Die Botschaft der Straße für Frauen heißt heute: „Du bist nicht sicher“
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Es ist ein Video, das mir nicht aus dem Kopf geht: Ein Mann schlendert scheinbar unbeschwert durch eine U-Bahn-Station im Südwesten Berlins Richtung Ausgang. Soeben hat er in einem Waggon eine Frau sexuell belästigt und vergewaltigt.
Warum ich das erzähle: Ich finde, dieses Video versinnbildlicht den Grund für die tief sitzende Besorgnis und Angst, die ich und viele andere Frauen in Deutschland seit langem verspüren. Dieses Ereignis ist kein Einzelfall, sondern ein Fall von vielen.
Frauen in Deutschland verlieren den öffentlichen Raum
Der öffentliche Raum ist nicht mehr sicher für uns Frauen. Abends ins Kino gehen, in der U-Bahn fahren oder abends ins Sportstudio – immer häufiger werden wir Frauen belästigt. Wir werden von Fremden angesprochen, die wir nicht kennen und auch nicht kennenlernen wollen.

Immer mehr Frauen sind in öffentlichen Verkehrsmitteln Belästigungen ausgesetzt und fühlen sich deshalb nicht mehr sicher.
Ich überlege mir oft zwei Mal, ob es nicht besser wäre, an einem Samstagabend zu Hause zu bleiben. Wenn ich ausgehe, denke ich schon vorher, wie ich danach sicher nach Hause komme. Öffentliche Verkehrsmittel lösen bei mir Unbehagen aus; selbst bei Fahrten mit Uber kann man sich nicht immer sicher fühlen, weil manche Fahrer aggressiv sind oder nach meiner Nummer fragen.
Manchmal überlege ich, was der Grund ist, dass ich in meinem Alltag belästigt werde. Ich denke, in einigen Kulturen ist die untergeordnete Stellung der Frau und ihre Unterdrückung Normalität. Wenn Frauen immer wieder im öffentlichen Raum angegriffen, belästigt und misshandelt werden, verinnerlichen sie die Botschaft, dass dieser „Raum“ nicht für sie bestimmt sei. Das Wort „bestimmt“ habe ich hier nicht zufällig gewählt, sondern weil der Frau unter diesen Umständen ihr Selbstbestimmungsrecht verweigert wird: wo sie sein will, was sie macht, was sie anzieht und was sie sagt. Und genau das passiert auf deutschen Straßen. Deshalb melden sich Frauen nach dem Ausgehen bei Freundinnen, wenn Sie wieder zu Hause sind; sie wechseln die Straßenseite oder überlegen genau, was sie anziehen – Verhaltensweisen, die in Deutschland vor zehn Jahren noch Ausnahme waren. Diese Veränderungen sind tiefgreifend und prägen auch mich.
Anpassung an die Angst: Neue Verhaltensregeln für Frauen
Die Angst hat mich verändert: Ich verzichte darauf, abends öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Zwar gibt es Personal, das Fahrkarten kontrolliert, jedoch fehlt es an zuständigen Sicherheitskräften. Überwachungskameras bieten einer Frau im Moment eines Übergriffs keinen Schutz. Selbst wenn ich tagsüber mit der U-Bahn fahre, überlege ich vorher, was ich trage, damit ich nicht belästigt werde. Trotzdem werde ich oft von Fremden angesprochen, ein „Nein“ wird dabei selten respektiert. Es kam vor, dass ich die U-Bahn verlassen und nach einem Taxi gesucht habe.
Ich gehe nur noch tagsüber laufen und meide abends öffentliche Parks sowie schlecht beleuchtete Orte. Ich kann es konkret sagen: Vor zehn Jahren habe ich mir nichts dabei gedacht, einen Rock zu tragen. Das ist heute anders.

Nachts allein zu Fuß nach Hause? Für immer mehr Frauen undenkbar.
Hier meine ganz persönliche Strategie, um mich im öffentlichen Raum sicher zu bewegen:
- Bleiben Sie abends auf der Straße in der Nähe anderer Menschen
- Bitten Sie Familie oder Freunde, Sie abends abzuholen
- Erhöhen Sie das Tempo oder wechseln Sie die Straßenseite, wenn jemand hinter Ihnen herläuft
- Nutzen Sie möglichst keine öffentlichen Verkehrsmittel am Abend
- Joggen oder Yoga – nur noch bei Tageslicht
- Meiden Sie schlecht beleuchtete Orte in den Abendstunden
- Behalten Sie Ihr Getränkeglas im Auge (damit Ihnen niemand etwas reinschüttet)
Was ist mein Fazit, wenn ich daran denke, was gerade auf deutschen Straßen passiert: Wir bewegen uns langsam, aber sicher auf eine Gesellschaft zu, deren Werte nicht mehr unsere eigenen sind, sondern sich jenen annähern, die von Zuwanderern zu uns gebracht wurden – Systeme und Weltbilder, in denen Frauen sich unsichtbar machen müssen oder als Eigentum betrachtet werden.
Eine stille Epidemie: die Angst vor Gewalt
Eine stille Epidemie breitet sich aus – nicht eine von Krankheitserregern verursachte, sondern eine Epidemie der Angst vor Gewalt. Diese Angst ist allgegenwärtig und beeinflusst das tägliche Leben vieler Frauen in Deutschland. Sie führt zu neuen Verhaltensregeln und Strategien, um sich im öffentlichen Raum sicher zu bewegen. Frauen ziehen sich zurück oder leben in ständiger Furcht. Das ist ein Zustand, der in einer Demokratie undenkbar sein sollte.
In einer funktionierenden Demokratie sollen die Grundrechte wie Selbstbestimmung, Schutz und Sicherheit unantastbar sein. Sie bilden das Fundament für ein freies und selbstbestimmtes Leben aller Bürger. Doch wenn Frauen sich in ihrem Alltag unsicher fühlen, wenn sie ihre Bewegungsfreiheit einschränken müssen und ständig Angst vor Übergriffen haben müssen, dann ist dieses Fundament erschüttert.
Sicherheit darf kein Luxus sein. Sicherheit ist Menschenrecht.
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Tanya Bekker
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