Flaggen-Ebbe am 3. Oktober: Warum schämen sich die Mächtigen für unsere Farben?
Wovor schämen sich die Deutschen?
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Deutschland, einig Kater-Land! Deutschland hat den Tag der deutschen Einheit gefeiert, seinen Nationalfeiertag, den ich die ersten 24 Jahre meines Lebens in der DDR nicht für möglich gehalten hätte.
Deutschland einig Vaterland, und beim Festakt in Hamburg begrüßt uns ein Logo, das aus bunten Kugeln besteht als habe ein neuer Eis-Laden eröffnet. Schwarz, rot, gold, orange, blau. Wer kennt sie nicht, die Farben unserer Flagge.

Bundeskanzler Olaf Scholz vor dem Kugel-Logo bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Hamburg.
„Horizonte öffnen“, ist das Motto in Hamburg. Eine Nation feiert nicht sich, sondern irgendwas in der Ferne. Dieses unwahrscheinliche Glück, nach all dem Unrecht und den Kriegen, den schweren Füßen der Besatzer, die auf dem verlorenen Restland aus guten Gründen standen, wieder in Einheit frei zu sein – es schlägt sich nicht in angemessenem Überschwange nieder. Statt dessen ein kugeliges Halbrundspiel, bei dem die einzige schwarz-rot-goldene Farbfolge im oberen Teil des Logos falsch herum ist und im unteren Teil doppelt schwarz gebrochen wird.
Raffinierte Designer werden sich etwas dabei gedacht haben. Hofft man zumindest.
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Doch weder im steifen Hamburger Festsaal, noch draußen im Land ertrinkt Deutschland am Tag seiner Einheit in einem patriotischen Fahnen-Meer. Während der Festreden gibt es in der Hamburger Elbphilharmonie exakt eine Flagge im Saal.
Die Zahl der Notausgangs-Schilder dürfte ungleich höher gewesen sein. Warum wird am Nationalfeiertag nicht Flagge gezeigt? Warum schämen sich die Mächtigen für unsere Farben?

Für kurze Zeit stand eine Deutschland-Flagge im Saal der Hamburger Elbphilharmonie. Eingerahmt von der Europa-und der Hamburg-Flagge. Während des Konzerts musste sie weichen.
Man fühlt sich unwillkürlich an den Wahlabend 2013 erinnert, als die Union sagenhafte 41,5 Prozent holte und Kanzlerin Angela Merkel ihrem treuen Gefolgsmann Hermann Gröhe (CDU) bei der Wahlparty im Adenauer-Haus das Deutschland-Fähnchen aus der Hand riss und an den Rand warf. Nur keinen nationalen Überschwang!

Angela Merkel wirkt fast angewidert, als sie Hermann Gröhe die Deutschland-Flagge am Wahlabend 2013 aus der Hand nimmt.
Dieses Mal meldete sich Merkel mit dem ersten TV-Interview seit dem Amtsende zu Wort und erklärte ihre Biografie in der DDR zum prägenden Kern auch ihres politischen Lebens. Das hätte man gern genauer gewusst, erfuhr aber vor allem, dass sie die AfD für nicht akzeptabel halte und deren Wähler nicht versteht.
Das Land, das der Hauptmigrations-Magnet ist in Europa, das Sehnsuchtsland, das Menschen zu lebensgefährlichen Fahrten über das Mittelmeer treibt und Milliarden für deren Unterbringung und Alimentierung aufbringt, feiert verdruckst sich selbst und seine Stärke. Das Land, dass dem Rest der Welt die „feministische Außenpolitik“ schenken und die CO2-neutrale Transformation zum weltweiten Rollen-Modell und Aufschwung-Motor machen will, schämt sich im Innern seiner selbst, will keine fahnenschwingende Nation sein und freut sich über Bürger, die den freien Tag zum Autowaschen und Schneiden der Rasenkanten nutzen. Letzteres leise, bitte. Es ist immerhin Feiertag!

Eine einzige Deutschland-Flagge weht auf dem Rathausmarkt in Hamburg, wo in diesem Jahr die Feierlichkeiten ausgerichtet wurden.
Während die Regenbogen-Flagge zum „Stolz-Monat“ das ganze Land einhüllt, die Berliner Zentrale des Bundesverbandes der Deutschen Industrie fassadenfüllend bunt färbt, auf Ministerien, vor Polizeiwachen und sogar den Gerichtsgebäuden der blinden Justizia weht, ist es am 3. Oktober ausgerechnet Trans-Künstler Olivia Jones (Oliver Knöbel) mit schwarz-rot-goldenem Banner in der Perücke und dem Spruch „Make Einheit sexy again“, der diesen Tag feiert und sich sichtbar zu eigen macht.

Von Kopf bis Fuß in Deutschland-Farben gehüllt: Olivia Jones feierte den Tag der Deutschen Einheit mit Freude.
Die Festmeile zum Tag der Deutschen Einheit in Hamburg kommt quasi ohne Deutschland-Flaggen aus.

Die Festmeile am Hamburger Jungfernstieg - von Deutschland-Flaggen keine Spur.
Was stimmt nicht mit den Deutschen? Eine Frage, die man wohl Therapeuten stellen muss. Gut möglich, dass Wohlstand als einigendes Band in all den Jahren nach dem Krieg keine nationale Zusammengehörigkeit ersetzt. Womöglich sind Einigkeit und Recht und Freiheit nicht genug, um in Zeiten von Massen-Migration, Krieg und autoritär vorgetragenem Klimaschutz des „Glückes Unterpfand“ zu sein.
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Ralf Schuler
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