Absurde Auszeichnung: Lindner und der Preis der Eitelkeit
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Je größer die Bühne, desto kleiner der Mensch.
Christian Lindner hat seine Partei in den vergangenen zehn Jahren zu einer Ich-AG umgekrempelt. Die FDP ist Christian Lindner. Seit 2013 ist er Parteichef – und seither auch der Kopf und das Hirn der Liberalen. Würde Christian Lindner morgen plötzlich verschwunden sein, die FDP würde ihre Stunde Null erleben und in ein Machtvakuum fallen. Die Partei hätte kein Gesicht mehr.
Das heißt auch: Lindner kann jeden Erfolg als seinen eigenen verkaufen. Und ist gleichzeitig haftbar für jede Klatsche.
Seit Lindner die FDP in die Ampel-Regierung geführt hat, gab es ziemlich viele Klatschen. Zur Erinnerung: 11,5 Prozent der Deutschen wählten die Lindner-Partei bei der Bundestagswahl 2021. Seither ist die FDP vier Mal an der 5-Prozent-Hürde gescheitert (Bayern, Berlin, Niedersachsen, Saarland) und holte als stärkstes Ergebnis 6,4 Prozent in Schleswig-Holstein. Das ist der Landesverband, auf dessen Bühne mit Wolfgang Kubicki ein ausgemachter Ampel-Kritiker und Partei-Querdenker steht …
Das große Vergraulen
Diese Formkurve ist das Ergebnis einer Politik, die nichts mehr mit der FDP zu tun hat, die zweistellig bei der Bundestagswahl abgeräumt hat. Seither tendierte Lindner zu einer Corona-Impfpflicht und trägt als Chef einer Wirtschaftspartei einen Anti-Energie-Kurs mit, der den Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr bringt. SPD und Grüne sind einander natürliche Partner. Die FDP passt sich an – und vergrault ihre Wähler.

Bei der „Night of the Brands“ wurde der Finanzminister als „Political Brand“ des Jahres ausgezeichnet.
Preis der Eitelkeit
Die große FDP-Bühne gehört Christian Lindner also ganz allein. Und obwohl Lindner immer kleiner wird, wurde er für seine herausragende Rolle im liberalen Schrumpftheater geehrt. Der Finanzminister wurde als „Politische Marke“ des Jahres bei der „Night of the Brands“ ausgezeichnet. Der Preis wurde vergeben von der „Weimer Media Group“, einem Verlag aus Bayern, der sich auf Wirtschaft spezialisiert hat.
Dass Journalisten überhaupt Preise an Politiker vergeben, ist an Absurdität nur schwer zu übertreffen. Journalisten sollen den Mächtigen auf die Finger schauen und nicht hoffen, dass sie beim eigenen Roten-Teppich-Event in die Kameras lächeln.
Aber gut. Zurück zu Lindner. Der nahm diesen Preis der Eitelkeit strahlend entgegen und hält es vermutlich wirklich für eine gute Marken-Idee, wenn eine Partei hinter einem Gesicht verschwindet. Und er zeigt damit einmal mehr, wie weit entkoppelt die Minister-Riege von Olaf Scholz vom normalen Volk auf ihrer Regierungs-Wolke schwebt.

Der „Living Brand“-Award ging an Filmstar Dieter Hallervorden.
SPD, Grüne und FDP kommen in Umfragen zusammen (!) gerade mal auf 35 Prozent. Die Bürger trauen der Regierung beim größten Problem dieser Tage, der ungelösten Migrations-Krise, nichts mehr zu und haben handfeste Sorgen, sich das Leben in diesem Land nicht mehr leisten zu können. Das hier sind die Top 5 der Ängste der Deutschen: Steigende Lebenshaltungskosten (65 Prozent), Wohnen in Deutschland unbezahlbar (60), Steuererhöhungen/Leistungskürzungen (57 Prozent), Überforderung des Staats durch Migranten (56 Prozent), schlechtere Wirtschaftslage (51).
Und der Finanzminister, der den ganzen Tag nichts anderes machen sollte als gegen diese Ängste anzuregieren, lässt sich bei einer „Champagner und Lachs“-Party abfeiern. Die Botschaft: In der ersten Klasse spielt das Orchester noch. Viel Spaß mit dem Eisberg, liebes Volk.
Christian Lindner hat einen der klügsten Sätze gesagt, die jemals ein Politiker in der Bundesrepublik gesagt hat: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ Wo ist der Christian Lindner hin, der noch den Instinkt hatte, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden?
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Willi Haentjes
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