Beschämt, beschmutzt und entfremdet: Wie sexuelle Deepfakes ein neues Zeitalter der Erniedrigung eröffnen
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Ein Leben, das nach außen stabil und vertraut wirkte, zerbricht – und zurück bleibt, was sich kaum in Worte fassen lässt.
Im Spiegel und auf ihrem Instagram-Account wirft die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, unter ihrem Namen Profile im Internet angelegt und über diese pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Anderen Männern soll er mithilfe von Künstlicher Intelligenz gefälschte Erotikbilder und Videos geschickt haben, die Fernandes „zum Verwechseln ähnlich“ gesehen haben sollen. In einer privaten Nachricht an ihren Ex-Mann formulierte Fernandes ihren Vorwurf drastisch: „Du hast mich virtuell vergewaltigt.“
Der Fall ist nicht einfach nur ein weiterer Promi-Skandal. Er zeigt etwas viel Unangenehmeres: wie brutal und entmenschlichend digitale Gewalt geworden ist. Der Vorwurf der „virtuellen Vergewaltigung“ klingt für manche vielleicht abstrakt. Ist er aber nicht. Im Gegenteil – er trifft einen Kern, der erschreckend real ist.

Collin Fernandes mit Ex-Mann Christian Ulmen
Bereits seit Jahren kursieren mehrere Hundert gefälschte Pornoaufnahmen von Fernandes auf dubiosen Plattformen. Sogenannte Deepfakes, mit KI erstellte Bilder oder Videos, die eine Person nahezu identisch nachahmen können, sind dabei längst keine technische Spielerei mehr. Sie sind ein Machtinstrument. Und sie treffen vor allem Frauen.
Künstliche Intelligenz kann Gesichter mit erschreckender Präzision auf fremde Körper setzen, Stimmen imitieren und ganze Videos erzeugen, die täuschend echt wirken. Ein einziges Foto genügt. Ein Social-Media-Profil. Ein öffentliches Interview. Mehr braucht es nicht, um eine digitale Version einer Frau zu erschaffen – eine Version, die Dinge tut, die sie selbst niemals getan hat.
Raub der Persönlichkeit durch Deepfakes
Was bedeutet es, wenn man plötzlich Bilder von sich im Netz entdeckt, die täuschend echt aussehen – aber nicht man selbst sind? Wenn das eigene Gesicht auf einem fremden Körper liegt, in Situationen, die man nie gewählt hat?
Die Antwort ist: erniedrigt, entfremdet, beschmutzt und beschämt. Es bedeutet, sich selbst nicht mehr zu gehören. Einer Frau so etwas anzutun, grenzt an ungeheuerliche Boshaftigkeit. Denn hier wird nicht nur ein Bild manipuliert. Hier wird die Kontrolle über den eigenen Körper genommen. Über Sexualität. Über Intimität. Dinge, die eigentlich zutiefst persönlich sind, werden öffentlich gemacht – ohne Zustimmung, ohne Möglichkeit, es rückgängig zu machen. Die Frauen, die solch eine Erniedrigung erlitten haben, wollten sich zum Großteil nie erotisch im Netz zeigen.
Und das Perfide daran:
Selbst wenn man weiß, dass die Bilder gefälscht sind – es fühlt sich nicht so an. Je detailgenauer die Bilder, umso größer die Scham.
Die Folge ist eine Entfremdung von sich selbst. Da sind Bilder im Umlauf, die dich zeigen. Rasend schnell verbreiten sie sich im Netz und sind nahezu nicht zu stoppen. Menschen sehen sie, teilen sie vielleicht; sie glauben, dass du es bist. Und du kannst danebenstehen und sagen: „Das bin ich nicht.“ Und gleichzeitig weißt du: Für viele bist du es doch. Degradierung und Erniedrigung erreichen damit ein neues Maß.

Ein einziges Foto reicht. Ein Social-Media-Profil. Ein Moment. Und daraus entstehen Hunderte Bilder, Videos, Szenarien – oft sexualisiert, oft entwürdigend.
Die Bilder sind fake – die Hilflosigkeit der Opfer aber ist real
Die Prävention gegen diese Gefahr ist nahezu unmöglich. Viele Betroffene wissen nicht einmal, dass es sie betrifft. Für die Opfer, die es erfahren, bricht ein Höllenfeuer aus, denn die Dunkelziffer der erstellten Fake-Bilder ist oft nur schwer zu durchblicken. Es breitet sich ein Gefühl der Hilflosigkeit aus, ein Gefühl, das einem die Macht über die Selbstbestimmung nimmt. Aus Scham und um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf die Fotomontagen zu lenken, trauen sich viele Betroffene nicht, darüber zu sprechen oder sie zur Anzeige zu bringen. Die Hilflosigkeit, der sich Opfer ausgesetzt sehen und fühlen, muss unermesslich groß sein.
Der Fall zeigt deshalb etwas Entscheidendes: Wir müssen aufhören, Deepfakes als „Internetphänomen“ abzutun. Es geht hier nicht um Technik. Es geht um Menschen. Und um die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen, wenn Realität manipulierbar wird – während die Gefühle der Betroffenen absolut echt bleiben.
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Adina Adler
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