Studie: Wenn die AfD regiert, leiden ihre eigenen Wähler am meisten
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Marcel Fratzscher ist Professor für Volkswirtschaft an der renommierten Humboldt-Universität in Berlin. Er ist Präsident des DIW, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ein bekannter Ökonom, häufiger Gast in Talkshows.
Und obwohl er erkennbar kein Gärtner ist, hat Fratzscher für potenzielle AfD-Wähler einen wichtigen Gartentipp parat: Wenn Ihr die AfD wählt, sägt Ihr den Ast ab, auf dem Ihr sitzt!
Sein Institut DIW hat gerade eine Studie veröffentlicht, die sehr genau darlegt, wer bei einem Wahlsieg der AfD den größten Schaden davontragen würde. Das Ergebnis sollte zum Nachdenken anregen. Falls die AfD tatsächlich irgendwann an die Regierung käme, wären es ihre eigenen Wähler, die am stärksten unter den Entscheidungen ihrer Partei leiden würden.
Schauen wir uns kurz den typischen AfD-Wähler an: Er ist 45 bis 59 Jahre alt, oftmals unzufrieden mit der Situation und gehört der Gruppe mit geringerem Einkommen an. Arbeiter und Arbeitslose machen den größten Teil der AfD-Wählerschaft aus. In den strukturschwachen Gemeinden im Osten Deutschlands ist man stärkste Kraft.
Aber so wundert es umso mehr, dass sich anscheinend kaum jemand für die wirklichen Ziele der Partei interessiert. Beleuchten wir einmal das Parteiprogramm der AfD.
Die AfD setzt sich wie keine andere Partei für Steuersenkungen ein. Ja, das stimmt. Allerdings geht es um Steuererleichterungen für die Reichen. Die Erbschaftssteuer soll gesenkt bis abgeschafft werden, große Vermögen verschont, selbst der Soli für Besserverdienende soll fallen. Der kleine Mann zahlt eifrig weiter.
Keine Partei fordert weitreichendere Einschnitte im Sozialsystem. Weniger staatliche Hilfen, mehr Eigenverantwortung, weniger Unterstützung Bedürftiger. Das Bürgergeld soll beschnitten werden, zudem möchte die AfD die Erhöhung des Mindestlohns kategorisch verhindern. Ein Großteil ihrer Wähler hängt aber in besonderem Maße von staatlicher Unterstützung ab. Er beschneidet sich also selbst, indem er die AfD unterstützt.

DIW-Chef Marcel Fratzscher
Wenn nun auch noch die Rechte von Mietern massiv beschränkt und die Rechte vermögender Vermieter im gleichen Maße gestärkt werden, entsteht ein Ungleichgewicht, das auch die überzeugtesten AfD-Anhänger nachdenklich machen müsste.
Zitat Fratzscher: „Würde sich die AfD-Politik durchsetzen, käme es zu einer Umverteilung von Einkommen und sozialen Leistungen weg von AfD-Wählern, hin zu den Wählern anderer Parteien.“
Die Partei versteht es, die verzweifelte Lage großer Teile der Bevölkerung für sich zu nutzen, den Menschen Gehör zu schenken, sie glauben zu machen, die AfD würde ihr Leben verbessern. Das Gegenteil ist womöglich der Fall. Aber bei vielen AfD-Wählern ist die Unzufriedenheit über die Alternativen zur Alternative inzwischen einfach so groß, dass sie das einfach in Kauf nehmen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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