Virales Video zu Polizei-Schmerzgriff: MDR manipuliert Klimakleber-Schreie
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- Der MDR verbreitet das Video, das einen Polizei-Schmerzgriff gegen einen Klimakleber zeigt, es wurde millionenfach angesehen und löste eine Debatte über Polizei-Gewalt aus.
- Eine NIUS-Recherche beweist: Der MDR manipulierte das Video, schnitt Schreie nachträglich hinein.
- Das Original-Video zeigt: Der Aktivist konnte während der polizeilichen Maßnahme noch mit den Beamten sprechen – diese Szene überdeckte der MDR mit Schreien.
Ein aktuelles Video des MDR zeigt, wie Polizisten in Berlin einen Schmerzgriff gegen Letzte-Generations-Aktivisten durchführen. Die Szene mit schrillen Schreien des Aktivisten wurden u.a. auf YouTube millionenfach angesehen und lösten eine Debatte über angebliche Polizeigewalt gegen die Letzte Generation aus. Das kurze Video war der Teaser zur Doku „Inside Letzte Generation“, die der MDR am 1. Mai veröffentlichen hat. Ein Vergleich dieses Teasers und der selben Szene in der Doku und anderen Medien, die den Clip aufgriffen, belegt: Das Video im viralen Teaser wurde vom MDR manipuliert, um es dramatischer wirken zu lassen! An einer Stelle wurden die Schreie des Aktivsten einfach zweimal hintereinander geschnitten – um sein Leid unter der Schmerz-Maßnahme der Polizei länger und schlimmer erscheinen zu lassen. Der Sender bewarb seine Doku also mit einer dreisten Fälschung – und diese ging viral.
Vergleicht man den MDR-Clip zum Beispiel mit den Aufnahmen des Tagesspiegel, fällt der Unterschied auf: Im Tagesspiegel-Video hört man, wie der Aktivist zu den Polizisten „Lassen Sie mich einfach sitzen" sagt. Im MDR-Teaser mit der selben Szene ist dieser Satz nicht zu hören, weil genau in diesem Moment seine Schreie gedoppelt wurden und das Gesprochene übertönen.
Die Tonspur seines Original-Schreies wurde einfach dupliziert. Wer ganz genau hinhört, kann den Satz zum Polizisten auch im MDR-Video wahrnehmen, durch den gefälschten Schrei wird er aber fast übertönt. Eindeutig wurden hier zwei Tonspuren übereinandergelegt.
Unsere Redaktion hat die beiden Videos zum Vergleich nebeneinandergeschnitten.
Eindeutiger Unterschied: Während im Video-Teaser des MDR die Schmerzensschreie des Aktivisten wiederholt zu hören sind, hört man diese beim Videomaterial des Tagesspiegel nur ein Mal – und merklich leiser. Der öffentlich-rechtliche Sender hat die Tonspur offensichtlich kopiert und erneut eingefügt - das zeigt auch eine Analyse der Tonspuren.
Auch in der eigentlichen Doku des MDR-Formats „Exactly“ findet sich die Szene so nicht. Zwar ist die gleiche Aufnahme des Schmerzgriffs zu sehen, aber ohne die wiederholten Schreie. Stattdessen hört man den Aktivisten auch hier sagen: „Lassen sie mich einfach sitzen.“ In der MDR-Version setzt in diesem Moment der gedoppelte Schrei ein.
MDR streitet ab: Wollte man den dramatischen Effekt verstärken? Oder ist ein Fehler passiert? Der MDR bestreitet, dass das Video verändert wurde. „Nach Feedback aus unserer Redaktion kann ich Ihnen mitteilen, dass die Tonspur in unserem YouTube Short das Original ist", erklärt eine Sprecherin des Senders auf NIUS-Anfrage. Unser Vergleich belegt jedoch das Gegenteil.
Dass der MDR die offensichtlich manipulierte Szene jedoch auf Nachfrage noch als ungefälscht verteidigt, ist hochproblematisch. Nicht nur, weil er damit dem Anspruch eines jeden Mediums, insbesondere eines öffentlich-rechtlichen, nicht gerecht wird: Der manipulierte Clip hat bereits viel Reichweite aufgebaut. Über eine Millionen Menschen haben ihn bereits gesehen, über 61 Tausend Menschen markierten ihn mit „Gefällt mir". Der MDR streut klar gefälschte Videos - und nimmt so Einfluss auf die politische Debatte im Land. Denn im MDR-Video sind die Schreie des Aktivisten lauter und länger.
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Max Weidelt
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