Dem Ballermann geht der Sand aus – gehen bald auch die Touristen?
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Auf Mallorca soll es künftig weniger Sonnenliegen und Sonnenschirme zur Miete geben. Die Gemeinde Palma, zu der auch der Badeort S’Areal mit dem sogenannten Ballermann gehört, plant vom kommenden Sommer an eine entsprechende Reduzierung an den fünf Stränden ihres Gebiets.
Der Grund ist das „Sandsterben“, also der Rückgang von Sandflächen, den es seit Jahren gibt. Eine Sprecherin des Rathauses von Palma sagte: „Wir haben heute eine völlig andere Küstenlinie als vor 10, 20 oder 30 Jahren.“ Es gebe einfach „weniger Sand als früher“.
20 Millionen Touristen in einem Jahr
Was die spanischen Regionalpolitiker nicht gerne aussprechen: Nicht der Sand ist das Problem, sondern die Touristen, die drauf liegen. 17,8 Millionen Touristen haben 2023 Urlaub auf den Balearen gemacht, dieses Jahr werden es wohl über 20 Millionen werden. Sie lassen 20 Millionen Euro auf den Balearen, 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für viele Touristen ist Mallorca das 17. Bundesland – immer mehr Mallorquiner wehren sich gegen den steigenden Massentourismus, obwohl sie selbst davon profitieren. Sie sagen auf Demonstrationen: „Mallorca den Mallorquinern.“ Dabei wissen sie, dass jeder zweite Euro von Touristen stammt.

Protest gegen den Massentourismus auf Mallorca
Urlaubsländer haben die Kontrolle über ihre Besucher verloren
Es ist die ewige Parabel, die unser Altmeister Johann Wolfgang von Goethe im „Faust“ seinem Zauberlehrling zurufen lässt: „Die ich rief, die Geister –werd’ ich nicht mehr los!“ Die touristischen Zauberländer rund ums Mittelmeer werden die Touristen, die sie selbst einst gerufen haben, nicht mehr los. Sie haben längst die Kontrolle verloren, wer wann und wie oft kommt. Die Umsätze sind großartig, aber der Ärger ist auch groß, jedenfalls immer öfter.
Beispiel Italien: In den Innenstädten ist es nachts zu laut. Das beklagen immer mehr Anwohner. Auf den Straßen feiern Touristen das, was sie unter „Dolce Vita“ verstehen und rauben den Anwohnern ringsum den Schlaf. Buntes Nachtleben mit Musik und Alkohol ist für die Bewohner vieler Städte zum Horror geworden. Viele flüchten vor überfüllten Lokalen, Lärm und Partystimmung aus den Stadtzentren. Ein Ehepaar aus der norditalienischen Stadt Brescia hat jetzt die Gemeinde verklagt: Der Lärm aus den Nachtlokalen sei gesundheitsgefährdend. Das Gericht verurteilte die Gemeinde Brescia zur Zahlung von 50.000 Euro Entschädigung. Viele Gemeinden sind besorgt: Sie befürchten weitere Klagen und die damit verbundenen Forderungen. Nach einer Massenschlägerei im Juli 2022 verkündete der Präfekt von Udine, dass man „Alk-Touristen“ nicht mehr haben wolle. Verstöße gegen das Alkohol-Verbot sollen mit bis zu 5000 Euro bestraft werden.

Der Strand in Mallorca. Bleiben bald auch die Touristen weg?
Wer je versucht hat, im Pariser Louvre die Mona Lisa zu bestaunen oder im Vatikan die Werke Michelangelos, weiß: Es geht nicht nur ums Saufen. Die tausende Japaner, Chinesen, Amerikaner, Deutsche, die die Wunderwerke dieser Welt erleben wollen, haben keinen Tropfen Alkohol getrunken, jedenfalls die allermeisten von Ihnen. Es sind einfach zu viele, die kommen. Zwei Stunden Wartezeit sind normal, ohne Zeittickets können Sie einen ganzen Urlaubstag einplanen.
Die Lagunenstadt Venedig hat ihre Eintrittspreise erhöht, die Einwohner fühlten sich von zu vielen Kreuzfahrschiff-Touristen belästigt. Ab 2025 kostet ein Tag Venedig für jeden Touristen 10 Euro, statt 5 Euro. An manchen Tagen werden mehr als 25.000 zahlende Gäste registriert. Dies ist der Weg für alle Länder, den unkontrollierten Massentourismus zu kontrollieren, sagt mir mein gesunder Menschenverstand – hoher Eintritt. Wer Venedig sehen will, würde auch 100 Euro zahlen.
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