Militärexperte erklärt: Wie die Ukraine den Krieg jetzt noch gewinnen kann
Ein Beitrag von
Trotz der Fortschritte in der modernen Kriegsführung und der schieren Masse an neuen Technologien werden Stellungsgefechte, Infanterie und Zermürbung den Ukraine-Krieg entscheiden.
In einem in der Welt veröffentlichten Artikel äußert sich Militärautor Edward Luttwak zum möglichen Ausgang des Ukraine-Kriegs und zu den Besonderheiten dieses Konfliktes.
„Der erste ernstzunehmende Krieg des Jahrtausends wird weder durch Sanktionen noch mit Drohnen und Raketen entschieden. Auch eine Strategie, mit der Guderian, Rommel, Patton, Rokossovsky und später Sharon Erfolge erzielten, scheitert heute am transparenten Schlachtfeld“ schreibt Luttwak in seiner Eröffnung und fasst so seine Analyse des Ukraine-Krieges zusammen.

Militärautor und Experte Edward Luttwak.
Das Ende der Luftüberlegenheit
Während des Zweiten Weltkriegs waren massive Bombenangriffe auf Städte wie Hamburg und Köln ein entscheidendes Mittel, um den Feind zu demoralisieren und strategische Ziele zu zerstören. Heute sind solche Angriffe durch Präzisionsraketen und Drohnen, die nur begrenzte Mengen an Sprengstoff tragen können, nicht mehr so effektiv. Die Technologie hat zwar die Genauigkeit dieser Waffen erhöht, aber ihre zerstörerische Kraft im Vergleich zu den Bomben des Zweiten Weltkriegs verringert.
„Ab März 1942 flog das Bomber Command der Royal Air Force (RAF) Lancaster-Bomber mit einer typischen Einzelbombenlast von 6400 Kilogramm, so dass der erste Lancaster-Angriff mit 400 Bombern 2560 Tonnen abwarf, so viel wie 5000 russische Marschflugkörper oder 6000 iranische Drohnen. Sehr viel mehr als bei der Gesamtzahl der Angriffe auf die Ukraine seit Beginn des Krieges.“ schreibt Luttwak.
Das transparente Schlachtfeld
Die Einführung von Beobachtungssatelliten und fortschrittlichen Radarsystemen hat das Schlachtfeld transparent gemacht. Truppenbewegungen können fast in Echtzeit beobachtet werden, was Überraschungsangriffe nahezu unmöglich macht. Das hat die traditionelle „Manöverkriegsführung“, bei der schnelle und überraschende Bewegungen den Feind überwältigen, obsolet gemacht. Ablenkungsmanöver wie beim D-Day 1944 sind nicht mehr möglich geworden.
Luttwak schreibt dazu: „Die Amerikaner, die Russen und andere Militärmächte verfügen über Beobachtungssatelliten mit Synthetic Aperture Radar (SAR), die in der Lage sind, unabhängig von den herrschenden Sichtverhältnissen einzelne Panzer, ganz zu schweigen von größeren Truppenverbänden, aufzuspüren, und die Radarrückmeldungen werden oft genug aktualisiert, um Truppenbewegungen, wenn nicht innerhalb von Minuten, so doch von Stunden zu erkennen.“

Ein ukrainischer Soldat startet eine Drohne.
Die Herausforderung der Bodenkriegsführung
Trotz der technologischen Fortschritte bleibt der Bodenkrieg entscheidend. Als die Ukrainer sich vorbereiteten und Truppen zusammenzogen, errichteten die Russen südlich des Dnipro Schützengräben, die durch Minenfelder geschützt waren. Diese Gräben erstreckten sich über rund 1006 km, was etwa 298 km länger ist als die maximale Länge der Westfront im Ersten Weltkrieg. „Napoleon nannte diese Art der linearen Verteidigung einen „Kordon“, französisch für ein dickes Seil, aber ein Seil aus Infanterie, das den Feind entlang einer lang gezogenen Front aufhalten soll.
Lesen Sie auch: Lindner will Ukraine Taurus-Flugkörper liefern – das wären die Folgen
Und für seine Zeit erklärte Napoleon zu Recht, warum „Kordons“ die dümmste Art der Verteidigung einer Front sind: Der Feind würde in Kolonnen ankommen, die die wenigen Truppen, die den angegriffenen Sektor hielten, leicht durchschneiden würden.“ schreibt der Militärexperte. Die von Deutschland gelieferten Leopard-Panzer stellten sich nicht als der erwartete Wendepunkt im Bodenkampf heraus – den Panzern fehlte das sogenannte Trophy-System, das Explosivgeschosse in Richtung des Panzers abfängt.

