Entgegen aller Klima-Horrorprognosen: Viel mehr Korallenriffe als bisher gedacht kommen mit höheren Temperaturen zurecht
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Korallenriffe galten als Opfer des Klimawandels, für die es keine Rettung mehr gibt. Und während viele Medien und Politiker seit Jahren das baldige „Aussterben“ der Korallenriffe als unausweichlich darstellen und damit radikale Klimapolitik begründen, zeichnet eine neue Studie nun ein nuancierteres Bild.
Forscher der Macquarie University und der Wildlife Conservation Society (WCS) haben mit aufwendigen KI-Modellen enorme Gebiete entdeckt, in denen Korallenriffe trotz Erwärmung überleben können. Die Studie mit 45.000 Unterwasserbeobachtungen aus 65 Jahren zeigt, dass bisherige Forschungsgruppen Tausende Kilometer widerstandsfähiger Korallenriffe schlicht übersehen haben.
Weltweit gelten demnach etwa 165.922 Quadratkilometer Riffgebiete in 71 Ländern als vergleichsweise klimaresilient. Damit fällt das Ergebnis deutlich optimistischer aus als in einer früheren Referenzstudie aus dem Jahr 2018 („50 Reefs“), die sich auf 41 Länder beschränkte. Offenbar hatte die frühere Studie viele echte Überlebensgebiete übersehen, besonders im Karibischen Raum, wo nun plötzlich große resiliente Zonen in Belize, Kuba, den Bahamas und den Turks- und Caicos-Inseln auftauchen.

Ein Korallenriff in der Karibik
Die Karibik: totgeschrieben, aber quicklebendig
Besonders spektakulär ist der Befund zur Karibik. Jahrelang galt sie als hoffnungsloser Fall. Zu wenig Artenvielfalt, zu starke Belastung durch den Menschen, zu viel Hitze. Die neue KI-gestützte Analyse zeichnet ein anderes Bild. In Belize sind 45 Prozent aller Riffe klimaresilient. In Panama sind es sogar 53 Prozent.
Diese neuen Ergebnisse zeigen auch, dass alte Modelle schlicht zu wenig gemessen haben. Sie stützten sich fast ausschließlich auf Wassertemperatur und Hitzefolgen. Die neue Studie bezieht erstmals echte Beobachtungsdaten und ein deutlich breiteres Spektrum lokaler Faktoren ein und kommt dadurch zu völlig anderen Schlüssen.
Das Fazit der Autoren: Der Klimawandel trifft nicht alle Riffe gleich hart.
Chance statt Resignation
Mehr als die Hälfte der neu identifizierten Refugien (rund 100.755 Quadratkilometer) entfällt auf die Bahamas, Kuba, Australien, Indonesien und die Philippinen. Auch kleinere Inselstaaten wie Niue, Vanuatu und der Chagos-Archipel weisen laut Studie mit über 60 Prozent einen hohen Anteil klimaresilienter Riffgebiete auf.
Fast drei Viertel dieser Refugien stehen bislang nicht unter Schutz. Die Forscher sehen darin eine wichtige Chance: Künftig sollte der Naturschutz genau dort ansetzen, wo die Korallenriffe noch am widerstandsfähigsten sind.
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