonnenblume
Warum sollen Kinder zu diesen Themen Auskunft geben?
Die Intention dieser Tabelle mag oberflächlich betrachtet harmlos sein: Kinder sollen lernen, eigene Grenzen zu setzen und zu kommunizieren. Vor allem suggeriert der Fragebogen aber, dass es normal und akzeptabel ist, wenn Kinder im Intimbereich von einer Vielzahl von Personen berührt werden. Und: Dass das Personal einer öffentlichen Betreuungseinrichtung ein Recht auf Kenntnis darüber hat, ob und von wem Kita-Kinder gern angefasst werden.
Zu den zur Auswahl stehenden Körperkontakten gehören neben Berührungen von Penis und Scheide auch „Kitzeln“, „Schmusen“ und Berührungen des Gesichts. Warum sollen kleine Kinder den Mitarbeitern einer öffentlichen Einrichtung über solche „Vorlieben“ Auskunft geben?
Ebenfalls befremdlich: In einer anderen Tabelle des Sexual-Konzepts heißt es über 2-Jährige: „Die Afterzone wird als Lustquelle entdeckt.“ Und: „Kinder können sich selbst stimulieren und angenehme Lustgefühle verschaffen.“
Inwiefern derartige Beobachtungen im Kita-Alltag wichtig sein sollen, wird nicht erklärt.
Die Verantwortlichen schweigen
NIUS hat vor Ort recherchiert, wir wollten wissen: Wann und wie kommt die verstörende Anfass-Tabelle zum Einsatz? Inwiefern wird das sexualpädagogische Konzept der Kita umgesetzt? Wer hat es entwickelt, welche Intention steckt dahinter? Unsere Reporter suchten über Monate immer wieder Kontakt zur Kita-Leitung. Persönlich, telefonisch, per Mail. Auch bei der Caritas, dem Träger der Einrichtung, haben wir angefragt. Doch niemand wollte über Anfass-Tabelle und die Umsetzung des sexualpädagogischen Konzepts sprechen.

Die Kita will sich nicht zum umstrittenen Konzept äußern
Experte: gefährlich und überdetailliert
Körper, Alltag und Umfeld kleinster Kinder werden übersexualisiert und öffentlich zur gemeinsamen Erziehungs-Mission von Eltern und Erziehern erklärt. Ein „Schutzkonzept“, das gefährlich ist, meint Marcel Romanos, Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Würzburg. Der Experte erklärt im Gespräch mit NIUS, dass derartige Leitfäden Kinder verwirren und ihnen ein falsches Bild von Normalität vermitteln können. „Mein Eindruck: gut gemeint, aber nicht ganz gelungen“, so Romanos.
„Vielleicht haben Kinder Doktorspiele gemacht und die Emotionen sind bei den Eltern hochgekocht. Etwas in der Art. Sie wollten es dann besonders gut machen und haben ein sehr umfassendes Konzept geschrieben, das aus meiner Sicht überdetailliert ist.“
Romanos betont, dass konkrete externe Kontrolle sehr viel wichtiger sei als von Kitas zusammengezimmerte Sexual-Leitfäden und Schutzkonzepte. „Kindern beibringen zu wollen, Nein zu sagen, hat aus meiner Sicht noch keinen Missbrauch verhindert“, so der Experte. Die Kita hat sich bis heute nicht zur Verwendung des „Sexualpädagogischen Konzepts“ geäußert.

Gegen Erzieherinnen der Einrichtung soll auch wegen Missbrauchs ermittelt werden
NRW-Familienministerium sieht kein Problem
Die Missbrauchsvorwürfe, die im März dieses Jahres im Zusammenhang mit der Kita Sonneblume aufkamen, waren vor einiger Zeit Thema in einer Ausschusssitzung vom grün-geführten Familienministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Dabei kam auch das sexualpädagogische Schutzkonzept der Kita zur Sprache. Die Fraktionsvertreter hatten mit den fragwürdigen Tabellen offenbar kein Problem.
Im Sitzungsbericht steht: „Dem LVR-Landesjugendamt Rheinland liegt ein aktuelles Schutzkonzept vor, dass als fachlich sehr gut bewertet wird und auf dessen Grundlage der Träger auch in der Bewältigung der aktuellen Situation handelt. Die Einrichtung erfüllt mit dem vorliegenden Schutzkonzept alle gesetzlich und fachlich geforderten Standards.“
Dass Kinder durch das Schutzkonzept – ob gewollt oder unbeabsichtigt – auf irritierende Art sexualisiert werden, statt konstruktiv und kindgerecht über ihre Körper und Rechte aufgeklärt zu werden, ist den Politikern offenbar nicht aufgefallen. Oder es wurde im allgegenwärtigen Gender-Getöse im Namen falsch verstandener „Freizügigkeit“ ignoriert.
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