Als Polizisten-Mutter schlafe ich unruhig: „Sie halten für uns auf der Straße den Kopf hin“
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Es war ein seltsames Gefühl, meine Tochter das erste Mal mit schusssicherer Weste und in voller Montur bewaffnet zu sehen. Man bringt sie auf die Welt, schaukelt sie durch fieberkranke Nächte, betrügt sie mit der Zahnfee, tröstet aufgeschlagene Knie und gebrochene Herzen, und ehe man es sich versieht, sind sie groß geworden, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.
Früher habe ich sie beschützt, jetzt beschützt sie andere und riskiert dabei jeden Tag, bei jedem Einsatz auch ihre körperliche Gesundheit – und wenn es ganz dumm läuft auch ihr Leben. Sie wird immer mein kleines Mädchen bleiben, so wie wir alle in der Regel lebenslang die Kinder unserer Eltern bleiben, sie ist aber jetzt größer als ich und ich möchte bei ihr wirklich nicht in eine Verkehrskontrolle geraten, denn sie weiß sich auf der Straße mit großer Gelassenheit Respekt zu verschaffen. Als Polizisten-Mutter schläft man dennoch unruhig.
Seit ich darüber öffentlich schreibe, wie nahe mir als Mutter von inzwischen zwei Polizisten-Kindern der Mord an Rouven L. geht, weil er die Gefahr auch für meine Kinder emotional näher bringt, als mir lieb ist, schreiben mir andere Eltern mit Kindern im Dienst ähnliches. Sie wissen, wovon ich spreche, wenn man einerseits stolz ist, dass sie den Mut hatten, diesen wichtigen und nicht einfachen Beruf zu ergreifen, der einem mehr abverlangt als ein durchschnittlicher Nine-to-five-Job in einem gemütlichen Büro, und andererseits denkt, hätten sie nicht etwas Ungefährlicheres wählen können? Es gibt doch so schöne Berufe.

Die Trauer um Rouven L. ist riesig – der Verlust für die Familie ebenso.
Und dann sieht man ihnen zu, wie sie sich mit Begeisterung hineinstürzen, hart trainieren, weil alleine schon die körperlichen Anforderungen enorm sind, wie sie und ihre Freunde schon in der Ausbildung in ihren Praktikumsstellen mehr gefordert werden, als einem lieb ist und ich als Mutter mehrfach dachte: Aber die sind doch noch nicht mal fertig ausgebildet, wie kann man sie jetzt schon so in Gefahr bringen? Kann man, muss man wahrscheinlich auch, um sie darauf vorzubereiten, dass es später nicht besser wird. Man sieht, wie sie sich nicht beklagen über Wochenenddienste, Nachtschichten und Überstunden und sich selbst mit den Widerwärtigkeiten der Ermittlung gegen Pädophile beschäftigen. Jemand müsse doch auch diesen Job machen, ihr lapidarer Einwand, was, wenn alle sagen, das will ich nicht tun?
Wenn du weißt, deine Kinder machen das jeden Tag ...
Ich bin manchmal froh, die ganzen Geschichten meiner Kinder und ihrer Kollegen erst im Nachhinein zu hören, wenn schon alles gut gegangen ist. Die außer Kontrolle geratene Verkehrskontrolle inklusive Verfolgungsjagd mit 160 durch die Stadt, die Waffe im Anschlag zu Fuß durch den dunklen Wald. Die durchfrorenen Nächte beim Objektschutz an der Synagoge, da die Stadt in Alarmbereitschaft war, seit palästinensische Sympathisanten den Mord an Juden in Israel offen auf deutschen Straßen feiern. Der Dienst in der U-Haft-Stelle, jede Nacht die Ergebnisse von Drogen, Alkohol und Gewalt und sich trotzdem die menschliche Güte bewahren, hinter den gescheiterten Existenzen noch den verlorenen Menschen zu sehen, den man trotzdem mit Respekt behandelt, auch wenn er schreit, um sich schlägt und erbärmlich riecht. Klimakleber sanft von der Straße holen müssen, weil man sonst selbst mehr Ärger bekommt als jene, die hier mit ihrem Handeln im fließenden Verkehr sich und andere gefährden. Die Kollegin, die sich erst erholen muss davon, dass in ihren Armen das Opfer einer Messerstecherei verblutete und starb und sie das Blut eines Toten von ihrem Körper spülen muss. Die Unsicherheit vor jeder verschlossenen Türe, wenn die Nachbarn Alarm geschlagen haben und man keine Ahnung hat, was und wer hinter der Türe auf einen wartet.
Hundertschaften, die sichern, dass Politiker diskutieren, Demonstranten demonstrieren, Fußballfans Spaß haben und wir alle ruhig schlafen. Und dann die Meldung von der jungen Polizistin, die aus dem Auto eines Wilderers heraus bei einer Fahrzeugkontrolle einfach erschossen wurde. Einfach so. Und du weißt, deine Kinder und ihre Kollegen machen das jeden Tag und jede Nacht und können immer zur falschen Zeit am falschen Ort sein und dann bekommst du diesen Anruf, den andere Eltern heute Morgen hatten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser war in Mannheim, um Beileid zu bekunden.
Was geben wir ihnen als Dank zurück? Den politischen Generalverdacht, sie würden unzulässig Gewalt ausüben und Nancy Faesers Freunde von der Antifa, die sie als „Bullenschweine“ bezeichnen. Danke für nichts.
Es sind ja nicht ihre Söhne und Töchter, sondern unsere, die ihr Leben riskieren
Ich weiß noch, was ich zu ihr sagte, als sie mir den Plan eröffnete, vom aktuellen Studium zur Polizei zu wechseln. Dass es rauer wird auf diesen Straßen, dass sie zunehmend mit Männern konfrontiert sein wird, die ihre Autorität nicht nur als Polizistin, sondern schon sowieso als Frau nicht anerkennen und dass meine einzige Sorge ist, dass ihr körperlich etwas passiert, auch wenn sie aussieht wie ein Lara-Croft-Double.
Polizisten-Mütter schlafen unruhig. Auch jene Soldaten-Mütter werden wissen, was ich meine, die ihre Söhne am Hindukusch und in Afghanistan angeblich die Freiheit des Westens haben verteidigen sehen. Nahezu aberwitzig höre ich heute deutschen Politikerinnen zu, wie sie „bis zum letzten Mann“ die Freiheit der Ukraine verteidigen wollen und manche sich bereits den Einsatz deutscher Soldaten an der russischen Grenze herbeireden. Wissen die, was das ganz real heißt, wenn unsere Kinder in Kampfeinsätze ziehen sollen? Reicht es nicht, was wir sie Tag täglich bereits auf den Straßen von Mannheim, Duisburg oder Berlin bewältigen lassen? Es sind ja nicht ihre Söhne und Töchter, sondern unsere, die ihr Leben riskieren.
Rouven L. wurde nur 29 Jahre alt
Jetzt hat ein junger Polizist in Mannheim sein Leben gelassen, weil er auch nur seinen Job gemacht hat für uns alle. Und weil es mehr ist als ein Job, sondern ein Beruf, der auch Berufung sein muss, um sich das alles pflichtbewusst anzutun. Rouven L. wurde nur 29 Jahre alt. Er könnte auch Ihr Sohn sein, Ihre Tochter, Ihre Schwester, Ihr Bruder.
Der islamistische Attentäter von Mannheim hat nicht nur den Islamkritiker Michael Stürzenberger auf dem Marktplatz ganz gezielt mit Messerstichen in den Kopf niedergestochen, er stürzte sich in einem weiteren Anlauf auch ganz gezielt auf diesen jungen Polizisten, der dabei war, einen anderen auf dem Boden in Schach zu halten. Der Täter handelte hinterrücks, entschlossen und mit einer beängstigenden Tötungsabsicht, wie die Videos von der Tat zeigen.

