Hört auf, den Begriff „Remigration“ zu verwenden!
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Der Begriff „Remigration“ ist zum Unwort des Jahres gekürt worden. Zu Recht? NIUS Redakteurin Judith Sevinç Basad findet, dieser Begriff gehört tatsächlich ausgemustert und erläutert in ihrem folgenden Kommentar, warum. Redakteur Felix Perrefort dagegen spricht sich für die Verwendung des Unworts aus. Lesen Sie hier seinen Pro-Kommentar: Sagt ruhig „Remigration“. Der Begriff bedeutet, was wir daraus machen.
Hier der Kontra-Kommentar:
Seit Menschengedenken streiten wir uns darüber, wo die Grenze des Sagbaren verläuft. Harmlose Wörter können positiv oder negativ konnotiert werden, je nachdem welche politische Gruppe sie verwendet und wer im gesellschaftlichen Diskurs das Sagen hat.
Die Gruppe, die heute das Sagen hat, besteht hauptsächlich aus Aktivisten, die sich wahlweise in den Redaktionen von ARD und ZDF oder der Jury des „Unwort des Jahres“ niedergelassen hat. Seit einigen Jahren geben sie die Richtung vor, wohin die veröffentlichte Moral in den Mainstream-Medien steuert. Dabei haben vor allem linke Gemüter häufig nur eines im Sinn: Die Grenze des Sagbaren soll durch haltlose Rassismusvorwürfe nach links verschoben werden, um Macht zu demonstrieren. Einzelne Wörter werden zum „Jargon der Rechten“ erklärt, zur geheimen „Dogwhistle“, mit der eigentlich nur Rechtsextreme kommunizieren. Häufig sind diese Unterstellungen absurd.
Das sieht man etwa an den Wörtern „Gutmensch“, „Lügenpresse“ und „Facharbeiter“ oder „Genderideologie“ oder „Gendergaga“, die angeblich ein Zeichen einer rechtsextremen Zugehörigkeit markieren sollen. Wer sie verwendet, so heißt es, ist vor allem eines: „rechts“, „rechtsextrem“ oder gleich „ein Nazi“. Wie erfolgreich das linke Framing funktioniert, sieht man an dem Begriff „rechts“: Es ist heute unmöglich geworden, sich selbstbewusst als „rechts“ zu bezeichnen, obwohl Konservative und Liberale die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.

Ein Anhänger der „Identitären Bewegung“
Nochmal: In jeder Demokratie herrscht ein Kulturkampf über die Grenze des Sagbaren, den heute vor allem Konservative jeden Tag aufs Neue kämpfen sollte. Manche Begriffe müssen einfach „reclaimt“, sie müssen von der willkürlichen Zensurfreude einiger Medien-Aktivisten zurückerobert werden.
Manchmal gibt es aber Begriffe, bei denen Linke oder Rechte den Kulturkampf bereits verloren haben. Das beste Beispiel ist das Hakenkreuz. Niemand würde das Nazi-Symbol heute noch in seiner ursprünglichen Bedeutung verwenden, weil es komplett von den brutalsten Massenmördern unserer Geschichte vereinnahmt wurde. Das Gleiche trifft auf das Wort „Neger“, „Zigeuner“ – oder eben auf das Wort „Remigration“ zu.
Die Diskurshoheit über dieses Wort haben die Konservativen bei diesem Begriff nicht einmal verloren, weil er von ihnen nie, dafür aber umso häufiger von Rechtsextremen verwendet wurde. Der Begriff Remigration erlebte seine Hochphase in den 10er Jahren, als sich die „Neue Rechte“ in Deutschland gründete. Figuren wie Götz Kubitscheck führten eine neue Bewegung von jungen Leuten an, die intellektuell daherkamen und auf den ersten Blick wenig mit dem grobschlächtigen NPDler oder Neonazi gemein hatte, der gegen Juden und Ausländer hetzt.

Die Rechte hat sich von Springerstiefeln und Glatze verabschiedet.
Im Kern sind die Inhalte aber gleichgeblieben: Die „Neue Rechte“ fürchtet sich davor, dass das deutsche, weiße Arier-Blut durch einen Bevölkerungsaustausch verunreinigt werden könnte. Deswegen fordern sie das Gleiche, was die Glatzen aus den 90ern forderten, die Flüchtlingsheime anzündeten: Wer kein deutsches Blut hat, soll raus aus Deutschland, soll abgeschoben werden, egal ob er einen deutschen Pass oder eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Dieses rassistische Fantasma lief bei diesen Leuten unter dem Wort „Remigration“.
Dazu gesellte sich der Euphemismus „Ethnopluralismus“, der den vermeintlich guten Willen dieser neuen Bewegung zum Ausdruck bringen sollte: Man wolle die anderen Kulturen und Völker nicht einmal abwerten, erklärten die Mitglieder der Identitären Bewegung immer wieder stolz. Sie sollten gleichwertig nebeneinander existieren. Nur durchmischen sollten sie sich eben nicht.
Um es kurz zu machen: Man kann den Impuls von Konservativen verstehen, den Begriff „Remigration“, dessen Nazi-Framing in der linken Medien-Schickeria gerade auf Hochtouren läuft, als Synonym für eine rechtlich legitime Abschiebung von Flüchtlingen (oder: „Geflüchteten“) zu sehen. Und man kann verstehen, dass vor allem Konservativen langsam der Kragen platzt, weil sie permanent als Nazi diffamiert werden, nur weil sie Fakten benennen. Und natürlich ist es legitim, die Abschiebung von Flüchtlingen zu fordern, die gesetzlich festgeschrieben ist.
Die Wahrheit ist aber: Der Begriff Remigration bedeutet das, was er – nach jahrelanger Vereinnahmung von sinistren Gestalten wie Götz Kubitschek – nun mal bedeutet: keine legitimen Abschiebungen, sondern eine Zwangsdeportation von Menschen, denen man qua Herkunft, Kultur und Hautfarbe minderwertige Gene zuschreibt. So einen Begriff sollten wir wirklich nicht verwenden.
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