HateAid-Chefin im Gespräch mit Matze Hielscher: „Die Rechten sind einfach viel besser organisiert“
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Es ist ein Gespräch, das Anfang Juni beim „Gutes Morgen Festival“ in Bochum stattfand, das aber erst jetzt hohe Wellen schlägt: HateAid-Chefin Anna-Lena von Hodenberg unterhält sich gut eine Stunde lang mit Matze Hielscher. Und der macht daraus die aktuelle Folge seines Erfolgspodcasts „Hotel Matze“.

Matze Hielscher führte das Gespräch während des „Gutes Morgen“-Festivals.
Seit 8 Jahren gibt es die Organisation mit knapp 60 Mitarbeitern. Mehr als 7.000 Menschen habe man beraten, so Hodenberg, die HateAid zusammen mit der Juristin Josephine Ballon führt. Finanziert wird HateAid durch private Förderungen, Spenden – und vom Familien- und Justizministerium.
Die 44-Jährige gendert und beklagt eine Lücke im System. Diese sei eine der größten Gefahren für die Demokratie.
„Es gibt Themen, da kannst Du absehen, dass Du angegriffen wirst. Es gibt auch bestimmte Personengruppen, die auch sicher angegriffen werden, zum Beispiel Frauen, Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund.“
Es ist viel die Rede von Collien Fernandes, die ihren Exmann wegen der vermeintlichen Erstellung und Verbreitung sexueller Deepfakes angezeigt hat. Und es geht viel um „unsere Demokratie“. Denn die sieht Hodenberg bedroht: „In einer Demokratie brauchen wir Räume, in denen alle Menschen mitreden können, ohne, dass sie Angst haben.“
„Rechte sind besser organisiert“
Polarisierende Inhalte und Wut würden aufgrund der Algorithmen sehr viel mehr Menschen gezeigt. Doch es wird deutlich, dass vor allem eine Seite gemeint ist: „In dem rechten und rechtsextremen Bereich ist es so: Es ist wirklich eine organisierte Strategie, um den politischen Gegner mundtot zu machen, und im linken Bereich ist sie eben noch nicht so organisiert. Das muss aber nicht heißen, dass sie das morgen nicht ist.“
Hodenberg legt nach: „Die Rechten sind einfach viel, viel besser organisiert. Und sie nutzen es auch viel organisierter, um eben auch Wahlen zu beeinflussen und demokratische Prozesse.“
Host Hielscher erzählt von einem „feministischen Mob“, der sich auf ihn stürzte, als er sich vor Jahren vor einen Freund stellte – die Kritik kam vor allem aus den eigenen linksgrünen Reihen. Die HateAid-Chefin lenkt immerhin ein, als es um den ehemaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck geht: Im November 2024 hatte es bei einem Mann aus Unterfranken wegen eines Memes über den Grünen eine Hausdurchsuchung gegeben.
Dazu Hodenberg: „Da ist ’ne Staatsanwaltschaft einfach über die Stränge geschlagen, das kann man nicht anders sagen. Das muss auch in diesem Land möglich sein, diese Form von Machtkritik weiter zu äußern.“

HateAid wurde 2018 gegründet und versteht sich als Menschenrechtsorganisation.
Viele Menschen in Deutschland würden sich nicht trauen, ihre politische Meinung zu sagen, so Hodenberg. Sinngemäß fordert sie strengere Regeln für Trolle und Hater: „Und das gefällt den Leuten natürlich nicht, und deswegen rufen sie: Oh Gott, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, oh Gott, hier ist Zensur, weil sie eben gerne so weitermachen wollen (...) Sie wollen nicht, dass sie dabei gestört werden, die digitalen Medien weiter zu benutzen, um andere Menschen mundtot zu machen, um auch zum Beispiel unsere Jugendlichen bei TikTok zu radikalisieren und auf ihre politische Seite zu ziehen.“
Ein wehrhafter Rechtsstaat gehöre zum Versprechen einer wehrhaften Demokratie, sagt Hodenberg. Den Deutschen drohten amerikanische Verhältnisse, wenn nicht mehr alle alles sagen könnten. „Und dann bleiben am Ende die übrig, die am lautesten schreien, die am meisten beleidigen, die andere am besten fertig machen. Und die anderen haben keine Stimme mehr. Und das macht mir Sorge.“
Das klingt alles plausibel – wenn es denn wirklich für alle Seiten gilt.
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Melanie Grün
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