Wie die ARD in zwei Fällen den Hintergrund ihrer Interviewpartner verschwieg
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- Eine ehemalige WDR-Mitarbeiterin wird als normale Kundin bei einer Supermarktumfrage bezeichnet.
- Stellvertretende SPD-Chefin in NRW wird als Sozialdezernentin vorgestellt – ohne ihren Parteienhintergrund zu erwähnen.
- Das Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wächst in der Bevölkerung.
10 Millionen Menschen schauen durchschnittlich die „Tagesschau“ – die Nachrichtensendung, der die Deutschen am meisten vertrauen – und das jeden Tag. Eine harmlose Straßenumfrage der „Tagesschau" sorgt derzeit für Misstrauen im Netz. Was ist passiert?
Zum Start der neuen Umweltschutz-Aktion startete die Aktion „Wahre Preise" des Discounters „Penny", bei der insgesamt neun der 3.000 Produkte so viel kosten, wie sie unter Berücksichtigung des Klimaschutzes eigentlich kosten müssten.
Ein Team der Tagesschau befragte in einer Penny-Fililale die Kunden nach ihrer Meinung zu der Aktion. Die waren nicht begeistert, da die Preise für Lebensmittel ohnehin schon deutlich gestiegen sind.
Befragte war wohl keine echte Kundin
Eine Kundin mit dem namen Hanna Mertens spricht in dem Tagesschau-Beitrag als Einzige positiv über die Aktion des Discounters. Doch schnell stellte sich heraus: Bei Hanna Mertens aus dem Beitrag handelt es sich um die Journalistenschülerin Hannah Mertens aus Köln.

Hat höhere „Penny“-Preise befürwortet.
Aus ihrem Linkedin-Profil geht hervor, dass sie seit zwei Jahren für den WDR als Produktionsassistentin tätig ist. Hannah Mertens stand bereits im April beim Sender Phoenix (ebenfalls Teil der ARD) in einem Erklärvideo vor der Kamera – dort mit Klarnamen.
Am Sonntagabend entschuldigte sich der Sender. Im Ticker von Tagesthemen und Tagesschau schreibt die Redaktion: „Der Beitrag 'Wahre Kosten' wurde nachträglich bearbeitet. In der ursprünglichen Version gab es eine O-Ton-Geberin, die für den WDR arbeitet“. Kolleginnen und Kollegen zu interviewen entspräche nicht den journalistischen Standards, so die Tagesschau weiter.

Die ARD entschuldigte sich schnell.
Kein Einzelfall diese Woche
Beim ARD Morgenmagazin, ebenfalls eine Produktion des WDR, trug sich erst neulich ein ähnlicher Vorfall zu. Die Sendung ist der Quotenbringer am Morgen. Mit 20 Prozent Marktanteil und rund vier Millionen Zuschauern täglich liegt das Frühstücksfernsehen der ARD weit vor der privaten Konkurrenz von Sat.1 und RTL. Politische Interviews sind der Kern der Sendung.
So auch am Montagmorgen, als die Sozialdezernentin der Stadt Mönchengladbach, Dörte Schall, dem Moderator Till Nassif Rede und Antwort stand. Thema: Lösungsansätze beim Erziehermangel in ihrer Stadt. Was der Moderator nicht erwähnt: Dörte Schall ist stellvertretende Vorsitzende der SPD in Nordrhein-Westfalen.
Ob es sich hierbei lediglich um einen Fehler handelte oder bei ARD und ZDF öfter mal ein Auge bei Backgroundchecks von Befragten zugedrückt werden, ist unklar. Angesichts einer Studie der Universität Mainz sollte die ARD sich solche Patzer nicht mehr erlauben. Denn das Vertrauen der Bevölkerung sinkt nach und nach. 2022 erklärten insgesamt 62 Prozent der Menschen die öffentlich-rechtlichen Sender für sehr oder eher vertrauenswürdig. Ein Jahr zuvor waren es noch 70 Prozent – ein Rückgang um acht Prozentpunkte.
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