Deutschlands ehrlichster Landrat Kerth rechnet mit der SPD ab: Klappe halten und nicht auffallen – wie in der DDR!
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Man kann jeden anlügen, aber nicht sich selbst.
Stefan Kerth ist als Student in die SPD eingetreten, er hat sich immer wohl und zuhause gefühlt in der Sozialdemokratie. Aber heute, als 50-jähriger gestandener Lokalpolitiker, kann er eine Mitgliedschaft in dieser Partei nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren.
Kerth war elf Jahre lang Bürgermeister von Barth (Mecklenburg-Vorpommern) und ist seit 2018 Landrat von Vorpommern-Rügen. Im Gespräch mit meinem Kollegen Ralf Schuler erklärt der SPD-Landrat, warum er jetzt aus der SPD austritt – hier finden Sie das Video, es lohnt sich!
Der Hauptgrund für Kerths SPD-Exit: Die sozialdemokratischen Positionen haben sich in seinen Augen komplett entkoppelt von der Wirklichkeit im Land, von den Sorgen der normalen Menschen, deren Anwalt die SPD früher einmal sein wollte. Heute werde niedergeschrien, wer am Migrationskurs der Partei zweifele. Dass man in Deutschland nicht einmal die Frage diskutieren dürfe, ob wir überhaupt Zuwanderung wollen oder nicht – ein Unding für Kerth.
Der jetzt Ex-SPD-Mann beobachtet über Jahre eine Abgehobenheit der politischen Klasse, die Politik von oben betreibt und ignoriert, was unten gesagt wird. Der Umgang mit Kritik erinnert ihn an die DDR – im Zweifel lieber die Klappe halten und nicht auffallen.
Der Landrat des malerischen Kreises im hohen Norden ist kein politischer Draufgänger oder einer, der den großen Eklat sucht. Er erwartet keine Debatte über seinen Austritt auf dem Parteitag, der am Freitag in Berlin begonnen hat. Er geht auch nicht im Groll – aber in der Überzeugung, dass diese SPD nicht mehr seine SPD ist und sich auch nicht mehr ändern wird.

Strahlemänner und -frau: Die SPD-Spitze beim Parteitag am Freitag
Ein ehrlich verzweifelter Landrat
Ich schreibe heute über Stefan Kerth, weil er etwas verkörpert, was den meisten Spitzenpolitikern in Berlin fern liegt: Er hört den Menschen in seinem Wahlkreis nicht nur zu und verschwindet dann wieder in die Hauptstadt, sondern er versteht sie und nimmt ihre Sorgen ernst. Kerth ist ehrlich und verzweifelt. Das macht ihn zu einer sehr bemerkenswerten politischen Figur.
Kerths Austritt wiederum lässt mich an der Zukunftsfähigkeit der SPD zweifeln. Wenn gewählte Mandatsträger, die einen großen Teil ihrer Biografie ihrer politischen Heimat zu verdanken haben, diese Heimat lieber verlassen, als um sie zu kämpfen – dann hat diese Heimat ein Problem. Die Positionen von Stefan Kerth waren einmal die Positionen von Helmut Schmidt, dem großen Kanzler der Sozialdemokratie. Helmut Schmidt war migrationskritisch und hätte heute keinen Platz mehr in der SPD. Er würde als Rechtspopulist und Ausländerfeind niedergebrüllt werden.
Ob die SPD noch merkt, dass die Partei des kleinen Mannes sich immer mehr zur Partei einer arroganten Elite mausert? Ich fürchte nein.
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Willi Haentjes
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