„Diese Energiewende bringt uns um“
Ein Beitrag von
Julian ReicheltBevor wir zu Bundeskanzler Friedrich Merz kommen, müssen wir uns einmal der Partei der kleinen Leute und der sozialen Gerechtigkeit widmen, der SPD. Derzeit ist Wahlkampf in Baden-Württemberg – und dieser Wahlkampf offenbart eine Szene, wie ich persönlich sie noch nie in der deutschen Politik gesehen habe. Wir rühmen uns bei „Achtung, Reichelt!“ zu Recht, der größte Gegner politischer Scheinheiligkeit zu sein, und diese Szene ist so ziemlich das Scheinheiligste, was ich in der Politik jemals gesehen habe.
Also: SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch besucht die Tafel in Brühl, in der Heimat von Steffi Graf, spricht dort mit Bedürftigen, mit Menschen, die kein Geld mehr für Essen haben. Unmittelbar im Anschluss schickt der feine Herr Sozialdemokrat dann seinen Chauffeur über die nahe Grenze nach Frankreich, um ihm leckere Entenpastete, frisches Baguette und gute Wurstwaren zu kaufen. Das glauben Sie nicht? Hier ist der Videobeweis:
Das ist die Partei der kleinen Leute, die uns regiert. Und damit zur zweiten Regierungspartei: Der ehrlichste Moment auf dem CDU-Parteitag kam, als Generalsekretär Carsten Linnemann den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil zum Bundeskanzler ausrief.
Hier ist diese bemerkenswerte Szene:
Wir haben es mit einem SPD-Kanzler zu tun, Lars Klingbeil ...
Man weiß nicht einmal genau, ob es sich dabei um einen Versprecher handelt oder um einen versteckten Hilferuf, ein geheimes Zeichen an die Partei wie bei einer Geiselnahme. Sollte es Letzteres gewesen sein, so verhallte der Hilferuf ungehört. Niemand im Saal blickte auch nur verwundert auf, nicht einmal Bundeskanzler Friedrich Merz:
Die Kapitulation der CDU
Es ist genau ein Jahr her, dass die CDU die Bundestagswahl gewann. In nur einem Jahr von „Links ist vorbei“ zu „Bundeskanzler Lars Klingbeil“ auf dem CDU-Parteitag, ohne dass Friedrich Merz seinem wichtigsten Konservativen überhaupt noch zuhört – das ist die linke Kapitulation der CDU.
Die aktuelle Folge „Achtung, Reichelt!“ sehen Sie hier:
Nun könnte man Linnemanns Worte für einen simplen Ausrutscher halten, aber sie sind symptomatisch. Inzwischen schreibt nahezu die komplette deutsche Medienlandschaft, was wir hier bei NIUS seit Monaten für Sie analysieren: Von Friedrich Merz in seiner linken Gefangenschaft ist kein großes Reformwerk, keine Politikwende mehr zu erwarten, nur Kleinmut, getarnt hinter ein bisschen Merz-Gedröhne.

Friedrich Merz in der SPD-Zange
Dabei weiß Friedrich Merz ganz genau, in welcher dramatischen Lage das Land sich befindet, allein, ihm fehlt die Kraft, etwas daran zu ändern. Auch die Wirtschaftsverbände, die tapferen Unternehmer, die Industrie haben es verstanden, dass da nichts mehr kommen wird, allein, ihnen fehlt der Mut zum Aufstand, weil man ihnen erfolgreich eingeredet hat, dass jedes harte Wort gegen Merz ein Wort für die AfD und für Weimarer Verhältnisse ist.
Das Parteidenken hält sogar die Parteilosen noch in ihrem Untergang in Schach.
Der CDU-Parteitag hat wieder einmal bewiesen, dass dieses Land stets auf einen von zwei schicksalhaften Zufällen der Geschichte angewiesen ist.
- Entweder stehen Machterhalt und die Interessen Deutschlands in einem wundersamen Einklang oder
- der Bundeskanzler stellt die Interessen des Landes über den Machterhalt – so war es zuletzt bei Gerhard Schröder, der sich gegen die eigene Partei stellte, um die große linke Umverteilung zurückzuschneiden und die aberwitzige Verkrustung von Bürokratie und Besitzständen zu zerschlagen.