Soldaten der ukrainschen Nationalgarde werden auf einem Truppenübungsplatz ausgebildet.
Die wirtschaftliche Dimension
Die Hoffnung, Russland wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, indem man seine Ölexporte und den Import westlicher Produkte stoppt, hat sich nicht erfüllt. Während China stark von Importen abhängig ist, kann Russland die meisten seiner Grundbedürfnisse, von Lebensmitteln bis Treibstoff, selbst decken. Lediglich bei einigen High-Tech-Produkten, insbesondere Mikroprozessoren, ist Russland auf Importe angewiesen, die jedoch oft über Länder wie die Türkei geschmuggelt werden.
Lesen Sie auch: Nach mehrtägigem Kampf: Ukraine befreit wichtiges Dorf Uroschajne
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen zeigt Russlands Wirtschaft in diesem Jahr ein bescheidenes Wachstum von 1,5 Prozent – das liegt sogar über der erwarteten Wachstumsrate Deutschlands. Mit einer Inflationsrate von nur 3,3 Prozent steht Russland auch in dieser Hinsicht besser da als der Durchschnitt der Eurozone. Daher wird der Konflikt nicht durch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands beendet werden.
„Es gibt also nur einen Weg nach vorn: den Krieg ernsthaft so zu führen, wie es sich für einen nationalen Befreiungskampf gehört.“

Ukrainische Zivilisten bei der Ausbildung zu Partisanen.
Ausblick
Obwohl die Einwohnerzahl der Ukraine gesunken ist, zählt sie immer noch über 30 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass sie potenziell bis zu drei Millionen Soldaten mobilisieren könnte. Zum Vergleich: Israel konnte 1947/48 zehn Prozent seiner Bevölkerung mobilisieren. Selbst wenn die Ukraine nur fünf Prozent ihrer Bevölkerung mobilisieren würde, ähnlich wie Finnland es derzeit könnte, wären das immerhin 1,5 Millionen Soldaten.
Luttwak schreibt dazu abschließend: „Mit einer solchen Truppenstärke könnte die Ukraine ihre Schlachten gewinnen und ihr Territorium auf die altmodische Art und Weise befreien: in einem Zermürbungskrieg, so wie in den meisten europäischen Unabhängigkeitskriegen.“
Mehr NIUS:
Horror-Tat in Hamburg: Inder (31) schlachtet REWE-Mitarbeiter mit Kampfmesser ab
Straßenbahn in Berlin entgleist – 20 Verletzte
Gericht entscheidet: Görlitzer Park muss nachts offen bleiben
Drohne am Münchner Flughafen? Abflüge am Samstag verzögert
Bundespolizei verweigert Sprecher der deutschen Identitären die Ausreise nach Portugal
Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette zu 13 Jahren Haft verurteilt
Hamburg: Gewalt-Eskalation in Hochhaussiedlung – ein Toter
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Christian Ulmen wegen Körperverletzungs-Vorwürfen
Mehr NIUS:
Drohne am Münchner Flughafen? Abflüge am Samstag verzögert
Bundespolizei verweigert Sprecher der deutschen Identitären die Ausreise nach Portugal
Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette zu 13 Jahren Haft verurteilt
Hamburg: Gewalt-Eskalation in Hochhaussiedlung – ein Toter
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Christian Ulmen wegen Körperverletzungs-Vorwürfen
Bis zu 35 Euro mehr! ADAC erhöht Mitgliedsbeitrag drastisch
Mehrfamilienhaus in Görlitz eingestürzt – Frau tot, zwei Vermisste
Ungarns Regierungschef Magyar will Präsident Sulyok zum Rücktritt zwingen
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare