Dieser Krieg ist auch unser Krieg: Warum Deutschland sich am Iran-Krieg beteiligen sollte
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Markus BrandstetterWenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, stimmt’s? Falsch. Nicht, wenn das Ergebnis Häme und Schadenfreude darstellt. Und schon gar nicht, wenn es bei dem Streit um Weltpolitik, geopolitische Strategie, jahrzehntelangen Massenmord, internationalen Terrorismus und ganz nebenbei um die Energieversorgung der Welt geht. Wenn zwei sich darum streiten, dann kann ein Dritter sich nicht freuen.
Wir sind nicht der lachende Dritte
Wenn also die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran führen, dann kann Deutschland nicht der lachende Dritte sein, der sich aus allem raushält und abwartet, was da passiert. Dieser Krieg im Iran ist auch unser Krieg. In diesem Krieg werden unsere Werte, unsere Zivilisation und unsere Vorstellung von Staat und Gesellschaft verteidigt. In diesem Krieg wird der einzige demokratische Rechtsstaat im Nahen Osten ebenso verteidigt wie die Energieversorgung der Welt. Und in diesem Krieg geht es darum, ob ein Regime, das seit Jahrzehnten den Terror im ganzen Nahen Osten finanziert, die Vernichtung Israels durch Hamas und Hisbollah betreibt und nebenbei auch noch den Libanon zerstört, irgendwann in den Besitz von Atomwaffen gelangt.
Verteidigt wird also nicht nur ein Land, sondern die Stabilität einer ganzen Region. Beendet werden soll ein System, das seit mehr als vier Jahrzehnten Gewalt exportiert, Milizen ausrüstet und den Nahen Osten in einen permanenten Krisenraum verwandelt. Befreit werden sollen 90 Millionen Iraner, die unter dieser unheiligen Allianz aus Priesterherrschaft und Militärdiktatur ein unfreies, elendes, würdeloses Leben auf Drittweltniveau führen müssen, das ihren Talenten und Begabungen nicht entspricht.

Anhänger der vom Iran protegierten libanesischen Terrorgruppe Hisbollah
Das ist ein gerechter und richtiger Krieg
Der Sturz dieses Unrechtsregimes ist also für Menschen, Land und Region, ja für die ganze Welt ein Segen. Deshalb führen die USA unter Präsident Donald Trump auch einen gerechten und richtigen Krieg.
Der wurde allerdings übereilt und nicht bis ins letzte Detail durchdacht von den Amerikanern vom Zaun gebrochen. Das wird man Trump ankreiden müssen, auch wenn sein Handeln keineswegs unverständlich ist. Ganz offensichtlich trunken vom ersten so erfolgreichen Bombenschlag auf die iranischen Atomanlagen im Juli 2025 und der erstaunlich reibungslosen Gefangennahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro im Januar 2026 ist das Trio aus Präsident Donald Trump, Kriegsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio offenbar davon ausgegangen, dass eine blitzschnelle Unterwerfung des Iran wahrscheinlich und ohne größere Verwerfungen der Weltwirtschaft möglich ist.

Trumps Geopolitik-Minister: Außenminister Marco Rubio (rechts) und Kriegsminister Pete Hegseth
Dieser Krieg wird nicht schnell vorbei sein
Das war, so viel ist jetzt schon klar, ein Irrtum. Der Iran ist nicht in kurzer Zeit zu besiegen, da die diktatorischen Mullahs und ihre Prätorianergarden im vollen Bewusstsein, dass es jetzt um Leib und Leben geht, bis zum Ende kämpfen werden, auch wenn sie dabei das Land in Schutt und Asche legen. Obwohl der Iran inzwischen weder eine nennenswerte Luftwaffe noch eine schlagkräftige Marine besitzt und die tatsächliche Kampfkraft der iranischen Bodenstreitkräfte zweifelhaft ist, verfügt das Land nach wie vor über genügend Raketen und Drohnen, um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zum Erliegen zu bringen. Da ein Viertel der Erdöl- und Erdgastransporte der Welt diese Meerenge passieren, werden die Preise für Energie mindestens bis zum Ende des Krieges steigen. Dies befeuert die Inflation und erhöht weltweit die Kosten energieintensiver Industrien wie Chemie, Stahl und Zement massiv, was wiederum zu einem wenigstens vorübergehenden Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung und Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt führen wird – auch in Deutschland.
