Die „Vogue“ will Frauen einreden, dass es peinlich ist, einen Freund zu haben – warum das ein feministischer Irrweg ist
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Adina AdlerHeterosexuelle Partnerschaften werden in den sozialen Medien in jüngster Zeit häufig grundsätzlich infrage gestellt. Junge Frauen diskutieren, ob es überhaupt noch zu ihnen passt, einen Freund zu haben. Das Singlesein beschere die ultimative Freiheit, von der man sich mit einem Freund jedoch automatisch verabschieden müsste.
Auslöser der Debatte ist ein Artikel der Autorin Chanté Joseph in der Vogue. Sie stellt die These auf, dass es heutzutage als peinlich gilt, einen Freund zu haben.
Und führt dafür einige Beispiele auf. Ein Post, in dem auch der Partner abgebildet sei, habe schon einen subtilen Beigeschmack, ist Chanté Joseph der Meinung. Frauen würden ihrer Beobachtung nach Bilder veröffentlichen, auf denen sie das Gesicht des Partners verdecken. Die Autorin beschreibt, dass sogar am Hochzeitstag Fotos gepostet würden, auf denen das Gesicht des Bräutigams unkenntlich gemacht wird – professionell bearbeitete Videos lassen den Mann praktisch aus allen Aufnahmen verschwinden. „Schämen sich Frauen für ihre Partner?“, fragt also Joseph. Um dann den Schluss zu ziehen, dass es sowohl alleinstehenden als auch liierten Frauen „ein schlechtes Gewissen bereitet, mit einem Mann zusammen zu sein“.

Auch auf Instagram beleuchet Chanté Joseph das Thema.
Frauen als „kulturelle Verlierer“ einer Partnerschaft
Die Autorin geht noch weiter: Frauen würden zwar die sozialen Vorteile einer Beziehung genießen, gleichzeitig aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken wollen, quasi besessen von ihrem Freund zu sein, um nicht als „kulturelle Verlierer“ dazustehen. Die Dominanz innerhalb der Beziehung müsse darum bei der Frau liegen, so ihre Conclusio.
Chanté Joseph zitiert als Beleg noch aus dem Podcast The Delusional Diaries: „Partner sind out. Einen Freund zu haben, schadet in der Regel der Ausstrahlung einer Frau.“ Galt ein Mann im Leben einer Frau früher als Bereicherung und als Bestandteil des normalen Laufs des Lebens, schadet es in der heutigen Zeit der emanzipierten Frau – so meinen es offenbar die von Joseph zitierten Feministinnen. Es dürfte nicht länger der Fall sein, dass Frauen, die keinen Partner haben, unter dem gesellschaftlichen Druck stehen, sich zu rechtfertigen, sondern umgekehrt eben diejenigen, die es auch in der heutigen Zeit noch wagen, eine heterosexuelle Beziehung zu führen – so die Botschaft der Vogue-Autorin.

Frauen als „kulturelle Verlierer“ einer Partnerschaft? Bei Romeo und Julia gab es keine Gewinner.
Nein, das ist kein Ausdruck von Feminismus!
Meine Botschaft ist eine andere: Ein dunkles, gar schlechtes Bild einer heteronormativen Partnerschaft zu kreieren, ist alles, aber ganz bestimmt kein Ausdruck eines gesunden Feminismus. Es ist bloß der Versuch, geltende Normalität infrage zu stellen und Frauen nur eines zu bescheren: ein schlechtes Gewissen, eine ganz normale Partnerschaft zu führen. Von der Frau wird Dominanz und Überlegenheit in der Partnerschaft gefordert, in der sie sich womöglich gar nicht einfinden will.
Aus einem einfachen Online-Post mit dem Partner eine Abhängigkeit oder gar eine Identität zu destillieren, die sich lediglich auf den Freund bezieht, ist absurd.
Weiblichkeit sei zu lange in klassischen heteronormativen Beziehungsmustern definiert und die Weiblichkeit erst mit einem Mann vervollständigt worden, so die Argumentation heutiger Feministinnen. Doch nicht jede Frau ist gleich „besessen“ von ihrem Freund, wenn sie ein Bild mit ihm im Netz postet. Und nicht jede Handlung einer Frau in einer Partnerschaft sollte als Besessenheit gewertet werden.
Die absolute Unabhängigkeit – weg von heterosexuellen Beziehungen – ist in meiner Auffassung lediglich ein Konstrukt, das nur wenige Frauen anspricht. Die vom linken Mainstream so häufig kritisierte Männlichkeit ist genau das, was viele Frauen von ihrem Partner erwarten: Ein Mann, der ein Mann ist. Und nicht ein Mann, der sich die Fingernägel lackiert und der Frau ihre Weiblichkeit quasi abnimmt, um sie selbst zu annektieren.
Die einfache Wahrheit sieht doch so aus: Viele Frauen wünschen sich eine Beziehung auf Augenhöhe, eine Beziehung, die sowohl der Frau als auch dem Mann eine wunderschöne Ergänzung beschert. Weiblichkeit bedeutet doch nicht, dass Frauen keinen Mann mehr wollen – oder er gar in ihrem Leben überflüssig wird. Der heutige Feminismus erlegt der Frau jedoch genau das auf. In linken urbanen Milieus mag dies gut ankommen, doch es findet keinen Konsens in der breiten Masse.
Feminismus sollte den Mann der Frau nicht unterordnen. Er sollte Männern und Frauen eine gleichwertige und gleichberechtigte Beziehung ermöglichen, mehr nicht. Die Kritik an der Heterosexualität beschert der Frau keine zusätzlichen Freiheiten. Sie drängt die unabhängige Frau in eine Rolle, ihre Partnerschaft zu überdenken, und setzt die Frau dadurch auf eine neue Weise gesellschaftlich unter Druck. Feministisch ist das nicht.
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Adina Adler
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