Gerhard Schröder stellte die Interessen des Landes über seinen Machterhalt.
Derzeit aber steht der blanke Machterhalt des Apparats gegen die Interessen des Landes. Friedrich Merz würde nichts wagen, was den ungewählten SPD-Kanzler Lars Klingbeil gegen ihn aufbringen könnte. Der CDU-Parteitag war eine einzige Jubelfeier der Partei und ein Hochamt der Hoffnungslosigkeit für den Rest des Landes. Merz selbst verkündete auf dem Parteitag sogar hoch offiziell, dass er sich wohl auf ewig an die SPD ketten würde:
Ohne Energie ist alles nichts
Es war Friedrich Merz selbst, der vor wenigen Tagen den Tod der deutschen Wirtschaft prophezeite. Die Energiepolitik, die sogenannte Energiewende, bringe das Land um, so Merz:
Die sogenannte Energiewende, die nichts als hässliche Windmühlen, Verarmung, Niedergang und Deindustrialisierung über Deutschland gebracht hat, von uns allen finanziert mit 500 Milliarden Euro, ist das absolute Herzstück deutscher Industrie- und Wirtschaftspolitik. Ohne Energie ist alles nichts. Mit Energiewende wird aus allem nichts. Die sogenannte Energiewende senkt den deutschen CO2-Ausstoß, indem sie Industrie zerstört. Es sind gesprengte und zuwuchernde Schornsteine, abgebaute und nach China verschiffte Industrieanlagen, die Deutschland auf dem grünen Untergangskurs halten.
Diese Ideologie ist längst aus der Grünen Partei in SPD und Teile der CDU hineingewuchert. Friedrich Merz gibt offen zu, dass diese Politik uns umbringt, aber bei all seinen schneidigen Worten fehlt ihm der Schneid der Tat. Manche Politiker schöpfen Kraft daraus, das Richtige zu tun, egal wie überwältigend und bedrohlich es erscheint. Andere verzagen und wagen kaum das Kleinstmögliche und Bedeutungslose – das ist leider Friedrich Merz.
Wenn man erkennt, dass eine Politik das Land umbringt, so wie Merz selbst es formuliert, dann gibt es darauf nur eine denkbare patriotische und verantwortungsvolle Antwort: Man erklärt diese schädliche, tödliche Politik für komplett beendet.
Man reformiert sie nicht ein wenig, man steuert nicht hier und da ein wenig nach, man bringt nicht nichts „auf den Weg“, dieser schreckliche Apparatschikbegriff aus dem sozialdemokratischen Wortbaukasten, sondern man reißt ein, man zertrümmert, man zerschlägt, macht kaputt, was uns kaputt macht. Die Energiewende gehört auf den Schrotthaufen der Geschichte, denn sie ist nichts anderes als der grün lackierte Sozialismus. Niemand auf der Welt macht uns das nach. Das letzte noch verbliebene Argument für die Energiewende lautet, dass sie schon funktionieren wird, wenn man nur noch mehr davon macht. Mehr von dem tun, was nicht funktioniert – dieses Argument existiert ausschließlich im Sozialismus. Es war verheerend falsch, diese sogenannte Energiewende überhaupt zu beginnen. Es wäre skrupellos und kriminell, sie noch weiterzuführen, wenn man doch erkannt hat, dass sie unsere Wirtschaft umbringt.
Zerstörerische Energiewende
Wie zerstörerisch dieser fanatische Wahn namens Energiewende ist, zeigt ein Bericht in der Zeit, also ausgerechnet in der Hauspost des grünen Milieus.
