Erfolgreich wie nie zuvor: Warum die Amerikaner Aldi lieben
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Ein junger Mann soll Milch kaufen und geht zu Aldi. Er läuft tanzend und pfeifend durch die Gänge des Discounters. Er wirft einen Gegenstand nach dem anderen in seinen Einkaufswagen. Am Schluss ist der Wagen voll, aber der junge Mann hat die Milch vergessen … Diese Szene ist aus einem TikTok-Reel, sie spielt in Minnesota (USA). Sie zeigt, wie begeistert die Amerikaner inzwischen Aldi angenommen haben – seine Warenvielfalt und seine Preise.
In dieser Woche hat Aldi Süd (Aldi Nord nennt sich in den USA Trader Joe’s) weitere Filialen in den USA angekündigt, meldet die FAZ. Bis Ende 2026 will die Kette die Zahl ihrer Filialen von derzeit mehr als 2.500 auf 2.800 erhöhen und damit dem Ziel von 3.200 Standorten bis 2028 näherkommen. Damit ist der Discounter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einer der am schnellsten wachsenden Lebensmittelhändler. Wie hat es das Unternehmen aus dem beschaulichen Mülheim an der Ruhr geschafft, in den Vereinigten Staaten so erfolgreich zu sein?

Ein „Trader Joe’s“ – also Aldi Nord – in Chicago
Als Aldi in den USA begann, lachte die Konkurrenz
Als die Kette 1976 die erste Filiale in Iowa City eröffnet hatte, erntete Aldi zunächst Hohn und Spott von der Konkurrenz: so wenig Fläche, so wenig Auswahl. Keine schicken Regale, sondern Verkauf direkt aus dem Originalkarton? Davon lassen sich die Amerikaner doch niemals überzeugen. Heute spottet kein US-Einzelhändler mehr über den Discounter, der sich dort schlicht „Aldi“ nennt (die Amerikaner sprechen es „Oldi“ aus).
Für Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule (DHBW) Heilbronn, ist der Erfolg von Aldi Süd in den USA wenig überraschend: „Aldi hat es verstanden, sich dem Geschmack der Amerikaner anzupassen“, dazu gehöre die Niedrigpreisstrategie des deutschen Discounters. „Aber es ist nicht allein der Preis, der Aldi in den USA so attraktiv macht“, sagt Kortum. Entscheidend seien die Besonderheiten von Aldi, über die sich die Konkurrenten lange lustig gemacht hatten. „Wir wissen aus der Forschung, dass Menschen eine große Auswahl lieben.“ Aber irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem die Lust auf Auswahl in Überforderung umschlage und Käufe ausblieben. Kortum: „Viele US-Supermärkte haben es damit übertrieben.“ Eine Filiale der großen Ketten wie Walmart und Costco bringt es auf eine Fläche von 4.500 Quadratmetern mit 30.000 Produkten, Aldi wirkt mit seinen 1.600 Artikeln auf weniger als 2.000 Quadratmetern fast bescheiden dagegen. „Das Gehirn läuft im Supermarkt auf Energiesparmodus“, sagt Experte Kortum. „Das macht den Erfolg von Aldi aus.“
Lidl ist nicht ganz so erfolgreich in den USA. Zwar eröffnet Aldis Erzrivale ebenso weitere Filialen. Aber die Gesamtzahl ist mit etwa 190 Filialen deutlich unter jener von Aldi. Lidl eröffnete seine erste Filiale in den USA erst 2017.
Der Siegeszug der einst verspotteten Marke Aldi geht in den USA immer weiter. Ein Insider: „Sollen sie Leute doch Oldi sagen – der Erfolg gibt dem Unternehmen recht.“
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