Ist „Free Palestine“ wirklich das neue „Heil Hitler“?!
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Vergleiche mit dem Nationalsozialismus sorgen in Deutschland immer wieder für Diskussionen. Jetzt sorgt das Zitat eines jüdischen Rappers für Aufruhr bei genau den Leuten, die sonst die NS-Verbrechen mit allem und jedem gleichsetzen.
Was ist passiert?
Springer-Chef Mathias Döpfner traf in seinem Podcast bei Welt auf den jüdischen Deutschrapper Ben Salomo (bürgerlich: Jonathan Kalmanovich). Die Themenpalette so aktuell wie auch spannend: Israel-Hamas-Krieg, Antisemitismus und auch der neue Song von Salomo „Kämpf allein“.
In diesem Song finden sich etwa die Zeilen:
Deutsches Geld pflanzt alten Hass in Kleinkinder
Und Free Palestine ist das neue … Ich sag’s lieber nicht
Der Gruß der Nationalsozialisten wird hier zwar ausgelassen, durch den vorherigen Vokal-Reim aber eindeutig impliziert.
Ganz gleich, wie man diesen Vergleich bewertet, sollte man sich überlegen, ob man einen Juden, der in Zeiten von explodierendem islamistischen und linken Antisemitismus, darüber belehren sollte, wie er seine Gegner, die ihm den Tod wünschen, miteinander vergleicht. Zumal hier zwei Arten des verbündeten eliminatorischen Antisemitismus miteinander in Verbindung gebracht werden.
Sind solche Vergleiche ethisch vertretbar?
Für die Kognitionswissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel gehen solche Vergleiche in Ordnung, sofern die nötige Menge an Parallelen gegeben ist: „Relevant bei der Bewertung von NS-Vergleichen ist, ob es ein Tertium Comparationis als konzeptuellen Bezugspunkt gibt, als gemeinsame Schnittstelle, welche den Vergleich legitimiert, und welche Vergleichsgrößen in Analogie gesetzt werden. Wie groß ist die Gemeinsamkeit von ‚X und Y? Je größer das Tertium Comparationis, desto nachvollziehbarer die Analogie.“

Ben Salomo setzt sich seit Jahren gegen Antisemitismus ein.
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Deshalb hält Salomo diese Analogie für legitim und valide. Weil dieser Slogan als Aufruf zur Vernichtung dient, so wie „Heil Hitler“ oder „Sieg heil“ – auch ohne das Wort Juden zu benutzen. Letztlich ist es ein Ausruf einer Ideologie, die zum Mord an Juden führt. Die Chefs dieser Ideologie haben auch kein Geheimnis darüber gemacht, was ihr Ziel ist – weder die Hamas noch die PLO oder Fatah. Es geht um die Vernichtung Israels und die Juden sollen ins Meer getrieben werden.
Der Zivilisationsbruch der Hamas am 7. Oktober zeigt, was „Free Palestine“ bedeutet. Das Pogrom-Potenzial ist da und eine erschlagende Mehrheit der Palästinenser würde den 7. Oktober so lange wiederholen, bis das imaginierte Palästina „judenrein“ ist.
Ben Salomo – Kämpf Allein:
Ausgerechnet diese Leute regen sich darüber auf
Eine Sache ist es, in dieser Äußerung eine angebliche Relativierung der NS-Verbrechen zu sehen – die andere ist es, andauernd selbst alle als Nazis zu beschimpfen und zu relativieren und dann in Schnappatmung zu geraten, wenn ein Jude seine Feinde vergleicht.
Zum Beispiel warf der Autor und Soziologe Oliver Nachtwey der Welt vor, den Nationalsozialismus zu verharmlosen, vergaß aber offenbar, dass er das vor zwei Wochen selbst noch getan hat. Er verglich die NSDAP mit der AfD, während Salomos Vergleich des Free-Palestine-Ausrufs einen eliminatorischen Antisemitismus mit einem anderen in Verbindung brachte.

Auch der „Botschafter Palästinas“ Laith Arafeh wirft Salomo eine Verharmlosung vor, vergleicht aber den Kampf Israels gegen den Terrorismus mit dem Zweiten Weltkrieg. Der Vergleich wäre durchaus angebracht, würde Laith die Israelis in der Rolle der Alliierten betrachten.

Linke Antisemiten sehen überall Nazis, außer bei den Leuten, die tatsächlich Juden umbringen wollen. Hamas-Versteher vergleichen Israel am laufenden Band mit dem Dritten Reich, aber werden wütend, sobald man eliminatorischen Antisemitismus vergleicht.

Immer wieder vergleichen Islamisten Israel mit dem Dritten Reich.
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Historisch gesehen ist Salomos Vergleich korrekt
Die Kooperation zwischen dem Großmufti von Jerusalem und Adolf Hitler ist kein Geheimnis, Neonazis bejubelten den Angriff der Hamas auf Israel.
Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich eine kontroverse Beziehung zwischen den Nationalsozialisten und dem palästinensischen Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini. Im November 1941 traf Amin al-Husseini Adolf Hitler in Berlin. Während dieses Treffens äußerte er seine Sympathie für die nationalsozialistische Ideologie und erklärte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Kampf gegen gemeinsame Feinde, darunter die Briten, die Juden und die Sowjets.

Der Mufti schlug Hitler vor den Genozid an den Juden auch auf den Nahen Osten auszuweiten.
Al-Husseini war aktiv an der Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda in der arabischen Welt beteiligt. Er verbreitete anti-jüdische und anti-alliierte Botschaften und leitete Radioprogramme, die die Ideologie der Nazis unterstützten. Der Mufti unterstützte die Rekrutierung von muslimischen Einheiten wie der Waffen-SS-Division „Handschar“, die an der Seite der Achsenmächte kämpfte. Diese Einheiten wurden von al-Husseini als muslimische Brigaden dargestellt. Al-Husseini wurde von den Nazis über die Pläne des Holocaust informiert und unterstützte diese.
Nicht zu vergessen ist auch die Kooperation zwischen deutschen Neonazis und den Terroristen des „Schwarzen Septembers“, die im Zuge des Anschlags bei den Olympischen Spielen 1972, 11 Israelis ermordeten. Die Neonazis halfen den Palästinensern und diese forderten die Freilassung von kommunistischen RAF-Terroristen. Eine klassische Querfront, die man auch bei der jährlichen antisemitschen Al-Quds-Demo antreffen konnte: Nazis, Kommunisten und Islamisten vereint im Hass auf Juden – auf einer Demo protegiert vom iranischen Mullah-Regime.
2019 nahmen unter anderem der rechtsextreme NPD-Funktionär Uwe Meenen, Anhänger des maoistischen Jugendwiderstands und der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) sowie Anhänger der Gelbwesten-Bewegung an der Demo teil:
Fazit: Der Vergleich zwischen „Heil Hitler“ und „Free Palestine“ bietet sich ohne Frage an. Der eliminatorische Judenhass vereint beide Parolen und am 7. Oktober sah man deutlich, was „Free Palestine“ für viele bedeutet.
Wer sich für die Befreiung der Palästinenser einsetzt, sollte lieber auf die Losung „Free Palestine from Hamas“ umsteigen, um eine demokratische Verwaltung der Palästinensergebiete zu fordern.
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