Das wundervolle Gefühl Heimat
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Der Duden definiert Heimat als „Land, Landesteil oder Ort, in dem man geboren und aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt“. Das ist für das, was sonst im Wörterbuch der deutschen Sprache steht, geradezu lyrisch. Aber das Wort Heimat braucht man eigentlich nicht zu definieren. Da, wo wir uns zu Hause fühlen, ist Heimat. Wo wir glücklich sind, wo wir sicher sind. Das ist seit Generationen so. Urgroßeltern, Großeltern, Eltern haben diesen Begriff weitergetragen zu uns. „Heimat“ ist eines der wunderbaren deutschen Worte, die einen besonderen Klang haben, wenn man sie ausspricht. Dazu gehören auch Worte wie „Brot“, „Mutter“, „Liebe“, „Kind“, um ein paar zu nennen.

Der Blick bei Sonnenschein auf den Bismarckturm, auch Bismarcksäule genannt, und die Weinberge von Radebeul in Sachsen.
Warum ich das alles erzähle: Das Wort „Heimat“ hat offenbar einen Riss bekommen in letzter Zeit. Er ist noch fast nicht zu sehen, aber Menschen sprechen darüber. Sie sagen Dinge wie „ich habe Angst um meine Heimat“ oder „ich fürchte um die Zukunft meiner Heimat“. Bei NIUS Live meldeten sich User zu Wort, die dieses Gefühl in Worte kleideten. Ein Beispiel: „Ich glaube, darum geht es, weil Land ja auch Heimat ist. Man merkt, meine Heimat verändert sich so, dass ich sie nicht wieder erkenne. Da kann man die Ängste der Menschen nachvollziehen.“
Ein anderer NIUS-Zuhörer sprach über die „Ungerechtigkeit, die aufkommt, wenn Menschen merken, dass sie sich ihre Butze einfach nicht mehr leisten könnten“. Wörtlich: „Und nebenan wohnen die Menschen, die noch nie einen Cent ins Sozialsystem eingezahlt haben – und kriegen einfach eine Wohnung.“
„Damit Sachsen Heimat bleibt“
Der Verlust des Heimatgefühls – ein zentrales Wahlkampfthema, aktuell besonders beim „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW). In Sachsen warb das BSW mit Sahra Wagenknecht auf den Plakaten, obwohl die Parteigründerin nicht direkt gewählt werden kann. „Wir geben“, heißt es vor dem Konterfei Wagenknechts dem Frieden „wieder eine Heimat“.

Wahlplakat des BSW
Auch die sächsische AfD stellt „Heimat“ ins Zentrum ihres Wahlprogramms, für das sie die Überschrift „Damit Sachsen Heimat bleibt“ wählte.
Innenministerin Faeser (SPD) verstieg sich zu der Aussage: „Wir müssen den Begriff ‚Heimat‘ positiv umdeuten und so definieren, dass er offen und vielfältig ist. Und dass er ausdrückt, dass Menschen selbst entscheiden können, wie sie leben, glauben und lieben wollen. Das wäre ein Gewinn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
„Wir müssen Begriffe nicht umdeuten“
Widerspruch kam aus der Union und anschließend aus der FDP. „Wieso bitte sollte der Begriff Heimat ‚positiv umgedeutet‘ werden müssen? Man kann sich nur noch wundern über Nancy Faeser“, schrieb Steffen Bilger, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg von der FDP hielt auf X (Twitter) dagegen: „Wir müssen Begriffe nicht umdeuten. Es gibt tatsächlich Menschen mit positivem, auch komplexem Verhältnis zu ihrer Heimat. Liberale Vielfalt von Lebensentwürfen kommt ohne Indienstnahme jedes Begriffes für die eigene Agenda aus. Es lebe die Vielfalt der Heimatliebe!“

Horst Seehofer, ehemaliger Bundesinnenminister.
Faesers Vorgänger Horst Seehofer hatte den Kompetenzbereich des Bundesinnenministers 2018 um den Komplex Heimat erweitert – auch um der AfD das Thema streitig zu machen und wieder für die Parteien der Mitte zu besetzen. Auch Faeser ist offiziell Bundesministerin des Inneren und für Heimat.
So schließt sich der Kreis: Alle Parteien kämpfen um die Gunst der Wähler mit dem Begriff „Heimat“. Dabei ist „Heimat“ nicht ersetzbar. Die Menschen fühlen, wenn Politiker einen der wichtigsten und schönsten Begriffe deutscher Sprache missbrauchen. Die Menschen wollen „nicht dem Frieden eine Heimat geben“, wie Sahra Wagenknecht es formuliert. Sie wollen eine intakte Heimat, in der sie sich wohlfühlen. So wie früher. Das sagt mir mein ganz normaler, gesunder Menschenverstand.
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Louis Hagen
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