„Die Leute haben wieder mehr Geld im Portemonnaie“, sagt Kanzler Scholz. Fragen Sie mal im Supermarkt …
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Bundeskanzler Scholz wollte mal was Gutes sagen, etwas, das die Menschen erfreut in schwierigen Zeiten. Und da kam der Satz, über den jetzt alle reden – aber gar nicht positiv. Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf X: „Die Leute haben wieder mehr Geld im Portemonnaie. Die Inflation sinkt, die Reallöhne steigen das fünfte Quartal in Folge.“
Bei NIUS Live wurde dieser Satz und die Folgen heiß diskutiert. „Heiß“ deshalb, weil den Menschen kaum etwas so unter den Nägeln brennt wie die Frage, was zum Leben und zum Einkaufen bleibt in diesen schwierigen Zeiten. Unser Politikchef Ralf Schuler sagte zum Scholz-Satz: „Das ist gezielte Propaganda. Wenn die Inflation sinkt, heißt das nicht, dass die Preise sinken, sie steigen nur langsamer.“ NIUS-Kolumnistin Birgit Kelle fragte sich: „Ich weiß nicht, wann Scholz das letzte Mal einkaufen war.“
Die Frage ist berechtigt, fanden viele unserer NIUS Live-Zuhörer. Denn zwischen 2021 und 2024 sind die Preise für Grundnahrungsmittel deutlich gestiegen. Das weiß jeder, der mal zu Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co geht – und das tun eigentlich alle Deutschen. Beispiele: Quark ist 61 Prozent teurer geworden, Olivenöl 103 Prozent. Zucker wurde 75 Prozent teurer. Jetzt sollen auch Milch und Butter teurer werden.
In jedem Supermarkt, bei jedem Discounter gibt es Stände oder besondere Flächen, um die sich die Kunden scharen. Es sind die Sonderangebote. Dort werden meist Ladenhüter angeboten, die sonst nicht verkauft werden: seltene Käsesorten, die kaum einer kennt (Cheddar aus Schottland lässt grüßen). Der Preisnachlass lässt jetzt viele deutsche Bürger zu Schotten werden. Fast abgelaufene Waren liegen dort und so weiter und so weiter. Sie wissen bestimmt, wovon ich rede, liebe Leser. Sie sind ja nicht der Bundeskanzler.

Für viele Bürger wird der Wocheneinkauf zum Drahtseilakt: Angebote und Schnäppchenjagd sind seit der Teuerung die zwei besten Freunde der Arbeiterklasse.
Wie knapp das bezahlbare Leben aktuell ist, beschreibt unsere Userin nicolettaArmyGirl (jedem sein Pseudonym): „Ich zahle die Hälfte meines Gehaltes an Miete, da habe ich noch kein Essen, Strom, kein Handy bezahlt. Ich brauche keine drei Kinder, um jeden Monat am Rande der Existenz zu stehen, trotz Vollzeitjob in der Altenpflege.“
Der NIUS Live-Hörer Johannbronold537 schreibt über einen anderen Aspekt – den aus Sicht eines Landwirtes: „Ich frage mich nur, wer an diesen Preissteigerungen verdient? Bei den Bauern hier bleibt nichts hängen. Getreidepreise so tief wie schon lange nicht mehr. Dazu kommt dann noch gewollte Flächenstilllegung und Düngeverordnung …“
Und eine Rentnerin meldet sich so zu Wort: „Ein Stück Kuchen kostet 5,60 Euro im Café im Supermarkt, wo bleibt die Lebensqualität für den Rentner. Ich fühle mich als Frau, die 46 Jahre gearbeitet hat, betrogen. So kann es nicht weiter gehen …“
Ein anderer User schreibt: „Den Nichtarbeitenden geht es besser als den Arbeitenden. Sie erhalten noch viele Zusatzleistungen, von denen niemand spricht – zum Beispiel 49-Euro-Ticket, GEZ, Klassenfahrtunterstützung für die Kinder …“
Fazit: Kein Satz des Bundeskanzlers hat so viel Aufsehen erregt wie dieser kurze Beschwichtigungssatz: „Die Leute haben wieder mehr im Portemonnaie“. Es gibt zwei Gründe, warum dieser Satz so viele Menschen beschäftigt: Er kommt vom Bundeskanzler. Aber vor allem: Jeder weiß, dass dieser Satz nicht stimmt.
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Louis Hagen
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