Grandiose Sportübertragungen am Wochenende: Goethe lebt – er war beim Dressurreiten
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Sport ist die schönste Nebensache der Welt, heißt es. Nach diesem Wochenende weiß ich: Der Spruch ist Unsinn. Sport ist die schönste Hauptsache der Welt.
Wir wurden in Paris Zeugen von zwei großartigen Ereignissen, die verschiedener nicht sein könnten. Dressurreiten im Park von Versailles und das Tennisfinale in Roland Garros. Gold und Silber für Deutschland – fantastische Vorführungen von Jessica von Bredow-Werndl auf ihrer Trakehner Stute Dalera und Isabell Werth mit ihrer Stute Wendy. Eine Jahrhundert-Kulisse, dieser wunderbaren Sportart angemessen.

Versailles: eine olympische Kulisse wie aus dem Bilderbuch.
Dazu geleitete den Zuschauer der Kommentator Carsten Sostmeier durch den Parcours, als würde er selbst im Sattel sitzen: klug, würdevoll, sprachgewaltig. Man könnte sagen: Goethe lebt. Er war beim Dressurreiten.
„Du hast ihn vor dir, den Arc de Triomphe der goldenen Emotionen“
Ein paar Kostproben von Sostmeier – alle live und ohne Manuskript: „Es macht einen fast schon sprachlos. Es ist ein absoluter Genuss. Sie liefern eine solche Perfektion. Und Dalera, so kommt es einem vor, schenkt ihre Beine der Reiterin zum gemeinsamen Tanz.“ Oder: „Ich habe das Gefühl, im Gesicht der Stute ein Lächeln zu erkennen, was förmlich die Sonne ins Dressur-Viereck zaubert.“ Oder: „Du hast ihn vor dir, den Arc de Triomphe der goldenen Emotionen“. Über Vielseitigkeitsreiter Michael Jung: „Wie das Lichtspiel einer Kerze, welches sich in einer sanften Brise hin- und herbewegt“. Oder auch: „Freunde! Chapeau, Chapeau, Chapeau! Boah, was für eine Tour d´Honneur der Emotionen, die förmlich in unsere Herzen galoppiert“.

Sostmeier: „Und Dalera, so kommt es einem vor, schenkt ihre Beine der Reiterin zum gemeinsamen Tanz“
Manchmal haucht er solche Sätze ins Mikrofon, manchmal überschlägt sich seine Stimme, sie bricht, sie stockt, sie flüstert. Er hat alle Emotionen drauf. Und er überträgt sie auf den Fernsehzuschauer. Er bedient das, was Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben: Sport beglückt die Menschen seit Jahrtausenden. Im Gehirn, sagen Neurologen, löse er die gleichen Mechanismen aus wie die Liebe. Selbst dann, wenn wir nur vor dem Fernseher sitzen.
Olympisches Gold für Djokovic
Das zweite überragende Sportereignis dieses Wochenende, so empfand ich es: das Tennisfinale zwischen Novak Djokovic und Carlos Alcaraz. Djokovic hat im fünften Anlauf olympisches Gold gewonnen – der letzte große Einzeltitel, der ihm noch fehlte. Nach seinem Sieg bahnte er sich mit der serbischen Fahne in der Hand den Weg zu seiner Familie. Die Tränen liefen ihm übers Gesicht, sein ganzer Körper zitterte. Als er endlich die Box seiner Liebsten erreicht hatte, drückte er Tochter Tara ganz fest an sich. Das Foto ging um Welt.

Novak Djokovic und seine Tochter Tara
Im Hexenkessel von Roland Garros triumphierte er vor 15.000 Zuschauern nach zeitweise faszinierenden 2:50 Stunden 7:6 (7:3), 7:6 (7:2) gegen seinen 16 Jahre jüngeren Rivalen und krönte sich zum ältesten Einzel-Champion seit dem Olympia-Comeback des Tennissports 1988. „Ich habe mein Herz, meine Seele, meinen Körper, meine Familie, einfach alles gegeben, um dieses olympische Gold zu holen. Jetzt ist es mir endlich gelungen – mit 37 Jahren.“
Kann Sport schöner sein?
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Louis Hagen
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