Bei Wahlsieg der AfD will er auswandern: Welches Land würde Böhmermann überhaupt aufnehmen wollen?
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Bye, bye, Böhmi? Der Chefkomödiant der Öffentlich-Rechtlichen, Jan Böhmermann, kündigte jüngst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung an, Deutschland verlassen zu wollen – sollte die AfD bei einer Bundestagswahl den Sieg erringen. Die Frage ist allerdings: Wer würde einen zwangsfinanzierten Komiker mit Hang zu Tötungsfantasien und Hass auf Andersdenkende überhaupt aufnehmen?
„Meine Kolleginnen, Kollegen und ich, also wir öffentliche Menschen, wir laufen voran mit unseren Visagen – und wir bekommen es dann auch ab“, so Böhmermann im SZ-Gespräch. Klagen wolle er darüber nicht, „aber daher beschäftige ich mich mit Ihrer Frage, natürlich“, ergänzte Böhmermann.
Lautet nicht ein altes Sprichwort: Wer austeilt, muss auch einstecken können? Sei’s drum, eine Träne würden dem 44-Jährigen im Ernstfall wohl nur die wenigsten Bundesbürger nachweinen. Wohin also könnte es gehen für Böhmermann?
Schauen wir zuerst auf das Naheliegende, den direkten Nachbar Österreich. Immerhin wäre die Sprachbarriere bis auf ein paar schwer zu verstehende Dialekte sehr klein, die Natur umwerfend und die Entfernung hält sich auch in Grenzen. Zu Böhmermanns Glück gibt es dort sogar noch einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in dem sich der Comedian einnisten könnte.
Ist Böhmi ohne Zwangsgebühr überlebensfähig?
Denn: Sein halbes Leben wurde Böhmermann von den Zwangsgebühren der Bürger voll versorgt. Nebenbei kann er im Wochentakt Skandale produzieren, allerdings ohne Konsequenzen dafür zu spüren.
Ob er sich das im Österreichischen Rundfunk auch erlauben könnte? Seinen möglichen neuen Gastgebern im Alpenland dichtete er in seiner Sendung vom Februar vergangenen Jahres jedenfalls schon einmal eine Hymne mit dem Namen „Immer wieder Österreich“. Darin singt er: „Dieses Liad ist füa des Land, des geil wird, wenn’s vergisst, was es früher einmal woa und was es morgen wieder ist! Solang der Russ’ uns schoaf find, wird Österreich allein das neutralste größte Reich in Osteuropa sein! Host du auch a Gedächtnis wie’s Goldfischerl im Teich, dann machs no amoi und streck den Arm für unser Österreich.“

Eine Gesangseinlage für die Österreicher sollte sich Böhmermann in Zukunft besser sparen.
In besagter Sendung ruft Böhmermann außerdem zur Tötung von Politikern der Parteien FPÖ (Österreich) und AfD (Deutschland) auf. In dem 34-minütigen Video (Titel: „Die FPÖ und ihr Volkskanzler“) beschäftigt sich Böhmermann mit dem Umfrage-Höhenflug der FPÖ in Österreich, wo im Herbst ein neues Parlament gewählt wird.
Nach einer Sendung mit mehreren Gleichsetzungen von NSDAP, FPÖ und AfD verabschiedet sich Böhmermann mit den Worten: „Nicht immer die Nazi-Keule rausholen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen. Tschüss, bis nächste Woche.“ In Österreich dürften solche Mordaufrufe eine Anstellung vermutlich zunichtemachen – und damit auch Böhmis Glück im Nachbarland.
Ein AfD-Verbot? „Unbedingt!“
Wie wäre es also mit einem etwas autoritäreren Staat? Die Türkei etwa. Selbst dort wird im TV zwar nicht zum Mord aufgerufen, aber immerhin die Opposition eingeschränkt– was Böhmermann gefallen dürfte. Auch im SZ-Interview machte er sich für ein Verbot der AfD stark: „Unbedingt! Und vorher das ausgiebige Verbotsverfahren bitte!“ Mit „denen“ wolle Böhmermann nichts zu tun haben, „sie gehören von allen Aufrechten, Empathischen und Anständigen mit allen Mitteln bekämpft“.
Um aber auf die Türkei zurückzukommen: Auch dort wartet vermutlich kein freundlicher Empfang. Wir erinnern uns: Im März 2016 trug er in seiner Satireshow ein Schmähgedicht vor, das den Präsidenten unter anderem als „pervers, verlaust und zoophil“ bezeichnet hätte. Dass die Wogen noch einmal geglättet werden: eher unwahrscheinlich.