Michael Stürzenberger im Krankenhaus
Manche sprechen nun von einer „feigen“ Tat. Ich finde das Wort feige in diesem Zusammenhang völlig falsch. Es ist nicht feige, sondern wahrscheinlich sogar mutig, sich derart brutal in eine körperliche Auseinandersetzung zu begeben und dabei zu riskieren, dass man selbst getötet wird. Wir haben es hier leider ganz und gar nicht mit feigen Attentätern zu tun, sondern mit eiskalten und wild entschlossenen Mördern, die eher auf eine feige Gesellschaft treffen, die sich nicht mehr zu wehren weiß und von weltfremden Ideologen regiert wird, die ihren Tag in gepanzerten Wagen verbringen.
Das Mindeste wäre, Mörder und Motive beim Namen zu nennen
Der Täter von Mannheim wurde bereits 2014 als Asylbewerber abgelehnt und wurde dennoch weiter geduldet im Land. Er hätte schon seit Jahren gar nicht hier sein dürfen, wir waren dennoch freundlich zu ihm, haben ihn finanziert und ausgebildet. Er dankt es mit Hass und Gewalt. Ein Schema, das sich inzwischen wie ein roter Faden durch Berge von Polizeiberichten und Gerichtsurteilen zieht.

Justizminister Buschmann lässt wegen Terror den Generalbundesanwalt ermitteln.
Der Polizist Rouven L. hat dieses Politikversagen jetzt als Zufallsopfer mit dem Leben bezahlt. Unsere Kinder sind gefährdet, weil sie auf den Straßen unseres Landes ausbaden, was in den Hinterzimmern der Politik ignoriert und ruiniert wird. Unsere Polizisten können jeden Tag zur falschen Zeit am falschen Ort stehen, dennoch verweigert ihnen diese Gesellschaft den Respekt und den Dank, den sie dafür verdienen.
Es wäre das Mindeste, ihre Mörder und deren Motive beim Namen zu nennen und endlich zu unterbinden, dass noch mehr von ihnen einwandern. Es wird uns noch ausreichend beschäftigen, wie wir jene in Schach halten, die bereits da sind.
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Birgit Kelle
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