Versicherungs-Boss fordert: „Die Deutschen sollen endlich mehr arbeiten“
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Seit 2017 ist Joachim Wenning Chef der Munich-Re, dem größten Rückversicherungskonzern der Welt (Umsatz: 67,1 Milliarden, 40 000 Mitarbeiter an 50 Standorten weltweit). Der Süddeutschen Zeitung hat er ein bemerkenswertes Interview gegeben.
NIUS dokumentiert die wichtigsten Aussagen. Joachim Wenning sagt ...
... über Fleiß und Arbeitseifer:
„Die Deutschen sollen endlich wieder mehr arbeiten, weil uns die Demografie ansonsten noch mehr Wettbewerbsfähigkeit und Lebensstandard kostet. Politisch heißt das: Arbeits- und Leistungsanreize stärken. Warum wird beispielsweise nicht die gesetzliche Höchstarbeitsdauer von täglich zehn Stunden für nicht Leitende gestrichen? Warum werden nicht einfach ein paar Feiertage gestrichen? Und warum können Deutsche nicht später in Rente gehen, sie leben doch auch länger?“
... über den Kündigungsschutz:
„Wofür brauchen wir eigentlich bei nicht Arbeitslosigkeit noch den Kündigungsschutz von vor 50 Jahren? De facto zwingt er Unternehmen, Mitarbeiter weiterzubeschäftigen, mit denen es nicht weiterarbeiten möchte. Wie absurd ist das? In der Schweiz gibt es solche wettbewerbsbehindernden und den Status quo zementierenden Regeln nicht, und auf dem Arbeitsmarkt geht es sehr gesittet zu.“
... über unpopuläre Maßnahmen:
„Wenn man für unpopuläre Maßnahmen bei Wohlstand eine Mehrheit braucht, wird es schwierig. In der Not, wenn die Lage noch schlechter wird, geht es dann. Soweit sollten wir es nicht kommen lassen. Deshalb besser reinen Wein einschenken, mit der richtigen Programmatik Führung übernehmen, aber dann auch sagen können: In fünf bis zehn Jahren werden wir kompetitiv sein. Dafür lohnt es sich, Schmerz auf sich zu nehmen. Deutschland ist doch lieber stark als schwach.“
... über den notwendigen Turnaround in der Politik:
„Deutschland ist im Moment im Abstieg begriffen. Das Wachstum geht zurück. Sie begegnen der maroden Infrastruktur tagtäglich an verschiedenen Stellen. Der Überschuss an Investitionen aus dem Ausland geht zurück. Wir brauchen einen Turnaround, eine Wende. Wir brauchen eine neue Agenda.“

Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn – das Sinnbild für Investitionsstau und Reformbedarf.
... über die Schuldenbremse:
„Ich würde eine höhere Verschuldung jetzt in Kauf nehmen, aber unter strengen Auflagen: Investive, intelligente Verwendung, das würde Deutschland guttun. Sonst würden keine der genannten Herausforderungen gelöst werden können.“
... über die Bundesregierung:
„Große Sprünge werden nicht mehr gelingen, die Bundesregierung ist offensichtlich dysfunktional. Und das heißt, sie bekommt für die schwierigen Entscheidungen die Mehrheiten untereinander nicht mehr hin. Aber man darf sie auch nicht aus der Verantwortung entlassen.“
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