Auf Hochglanz gedruckter Gratismut: Noch absurder als das Stern-Cover sind nur die Geschichten dahinter
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Wenn alle sich einig sind, dann muss es stimmen. Was nach einer probaten Devise für Marketingabteilungen von Muskelwachstumspräparaten klingt, hält auch Einzug in den Journalismus – und die Welt der Stars und Sternchen. Und damit wären wir bei der Titelgeschichte des neuen Stern, für den sich 16 Influencer, Manager, Schauspieler und Musiker zusammengeschlossen haben, um ein Zeichen zu setzen: „Nicht mit uns!“, heißt es leicht überheblich. Helene Fischer ist dabei, Florian Silbereisen, Udo Lindenberg, Florian David Fitz oder Nelson Müller. Es geht, welch Überraschung, um die AfD und den Rechtsruck. Und es sei jetzt geboten, die eigene Stimme zu erheben.

Ein Aufruf „zum Kampf gegen die Feinde der Demokratie“.
Man könnte fragen, wo diese Prominenten waren, als Israel am 7. Oktober von der Hamas überfallen wurde und islamistische Fahnen auf deutschen Straßen wehten. Oder analysieren, wie Tugendhaftigkeit eine ganze Riege von Prominenten dazu bringt, sich für die vermeintlich gute Sache einspannen zu lassen. Warum es gefühlt so gut wie niemanden gibt, der das mediale Framing rund um das „Geheimtreffen“ von Potsdam hinterfragt. Herausarbeiten, wie absurd der Ausdruck „Feinde der Demokratie“ erscheint, wo doch die AfD eine demokratische Partei ist, die von Millionen Menschen gewählt wird. Oder vergleichen, inwiefern diese Direktive zur Stromlinienförmigkeit nicht an die DDR erinnert, als sich „Kulturschaffende“ vor ein Unrechtsregime stellten und jede Opposition zu Feinden erklärten.

Neues Deutschland aus dem Jahr 1976 in der DDR.
Doch manchmal braucht es keine ausgeklügelten Analysen, sondern es reicht, die Protagonisten selbst sprechen zu lassen. Die Titelgeschichte des Stern, das wird beim Blick ins Heft deutlich, ist ein groteskes Floskelstakkato, bei dem sich ein Prominenter nach dem nächsten darin überbietet, mit ewig gleichen Phrasen gegen „Menschenfeinde“ und „Rechtspopulisten“ anzukämpfen.
Helene Fischer prangert „Diskriminierung, Rassismus, Hass und Gewalt“ an und will in einem „offenen, toleranten und vielfältigen Deutschland leben“. Maite Kelly hingegen gibt zum Besten: „Nur Liebe kann jetzt die Antwort sein. Eine Kette von liebevollen Händen aller Klassen, Religionen, Konfessionen, die sich festhalten und verbinden.“ Nunja.
Der Musiker Boterov fühlt sich hingegen an Erich Kästner erinnert und mahnt, aus einem Schneeball dürfe keine Lawine werden. „2024 ist unser 1928“, teilt er mit, und man fragt sich, ob er sich während des Studiums an der Popakademie in Mannheim alle Erinnerungen an den Geschichtsunterricht weggeknallt hat. Roland Kaiser hingegen, rund 40 Jahre älter, hat ein Statement abgegeben, das sich nicht nur wie eine durch künstliche Intelligenz generierte Pressemitteilung seiner Agentur liest, sondern gegen „Antisemitismus“ und „Judenhass“ positioniert. Und auch hier drängt sich die Frage auf: Wo war der Mann in den vergangenen Monaten und Jahren? Und glaubt er wirklich, dass ein privates Treffen in Potsdam jüdisches Leben bedroht – oder vielleicht doch eher illegale Zuwanderer und die wachsende Kriminalität auf den Straßen? Spoiler: Es ist zweiteres.

