KaDeWe macht immer mehr Abteilungen dicht: Stirbt wieder ein starkes Stück Deutschland?
Ein Beitrag von
Der Name dieses Kaufhauses hat einen besonderen Klang: KaDeWe – Kaufhaus des Westens. Es ist wirklich so, wie es heißt – ein Kaufhaus des Westens, als Deutschland und Europa noch geteilt waren. Das Symbol von Luxus und Freiheit. Als die Mauer gefallen war, strömten Millionen DDR-Deutsche in das Einkaufsparadies am Berliner Wittenbergplatz.
Allerdings: Erst vor wenigen Tagen hat das KaDeWe seine legendäre Wurst- und Fleischtheke in der Feinschmecker-Etage im sechsten Stock geschlossen, ohne jemanden davor darüber zu informieren, auch nicht die Mitarbeiter.
Jetzt stehen offenbar die nächsten Bereiche vor dem Aus, wie die Berliner Morgenpost berichtet. So sollen die „Budweiser Bar“ und der „Wurstkessel“, beides beliebte gastronomische Einrichtungen im KaDeWe, dicht gemacht werden. Die Schließungen sind Teil einer größeren Umstrukturierung, die von den neuen KaDeWe-Eigentümern vorgenommen werden, heißt es. Die thailändische Central-Gruppe hatte das Kaufhaus komplett übernommen, nachdem der bisherige Besitzer Signa Insolvenz angemeldet hatte. Modernisierungen und Umgestaltungen seien unbedingt notwendig, Angebote wie die „Budweiser Bar“ und der „Wurstkessel“ seien nicht mehr zeitgemäß.

Das KaDeWe an der Berliner Tauentzienstraße: Dank mehrerer geschlossenen Abteilungen schon jetzt nicht mehr, was es einst war.
Sind Luxus-Warenhäuser einfach „nicht mehr zeitgemäß“?
Als Berliner wünsche ich dem KaDeWe alles erdenklich Gute: zu groß, zu schön, zu traditionsreich ist diese Institution, als dass sie einen schleichenden Tod verdient hätte. Allerdings: Formulierungen wie „nicht mehr zeitgemäß“ lassen mich skeptisch werden. Wenn man so will – das KaDeWe war nie „zeitgemäß“, deswegen war (und ist) es ja so schön.
Die Frage ist, ob Warenhäuser überhaupt noch zeitgemäß sind – gerade hat der deutsche Ableger des Luxus-Kaufhauses Lafayette in der Friedrichstraße dicht gemacht. „Kieken, nicht koofen“, war die Devise der meisten Berliner beim Lafayette gewesen: ein gläserner Luxustempel mit Marmor, dicken Teppichen, wunderbaren französischen Spezialitäten – und zu wenig Umsatz. Und nun also das KaDeWe.
Ein Stück Berliner Geschichte
Es wurde 1907 gegründet – und war vom ersten Tag an ein Riesenerfolg. Mode und andere Waren vom Feinsten – die hatten die Deutschen bis dahin gar nicht gekannt. Exotische Früchte, Mieder aus Paris. Eingerahmt von prächtigen Fensterpassagen über lichtdurchfluteten Verkaufshallen – fast zwei Dutzend Aufzüge brachten die Kunden sekundenschnell überallhin in die sechs Stockwerke – dazu Rolltreppen in jeder Etage. Der Hertie-Konzern, der das KaDeWe in den Zwanzigerjahren übernommen hatte, wurde 1933 von den Nazis enteignet. Krieg, Zerstörung, Wiederaufbau: 1956 wurde das KaDeWe in alter Pracht neu eröffnet. An einem einzigen Tag strömten bis zu 200.000 Menschen durch das Kaufhaus – Rekord!

Jahrzehntelang standen das KaDeWe und sein Gastrobetrieb in den obersten Etagen für Luxus und Exklusivität im alten Westen der Hauptstadt.
Verzeihen Sie mir, liebe Leser, dass ich ein bisschen ins Schwärmen komme, wenn ich über das KaDeWe schreibe. Es ist ein Stück Berliner Geschichte, ein Stück deutscher Geschichte. Und eben auch ein bisschen meine eigene. Als Zwölfjähriger hetzte mich meine Mutter durch die Schuhabteilung, was mich zu Tode langweilte. Es war die Damen-Schuhabteilung, versteht sich. Ich wollte nur raus, Fußball spielen. Oder wenigstens in die Sport-Etage. Natürlich war es auch für mich ein Ort der Sehnsucht: alles da, das meiste teuer. Gucken durfte ich, kaufen nicht.
Nun wird also das KaDeWe 100 Prozent thailändisch. Niemand weiß, ob das Schließen der Fleisch- und Wurstabteilung was mit veränderter Weltanschauung zu tun hat. Nicht undenkbar. Vielleicht sind die neuen Eigentümer Vegetarier. Niemand weiß auch, wer oder was als Nächstes dran ist.
Berlin ohne KaDeWe – irgendwie undenkbar. Und traurig wäre es auch.
Mehr NIUS:
Mord an Henry Nowak: Diese Tat steht für staatlich unterstützten Hass auf Weiße
Zwischen Tränen und Schuldgefühlen: Das seltsame Frauenbild der Grünen
Bewiesen: Zu wenig Schlaf macht alt – zu viel aber auch!
Fettig, deftig, ehrlich: Der Taxiteller ist zurück!
Wolfgang Kubicki muss das Strack-Zimmermann-Lager aus der FDP vertreiben
Robert und der Wolf: Habeck jetzt offiziell Märchenerzähler
Abgewählt und trotzdem gefeiert: Plant Robert Habeck ein Politik-Comeback?
Ex-Ferrari-Boss Montezemolo entlarvt das traurige Schicksal europäischer Automobilkunst
Mehr NIUS:
Fettig, deftig, ehrlich: Der Taxiteller ist zurück!
Wolfgang Kubicki muss das Strack-Zimmermann-Lager aus der FDP vertreiben
Robert und der Wolf: Habeck jetzt offiziell Märchenerzähler
Abgewählt und trotzdem gefeiert: Plant Robert Habeck ein Politik-Comeback?
Ex-Ferrari-Boss Montezemolo entlarvt das traurige Schicksal europäischer Automobilkunst
„Was ist schlimmer – Bärbel Bas oder die Tagesschau?“: Heiko Wasser, der Unerschrockene
Warum die AfD jetzt über 30 Prozent geht
Bärbel Bas und das „Einheitsbraun“: Wie eine „rechte Verschwörungstheorie“ zur offiziellen Regierungslinie wurde
Louis Hagen
Artikel teilen
Kommentare