Israel und die USA werden diesen Krieg gewinnen
Aber ganz egal, wie lange der Konflikt dauern wird: Israel und die USA werden ihn gewinnen. Das steht so sicher fest wie die Niederlage des „Dritten Reiches“ in dem Moment, als das NS-Regime den Amerikanern im Dezember 1941 den Krieg erklärte. Im Iran sind die Anzeichen dafür längst da. Das sieht man zum einen an der enormen Menge der von Amerikanern und Israelis getroffenen Ziele – die Rede ist von weit über tausend Angriffen am Tag, einer Schlagkraft, die selbst die Anfangstage des Irakkriegs 2003, die unter dem Schlagwort „Shock and Awe“ bekannt wurden, deutlich übertrifft. Das sieht man auch an dem Fakt, dass die israelische Luftwaffe mühelos die Lufthoheit über dem Iran errungen hat und selbst die hochrangigsten Mitglieder des Regimes tief in ihren Bunkern fast schon nach Belieben ausschalten kann.
Aber der Krieg wird länger dauern, als von Trump und vom CENTCOM (dem US-Regionalkommando für den Nahen Osten) angenommen, und er wird auch kein Spaziergang werden, wie die Verladung des Ehepaars Maduro in einen MH-60M Black Hawk-Hubschrauber eine war. Deshalb brauchen Amerikaner und Israelis Unterstützung – von den europäischen NATO-Mitgliedern und ganz besonders von uns. Von Deutschland.
Nochmal: Israel und die USA werden diesen Krieg im Iran gewinnen – mit oder ohne deutsche Unterstützung. Aber aktive Unterstützung, beispielsweise durch die Entsendung einer modernen Fregatte – dazu komme ich gleich – würde der ganzen Welt zeigen, dass wir Deutschen die Amerikaner nicht immer allein die Drecksarbeit machen lassen. Eine Drecksarbeit, die sie seit dem Zweiten Weltkrieg ganz selbstverständlich und ohne viel Getue immer für uns erledigen. Das lässt sich an einem Beispiel schlüssig zeigen: der deutschen Wiedervereinigung.
Die USA haben die deutsche Wiedervereinigung ermöglicht
Wir Deutschen brauchen uns nichts vormachen: Die deutsche Wiedervereinigung hat nicht stattgefunden, weil wir das so wollten und jahrzehntelang Politiker im Westen oder gar im Osten energisch darauf hingearbeitet hätten. Weder im Osten noch im Westen hat bis Oktober 1989 eine Mehrheit an eine Wiedervereinigung überhaupt geglaubt, geschweige denn sie binnen der nächsten fünfzig Jahre auch nur für möglich gehalten. Die alles entscheidende Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung war der Fall der Sowjetunion und der daraus resultierende Zusammenbruch des Ostblocks. Und dieser wurde durch die amerikanische Rüstungspolitik, mit der das Sowjetsystem irgendwann nicht mehr mithalten konnte, und das starke, kompromisslose Auftreten von Präsident Ronald Reagan (1981–1989) ausgelöst. Reagan, der größte amerikanische Präsident seit dem zweiten Roosevelt, war der Einzige, der (in einer Rede am 8. März 1983 in Florida) den Mut hatte, die Sowjetunion und ihre Satelliten als „Evil Empire“, also als Reich des Bösen, zu brandmarken und daraus die Konsequenz zog, dass die sowjetischen Systeme vom Erdboden verschwinden und ihre Menschen wieder frei werden müssten. Es gibt nicht einen deutschen Politiker von Rang, der das geglaubt, geschweige denn laut gesagt hätte.

