Ullrich gesteht 26 Jahre nach Tour-de-France-Sieg: „Ja, ich habe gedopt!”
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Jan Ullrich atmete tief durch, dann kam ihm der schwere Satz mit etwas zittriger Stimme endlich über die Lippen. „Ich habe gedopt”, sagte der Tour-de-France-Champion von 1997 nach jahrelangem Schweigen und fühlte sich wie von einer tonnenschweren Last befreit. Am Mittwoch räumte der frühere Radstar bei der Vorstellung der Amazon-Dokumentation „Jan Ullrich - Der Gejagte” in München endlich mit seiner Vergangenheit auf, gab erstmals explizit zu, Dopingmittel in seiner erfolgreichen Radsport-Karriere genommen zu haben. „Ich habe mich schuldig gemacht, ich fühle mich auch schuldig.”
Doping-Geständnis stets abgelehnt
Jetzt ist es raus. Ullrich hatte in der Vergangenheit immer ein Doping-Geständnis abgelehnt. „Ich habe niemanden betrogen”, lautete stets sein Standardsatz auf Fragen zu seiner Vergangenheit. „Das Thema war damals zu groß, das war allgegenwärtig. Der Radsport war betroffen, nicht nur ich. Das ist ja auch das Schwere, dass man eben keinen mit reinzieht. (...) Jetzt fühle ich mich leichter.”

Ullrich stellte am Mittwoch seine Dokumentation „Jan Ullrich - Der Gejagte“ im Filmtheater Sendlinger Tor vor. Ab dem 28. November 2023 ist die mehrteiligen Serie bei Amazon Prime zu sehen.
Doping sei damals Teil des Systems gewesen. „Ich kann dazu sagen, aus reinem Herzen, ich wollte wirklich niemanden betrügen. Ich wollte mir keinen Vorsprung verschaffen. Das war damals eine andere Zeit. Damals hat der Radsport schon ein System gehabt, wo ich auch reingekommen bin. Für mich war das damals eine Art Chancengleichheit”, erläuterte Ullrich auf der Podiumsdiskussion.
Nun will der tief gefallene Ex-Radprofi, der auch privat einige Turbulenzen erlebt hat, einen Neuanfang starten, womöglich sogar im Radsport. „Vielleicht kann man das irgendwann ad acta legen, dass ich auch mal wieder im Radsport irgendetwas machen kann.”
Ullrich wurde Weltmeister und Olympiasieger
Ullrich hatte 1997 als bislang einziger Deutscher die Frankreich-Rundfahrt gewonnen und einen beispiellosen Radsport-Boom ausgelöst. Als „Boris Becker des Radsports” wurde er gefeiert, Sponsoren und Veranstalter standen bei ihm Schlange. Neben seinem Gesamtsieg 1997 fuhr Ullrich fünfmal bei der Tour auf den zweiten Platz. Er wurde Weltmeister und Olympiasieger.
Ullrich musste 2006 unfreiwillig seine Karriere beenden, nachdem er in der großangelegten „Operacion Puerto” als Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes enttarnt worden war. 2012 wurde Ullrich vom Internationalen Sportgerichtshof Cas für zwei Jahre gesperrt, diverse Erfolge zwischen 2005 und 2006 wurden ihm aberkannt. Später räumte Ullrich Behandlungen bei Fuentes ein, zu einem Doping-Geständnis wie bei seinen Ex-Kollegen Erik Zabel oder Rolf Aldag konnte er sich aber nicht durchringen - auch auf Rat der Anwälte.
Lebenslange Sperre für Armstrong
Ob die neuen Aussagen Folgen haben für Ullrichs frühere Siege - allen voran bei der Tour 1997 - ist unklar. Ullrichs einstigem Rivalen Lance Armstrong wurden beispielsweise nach seiner lebenslangen Sperre im Jahr 2013 alle sieben Tour-Siege von 1999 bis 2005 aberkannt. Bjarne Riis, der bereits 2007 Doping gestand, wird dagegen immer noch als Gesamtsieger 1996 geführt. „Ich persönlich glaube, mir steht der Titel zu. Es müssen andere entscheiden, aber in meinem Herzen bin ich Tour-de-France-Sieger”, sagte er. Ullrichs Olympia-Gold 2000 dürfte wegen der zehnjährigen IOC-Verjährungsfrist für Doping-Vergehen nicht in Gefahr sein.

Lance Armstrong wurden nach seiner lebenslangen Sperre im Jahr 2013 alle sieben Tour-Siege von 1999 bis 2005 aberkannt.
Nach seinem abrupten Karriereende sorgte Ullrich auch außerhalb des Sports für Negativ-Schlagzeilen. Nachdem seine Ehe mit Frau Sara zerbrochen war, kam es auf Mallorca zum „Totalabsturz”, wie er jüngst dem Stern erzählte. Ullrich trank „Whiskey wie Wasser” und kokste, sagte er in der Amazon-Doku, wie im Trailer zu sehen ist. Nach einem Streit mit Nachbar und TV-Star Til Schweiger landete Ullrich für eine Nacht im Gefängnis und wenig später in der Privatklinik für Suchterkrankungen.
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