Maite Kelly will Liebe.
„Verzicht von jedem gefordert“
Louisa Dellert hingegen, die in der Vergangenheit im Rahmen ihrer Influencer-Tätigkeit schon zum Besten gab, ihre Pornosucht mit ethisch korrekten Pornos zu stillen, sagt, dass „wir alle mehr als Instagram-Kacheln teilen müssen“. Stattdessen solle man ins Gespräch und in die Nachbarschaft gehen. Als sei die Vermischung von Privatem und Politischem nicht schon angesichts von Correctiv-Enthüllungen gruselig genug, scheint nichts schlimmer, als die Vorstellung, mit Louisa Dellert an der Türschwelle den Rechtsruck diskutieren zu müssen. Dann lieber freiwillige Remigration!
Der Musiker Wolfgang Niedecken hingegen nutzt den Gleichschritt-Appell, um seine Mitbürger zu ermahnen: „Um Probleme wie den Klimakollaps in den Griff zu kriegen, ist von jedem Verzicht gefordert.“ Das ist natürlich deshalb witzig, weil Niedecken gar nicht merkt, dass genau diese belehrende Haltung und ins Private outgesourcte Weltrettertum, oft vorzufinden bei den Grünen, ein Mitgrund sein könnte, weshalb sich Wähler der AfD zuwenden.
Zum Glück gibt es dann am Ende Collien Ulmen-Fernandes, die den Anti-AfD-Appell dazu nutzt, sich darüber zu beschweren, dass sie wegen ihres Migrationshintergrundes eine Hauptrolle verwehrt bekam, während kaum noch eine größere Filmproduktion in Auftrag gegeben wird, in der Menschen mit Migrationshintergrund nicht absichtlich in die erste und zweite Reihe gestellt werden, um Diversity zu signalisieren. Dabei entstehen regelrecht absurde Streifen wie Tatort-Folgen aus jüngster Vergangenheit, in der die böse weiße deutsche Polizei auch schon mal eine von Rechten unterwanderte Behörde ist – oder deutsche Großfamilien Migranten töten. Produktionen aus dem echten Leben eben.

Der Fernsehkoch Nelson Müller stellt „Winds of Change“-Analogien auf.
Manifest des Gratismuts
Die Köchin Cornelia Poletto erklärt, dass „Vielfalt nicht nur in der Küche“ wichtig sei – sondern auch gesellschaftlich. Der SAP-Manager Christian Klein sagt, Deutschland müsse aufpassen, dass Diskriminierung nicht überhand nehme und Talente vergraule. Ob er damit die CDU-Politikerin Simone Baum meint, die gerade von ihrem Arbeitgeber, der Stadt Köln, entlassen wurde, weil sie sich privat mit den falschen Menschen traf? Immerhin ergreift auch der Volkswagen Chef Oliver Blume das Wort, während sein Konzern zeitgleich Fabriken in China betreibt, wo es Arbeitslager für Uiguren gibt. Aber all diese Widersprüche sind egal, wenn es gegen den richtigen Feind geht.
Am Ende bleibt der Appell des Stern-Magazins ein Manifest des Gratismuts, bei dem reiche Menschen demonstrativ zur Schau stellen, auf der richtigen Seite der Geschichte stehen zu wollen. Viele von ihnen machen das nicht aus politischem Interesse – und waren bei aller Hand Missständen der vergangenen zehn Jahre still wie eine Beichtkammer –, sondern aus wirtschaftlichem Kalkül. Sie haben nichts zu verlieren, nichts zu riskieren, und stehen sinnbildlich für eine Riege von Stars aus Musik, Sport und Schauspiel, die sich nach Angepasstheit und moralischer Überlegenheit sehnen.
Sie sind austauschbar und werden keinen AfD-Wähler zurückholen, aber zum Glück gibt es am Ende dieser Folge der deutschen Avengers noch immer einen Udo Lindenberg, der um die Ecke kommt und ruft: „Menschenrechte statt rechte Menschen, bunt statt braun, Naziland ist abgebrannt.“ Auch das ist im Stern abgedruckt. Schachmatt, liebe Feinde der Demokratie.
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