US-Präsident Ronald Reagan
Wir schulden den Amerikanern Solidarität
Das ist ein Grund, warum wir den Amerikanern Solidarität schulden: weil sie den größten Glücksfall der deutschen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg vorbereitet und ermöglicht haben. Ein zweiter wäre, dass wir Deutschen uns – ebenso wie der Rest der NATO – seit Jahrzehnten im kühlen Schatten des amerikanischen Atomwaffenschirms angenehm sicher fühlen konnten, ohne viel dafür tun zu müssen. Ein dritter Grund schließlich wäre, dass die Amerikaner, die Israelis und wir in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systemen leben, die einander sehr ähnlich sind und auf Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufbauen – und nicht auf einem theokratischen Despotismus und einem Strafrecht aus der Steinzeit, das durch eine frühmittelalterliche Religion legitimiert wird.
Nun hat Trump in dieser Woche seine europäischen NATO-Partner, insbesondere aber Großbritannien, Frankreich und Deutschland, gebeten, die USA im Iran mit der Entsendung von Minenräumern zu unterstützen. Und was haben die NATO-Partner geantwortet? Sie haben durch die Bank abgelehnt. Verteidigungsminister Boris Pistorius lehnte jede Unterstützung der USA mit der knappen Aussage ab: „Deutschland ist nicht Kriegspartei. Die deutsche Bundeswehr wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen.“
Der ewig schwankende und zaudernde Merz
Unerwartet deutlich wurde auch der sonst ewig schwankende, zaudernde und zögernde Friedrich Merz, der einmal im Leben genau wusste, was er nicht wollte, nämlich sich an diesem Krieg zu beteiligen. Es gebe weder ein Mandat der NATO noch der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen, wie Deutschland es wegen seines Grundgesetzes doch brauche, ließ er verlauten. Und überhaupt: „Die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel haben uns vor diesem Krieg auch nicht konsultiert.“ Die Reaktion des Kanzlers ist also eine für ihn typische Mischung aus legalistischem Kleinmut und beleidigter Attitüde.

Der zaudernde und zögernde Friedrich Merz (CDU)
Kleinmut und beleidigtes Gehabe
Mit diesem eingeschnappten Gehabe macht man keine Weltpolitik. Der ewige Verweis auf das Kleingedruckte im Vertragsrecht ist keine Grundlage für historische Entscheidungen. Diese permanente und seit Jahrzehnten anhaltende Mischung aus ausweichenden Unverbindlichkeiten, die im Endeffekt nichts anderes als Feigheit ist, wird der Rolle und der Bedeutung Deutschlands in der großen Politik nicht mehr gerecht. Wenn wir auf der großen Bühne mitreden wollen, dann müssen wir auch mitmachen, wagen, riskieren und uns committen. Selbst der betulichen ARD ist aufgefallen, dass Merz zu Beginn seiner Amtszeit Führung versprochen hatte, von der heute aber nicht mehr viel zu merken ist.
Und so viel war ja gar nicht verlangt. Trump hatte von den europäischen NATO-Staaten lediglich die Entsendung von „mine sweepers“, also Minenräumbooten, zur Sicherung der Seewege erwartet – nicht mehr. Es war keine Rede von „boots on the ground“, also Bodentruppen, die die Amerikaner bei einem zukünftigen Einmarsch im Iran – der kommen muss, denn ein solch großes Land kann man nicht aus der Luft erobern – unterstützen sollten.
So könnte der deutsche Einsatz aussehen
Da Kanzler und Verteidigungsminister jeder Fantasie und jeder Wille abgeht, sich im inzwischen dritten Golfkrieg zu engagieren, skizziere ich kurz, wie ein solches Eingreifen Deutschlands aussehen könnte.
Das größte Problem im Iran-Krieg in Bezug auf die Weltwirtschaft und die Sicherheit der Golfstaaten ist die Straße von Hormus, die von iranischen Drohnen und Raketen bedroht wird, was die Schifffahrt durch diese enorm wichtige Passage zum Erliegen gebracht hat. Die einst große und mächtige Armee des Irans ist auf der strategischen Ebene nicht mehr handlungsfähig, aber sie kann taktisch in begrenztem Rahmen mit Raketen und Drohnen immer noch agieren und Ziele in einem Radius von 1.000 km nach wie vor mit tödlicher Präzision treffen.