Die Überschrift dieses Artikels über die Gas-Knappheit lautet: „Jetzt hilft nur noch warmes Wetter.“ Im Artikel heißt es über einen Experten für den Gasmarkt, der nicht genannt werden will: „Der Fachmann, der wie kein anderer den deutschen Gasmarkt kennt, will nicht zitiert oder irgendwie erkannt werden. Und er gilt auch nicht als Panikmacher. Aber er sagt: Alle in der Branche beten jetzt für warmes Wetter.“
Die gesamte Geschichte der Menschheit ist davon geprägt, Unabhängigkeit von den Launen der Natur zu erlangen. Erst kam das Feuer, dann kamen die Dampfschiffe, dann die Atomkraftwerke. Wohlstand und Sicherheit kann es nur geben, wenn der Mensch nicht angewiesen ist auf die Launen der Natur, das haben unsere Vorfahren über Tausende Jahre verstanden. Ihr Kampf war immer die Emanzipation von Wind und Sonne. Eigentlich blicken wir heute mit belustigter, Karl-May-hafter Faszination auf die Völker, deren Schamanen für das Wetter gebetet haben. Auf Regenmacher, die mit Federn, Tänzen, Gesang und Rauch die Götter anflehten. Den Himmel um wirtschaftlichen Reichtum und genug zu essen anzuflehen, hat sich in der Geschichte der Menschheit nicht als durchgängiges Erfolgsrezept erwiesen. Nun stellt sich heraus: Die grüne Ideologie hat uns Deutsche des 21. Jahrhunderts zu einem Schamanenvolk gemacht, zu Naturgläubigen, die die Zukunft ihrer Kinder in die Hände der Wettergötter legen, statt den mühsam erforschten Naturgesetzen der Physik zu folgen.
Unter dem Jubel der öffentlich-rechtlichen Erziehungsmedien wurde diese Woche übrigens wieder ein Kraftwerk gesprengt:
Was so erstaunlich ist: Jeder im Land weiß ja eigentlich, dass es gefährlich ist, unser Schicksal dem Glauben an die Wettergötter zu übereignen – und doch regt sich erstaunlich wenig Widerstand. Man sollte meinen, dass man bei Bosch und VW in nicht allzu ferner Zukunft nicht morgens aufs Fabrikdach steigen und den Finger in die Luft recken will, um festzustellen, ob genug Wind für die Tagesproduktion da ist – aber auch im Niedergang herrscht in Deutschland weitestgehend schweigender Gehorsam. Wenn die USA planen, jedes Jahr 100 Gigawatt Kraftwerksleistung zuzubauen, und China im Jahr 2025 rund fünfzig neue Kohlekraftwerke eröffnet hat, während wir in Deutschland Kohlekraftwerke sprengen, dann könnten einem Zweifel kommen, aber es bleibt erstaunlich still.
Merz sucht sein Heil im Ausland
Der deutsche Bundeskanzler sucht unterdessen sein Heil im Ausland. Noch Anfang des Jahres ließ er sein Team verbreiten, er wolle nicht mehr der Außenkanzler sein, sondern sich vor allem um die Wirtschaft kümmern. Doch auch da hat Merz innerhalb weniger Wochen – mal wieder – eine Wende hingelegt. Nun lautet die Parole: Je mehr Merz weg ist, desto besser für Deutschland:
Was hier geschehen ist, versteht jeder, der einmal mit der U-Bahn durchs Berliner Regierungsviertel gefahren ist: Für einen kurzen Moment war es den Beratern und Spin-Doktoren gelungen, den Bundeskanzler davon zu überzeugen, dass er sich endlich sichtbar und spürbar um Deutschland kümmern muss. Das war Anfang des Jahres. Doch dann gelang mal wieder rein gar nichts, Merz wurde zunehmend frustriert und wies seine Leute schließlich an, dem verdammten Volk jetzt endlich zu erklären, dass man Politik für Ulm und Erfurt eben am besten in Neu-Delhi macht. Carsten Linnemann merkt man körperlich an, dass er kein Wort davon glaubt, aber der Kanzler will es halt so. Natürlich ist Wirtschaftspolitik im Ausland auch nicht ganz unwichtig. Aber sie wird eben vollkommen wirkungslos bleiben, solange uns zuhause die Energiewende umbringt, wie Friedrich Merz sagt.
Merz verfällt in das typische Benehmen frustrierter Herrscher: Er möchte, dass dem Volk endlich wichtig ist, was ihm wichtig ist. Dass die Bürger endlich zu schätzen wissen, was er selbst für bemerkenswert hält.
Er will den Deutschen einreden, dass ein Außenkanzler, der durch die Welt fliegt, das Beste ist, was uns allen passieren konnte, auch wenn wir es noch nicht so richtig begreifen wollen. Friedrich Merz liebt die Außenpolitik einfach zu sehr, um sich häufiger um Deutschland zu kümmern.
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Julian Reichelt
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