Zwei indische Tanker in der Straße von Hormus beschossen
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Nur einen Tag nach Öffnung der Straße von Hormus haben die iranischen Streitkräfte eine erneute Schließung verkündet. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Fars. Ein Sprecher der Islamischen Revolutionsgarden verwies auf „wiederholte Vertragsbrüche“ der US-Amerikaner. Unterdessen gab es Schüsse auf zwei Tanker, die durch die Straße fahren wollten.
Irans Militärssprecher Ebrahim Zolfaghari erklärte: „Die Islamische Republik Iran hat im Anschluss an frühere Vereinbarungen in den geführten Verhandlungen in gutem Glauben dem kontrollierten Durchlass einer begrenzten Anzahl von Öl- und Handelsschiffen durch die Straße von Hormus zugestimmt.“ Leider aber würden die Amerikaner „weiterhin auf Seeräuberei und Piraterie unter dem Vorwand einer sogenannten Blockade“ setzen. Daher werde die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder in den vorherigen Zustand zurückversetzt.
Indische Tanker beschossen
Unterdessen sind zwei Tanker, die versuchten, die Straße von Hormus zu durchqueren, laut Angaben der britischen Organisation „Maritime Trade Operations“ (UKMTO) von Kanonenbooten der iranischen Islamischen Revolutionsgarde beschossen worden. Der Vorfall ereignete sich 20 Meilen (32 km) nordöstlich von Oman. Es wurden keine Verletzten gemeldet, und die Schiffe sollen unbeschädigt geblieben sein. Zwei Handelsschiffe aus Indien haben laut der Nachrichtenagentur Reuters angegeben, bei dem Versuch, die Meerenge zu durchqueren, unter Beschuss geraten zu sein.

Ein Tanker ankert in der Straße von Hormus.
Die indische Regierung bestätigte, dass am Samstag zwei unter indischer Flagge fahrende Schiffe in Vorfälle in der Straße von Hormus verwickelt waren, und bestellte daraufhin den iranischen Botschafter ein.
Trackingdaten von MarineTraffic zeigen, dass zahlreiche Tanker auf der Seite des Persischen Golfs der Straße von Hormus wieder umkehren. Die Schiffe, die Flüssiggas (LPG) und Rohöl transportieren, scheinen ihren Kurs geändert zu haben, nachdem das iranische Militär erklärt hatte, die Beschränkungen für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus würden erneut verhängt.
Ölpreise gaben deutlich nach
Noch am Freitag hatte die Führung in Teheran angekündigt, die wichtige Seeroute wieder für Öl- und Handelsschiffe freizugeben. Gleichzeitig machte US-Präsident Donald Trump deutlich, dass die amerikanische Seeblockade gegen den Iran bestehen bleibt. Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten: Die Ölpreise gaben deutlich nach.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte auf X, dass Handelsschiffe während der noch laufenden Waffenruhe wieder durch die Meerenge fahren dürften. Diese Regelung gilt demnach zunächst bis Mittwoch. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Schiffe an eine von Teheran festgelegte Route halten. Ob der Iran für die Passage Gebühren verlangen will, ließ Araghtschi offen.

Trump hält an Seeblockade gegen den Iran fest
Trump sprach auf Truth Social von einer vollständig geöffneten Straße von Hormus, die wieder für Handel und freie Durchfahrt bereit sei. Zugleich stellte er klar, dass die US-Seeblockade gegen den Iran unverändert fortgesetzt werde. Sie betreffe weiterhin Schiffe, die einen Start- oder Zielhafen im Iran haben. Die Maßnahme bleibe „bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran in vollem Umfang bestehen.“
Die Blockade „wird so lange in Kraft bleiben, wie der Präsident es anordnet“, bestätigte auch der Chef des US-Zentralkommandos, Admiral Bradley Cooper, gegenüber CNN. „US-Streitkräfte haben jeden iranischen Hafen im Blick“, erklärte er – unter anderem durch Luftaufklärung mit MQ-9-Drohnen und maritimen P-8-Patrouillenflugzeugen. „Wir sind in der Lage, das so lange wie nötig durchzuhalten.“

US-Präsident Donald Trump
Hunderte Schiffe sitzen weiter im Persischen Golf fest
Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt kompliziert. Seit Beginn des militärischen Konflikts am 28. Februar ist die strategisch wichtige Passage blockiert. Im Persischen Golf sitzen seither zahlreiche Tanker und Frachtschiffe fest. Neben der Sperrung dürften auch stark gestiegene Versicherungsprämien wegen des Kriegsrisikos dazu beigetragen haben, dass viele Reedereien zögerten.
Die derzeitige Waffenruhe im Iran-Konflikt gilt seit dem 8. April und ist bis zum 22. April befristet. Unter Vermittlung Pakistans laufen derzeit internationale Gespräche über eine mögliche Verlängerung. Araghtschi nannte am Freitag die Feuerpause im Libanon als Grund für die Öffnung der Route. Dort war in der Nacht zum Freitag eine Waffenruhe in Kraft getreten, nachdem sich die pro-iranische Hisbollah-Miliz und die israelische Armee sechs Wochen lang Gefechte geliefert hatten.
Ölpreise brechen nach Ankündigung deutlich ein
An den Rohstoffmärkten sorgten die Signale aus Teheran und Washington am Freitag für kräftige Preisrückgänge. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl aus der Nordsee sank auf 91,11 Dollar und damit um mehr als acht Prozent gegenüber dem Vortag. Zeitweise fiel die Notierung sogar unter 90 Dollar. Auch US-Rohöl der Sorte WTI verbilligte sich deutlich und gab um mehr als neun Prozent auf 85,90 Dollar je Barrel nach.
Zuvor hatte der Krieg den Ölmarkt massiv unter Druck gesetzt. Wegen der faktischen Blockade der Handelsroute aus dem Persischen Golf war der Brent-Preis im März zeitweise auf fast 120 Dollar je Barrel gestiegen. Vor Ausbruch des Konflikts hatte er noch bei rund 70 Dollar gelegen. Nach der erneuten Schließung könnten die Preise wieder deutlich nach oben gehen.

Von links: Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz
London und Paris planen Schutzmission für Handelsschiffe
Parallel dazu treiben europäische Staaten Überlegungen für eine militärische Absicherung der Region voran. Großbritannien will gemeinsam mit Frankreich eine multinationale Mission zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus anführen, sobald die Lage dies zulässt. Premierminister Keir Starmer kündigte an, der Einsatz solle „strikt friedlich und defensiv“ sein. Ziel sei es, die Minenräumung in der Meerenge zu unterstützen und Handelsschiffe wieder sicher passieren zu lassen.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, auch Deutschland sei bereit, einen Beitrag zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Straße zu leisten – etwa bei der Minenräumung und der Seeaufklärung. Dabei wünsche sich die Bundesregierung, „wenn es möglich ist“, eine US-Beteiligung. „Es wäre aus unserer Sicht wünschenswert“, fügte er hinzu. Wie es aus Regierungskreisen hieß, könne Deutschland Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen.
Weitere Einzelheiten sollen bei einer militärischen Planungskonferenz in London in der kommenden Woche folgen. Nach Angaben Keir Starmers haben bereits mehr als ein Dutzend Staaten angeboten, militärische Mittel für die Mission bereitzustellen.
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