Die Fregatte Hessen (F 221) im Roten Meer
Um genau solche Angriffe abzuwehren, verfügt die Bundesmarine über drei hochmoderne Fregatten, die sich für einen Einsatz im Roten Meer bestens eignen würden. Die Rede ist von den drei Fregatten der Sachsen-Klasse und hier wiederum von der Hessen. Die FGS Hessen (F221) ist aktuell das einsatzerfahrenste und modernste verfügbare Luftverteidigungsschiff der Bundesmarine – mit realer Gefechtserfahrung im Roten Meer.
Der Grund ist einfach: Die Hessen ist darauf spezialisiert, genau die Bedrohung zu bekämpfen, die vom Iran ausgeht – nämlich Angriffe aus der Luft. Sie kann anfliegende Drohnen und Raketen früh erkennen, verfolgen und mit verschiedenen Abwehrsystemen auf unterschiedlichen Entfernungen bekämpfen. Während andere Schiffe hier schnell an ihre Grenzen stoßen, ist die Hessen dafür gebaut, einen Schutzschirm für ganze Verbände zu bilden und Angriffe aus der Luft systematisch abzufangen (APAR-Mehrfunktionsradar und SMART-L-Langstreckenradar zur Zielerfassung über mehrere hundert Kilometer, vertikale Startanlagen mit SM-2-Langstreckenraketen und ESSM-Abfangraketen, RAM-System zur Nahbereichsverteidigung gegen Drohnen und Marschflugkörper, vernetzte Feuerleitung für gleichzeitige Bekämpfung mehrerer Ziele). Die Hessen ist also kein Angriffsinstrument, sondern ein schwimmendes Luftverteidigungssystem, das dort wirkt, wo es im Ernstfall entscheidend ist – beim Schutz von Schifffahrtsrouten, Energieversorgung und militärischen Einheiten.

Die FGS Hessen (F221)
Die Hessen würde sich in den amerikanischen Verband nahtlos einfügen
Im Roten Meer operiert derzeit die Gerald R. Ford Carrier Strike Group der US Navy. Zu ihr gehören der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, die Zerstörer USS Winston S. Churchill, USS Bainbridge und USS Mahan sowie das komplette zugehörige Geschwader mit Kampfjets, Frühwarnflugzeugen und Bordhubschraubern. In diesen Verband könnte sich die Hessen nahtlos einfügen und darin wichtige Aufgaben übernehmen, indem sie die drei amerikanischen Zerstörer unterstützt. Diese Schiffe sind in ihrer Rolle und ihren Fähigkeiten der Hessen durchaus vergleichbar, insbesondere im Bereich der Luftverteidigung und der Sicherung von Flottenverbänden – allerdings als breiter aufgestellte Mehrzweckplattformen, während die Hessen ihre besondere Stärke in der hochspezialisierten Verbandsluftverteidigung einbringt.

Flugzeugträger USS Gerald R. Ford
Wir müssen wieder Kampf und Krieg können
Mit dem richtigen politischen Willen und den entsprechenden Befehlen könnte die Hessen nach zwei Wochen Vorbereitung in Richtung auf das Rote Meer auslaufen, wo sie nach zehn bis vierzehn Tagen eintreffen würde. Das heißt: Ab Ende April könnte eine hochmoderne deutsche Fregatte, die einen sinnvollen Beitrag zur Abwehr iranischer Drohnen und Raketen leisten könnte, die Amerikaner im Roten Meer unterstützen.
Das wäre weder ein Himmelfahrtskommando noch eine Angriffsmission – die Hessen hätte einen rein defensiven Auftrag. Aber sie würde der US Navy, Donald Trump und der Welt beweisen, dass die Deutschen inzwischen auch wieder Kampf und Krieg können – wenn beides gut, gerecht und sinnvoll ist. Und dieser Krieg ist gut, gerecht und sinnvoll.
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