„Böser Böhmermann“ denkt sich vermutlich auch Erdogan. Die Türkei ist also auch kein Ziel.
Wenn schon nicht die Türkei, dann ja vielleicht eine andere islamische Region: Wie wäre es mit Palästina? Auf den ersten Blick eine gute Idee, schließlich wollte Böhmermann innerhalb seiner Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt nicht nur den Antisemiten-Rapper Chefkat einladen, sondern auch andere Palästina-Aktivisten wie die Sängerin Domiziana. Aus seiner Zuneigung gegenüber den Palästinensern machte er in der jüngsten Vergangenheit keinen Hehl. Einziges Problem: Dass Böhmermann sich hierzulande immer wieder für die Trans-Community eingesetzt hat, dürfte den Moderator vor Ort – wo so etwas nicht unbedingt goutiert wird – schnell erfahren lassen, wie lang der Weg vom Dach eines Hochhauses zurück zur Erde wirklich dauert. Wenn er Glück hat, werden es nur ein paar Peitschenhiebe ...
Aber so richtig zumutbar ist das auch nicht, daher zurück nach Europa.
„Böhmi brutzelt“ auch mal gern mit Pädophilen
Wie wäre es mit einem weiteren Nachbarn? Frankreich zum Beispiel dürfte Böhmermann liegen. Das Land ist für seine ausgezeichnete Kulinarik bekannt, der Comedian hatte in der Vergangenheit sogar seine eigene Kochshow, „Böhmi brutzelt“. Der Sender selbst wirbt dazu auf seiner Website: „Das Wagyu-Steak unter den Kochshows: Jan Böhmermann lädt prominente Gäste zur gepflegten Unterhaltung am Herd.“ Mit dabei waren unter anderem die Kaulitz-Brüder, Enissa Amani oder auch – Mario Olszinski, besser bekannt als „Jurassica Parka“.

Der Porno-Straftäter Mario O. 2023 in die Koch-Show „Böhmi brutzelt“.
In der Sendung erklärte Olszinski, dass Dragqueens „natürlich keine Kinderbücher vorlesen, weil sie Kinder geil finden“. Böhmermann echauffierte sich zuvor über eine vermeintliche „Re-Politisierung von Drag-Lesungen“ – nicht durch Linke, sondern Rechte. Wenige Monate später wurde „Parka“ vom Amtsgericht Tiergarten wegen des „Verbreitens kinderpornografischer Schriften“ zu einer Geldstrafe von 11.200 Euro verurteilt. Ob solch eine Gastauswahl den Franzosen im TV schmecken würde? Vielleicht ist das deutsche Nachbarland doch nicht das beste Auswanderungsziel …
Böhmermann ist ein „stenökes“ Pflänzchen
Man könnte die Liste möglicher Ziele wohl noch weiterführen, würde aber am Ende doch immer zu einer Erkenntnis stoßen: Böhmermann funktioniert einzig und allein in dem innerdeutschen Mikrokosmos linker Medienmacher und deren treuen Fans. In der Pflanzenwelt ist das vergleichbar mit Gewächsen, die „stenök“ sind, also ökologisch stark spezialisiert und daher nur gering anpassungsfähig. Auf Umweltveränderungen, wie einen Wahlsieg der AfD, reagieren sie sehr empfindlich.
Auf die Frage, wohin er denn letztlich auswandern würde, gab sich Böhmermann letztlich geheimnisvoll und antwortete: „Sage ich nicht, ich will ja nicht gefunden werden“.
Als Witz sei das zwar nicht gemeint gewesen, glaubhaft ist es allerdings auch nicht. Denn dass sich der aufmerksamkeitsheischende Provokateur von ganz allein das Rampenlicht ausknipst, ist genauso unwahrscheinlich wie sein Rauswurf durch die Entscheider im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Das Gute ist: Immerhin weiß der Bürger nun, wie er Böhmermann loswerden kann.
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Eric Steinberg
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