Kling, Karl Marx und das Känguru: Wie ein Bestsellerautor die Jugend beeinflusst
Ein Beitrag von
Melanie GrünDeutsche Jugendliche lieben seine Bücher, sein Vermögen wird auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag geschätzt, in den sozialen Medien folgen ihm mehr als eine halbe Million Menschen. Trotzdem gibt Bestseller-Autor Marc-Uwe Kling gern den Gerechtigkeitskrieger und linken Umverteiler.
Zusammen mit weiteren Promis wie Klimaaktivistin Luisa Neubauer, Sarah Bosetti und Nico Semsrott wirkt er seit Anfang März beim Format „Fun Facts“ mit, das nicht so spaßig ist, wie es klingt. Morgen erscheint der fünfte Band seiner Reihe: „Die Känguru-Rebellion“. Zeit, einen Blick auf den 44-Jährigen und sein Schaffen zu werfen.
Der Erfolg von Marc-Uwe Kling ist möglicherweise nicht nur auf sein Werk zurückzuführen, sondern auch auf seine Wirkung auf Millionen Heranwachsender: Denn der Autor tritt immer öfter als lautstarker, linker Agitator in Erscheinung.
Vom Studienabbrecher zum Bestseller-Autor
Aber nochmal von vorn: Kling, 1982 geboren, Kindheit im Schwäbischen, abgebrochenes Studium der Philosophie- und Theaterwissenschaften, Umzug nach Berlin, hätte die perfekte Biografie für einen Linken-Politiker gehabt. Stattdessen wurde er linker Autor. Seine Frau Maria (sie tragen einen gemeinsamen Nachnamen) ist ebenfalls Schriftstellerin. Kling hat 12-jährige Zwillingstöchter, die mit ihm zusammen ein Buch verfasst haben. Sein Werk ist riesig: Mit Mitte 40 hat Kling nicht nur die Känguru-Bände verfasst (zwei davon wurden verfilmt), sondern auch Bücher wie „Qualityland“ und „Views“, die in manchen Gymnasien als Schullektüre unterrichtet werden. Dazu kommen Kinderbücher wie „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputtgemacht hat“.
Extrem produktiv, extrem erfolgreich und offenbar extrem links – das ist der Mann, der immensen Einfluss auf Millionen deutscher Teenager hat.
Kreuzberger Kampf gegen Big Tech
Kling lebt dem Vernehmen nach im Stadtteil Kreuzberg (wo er mitbekommen dürfte, wie brutal so ein buntes Berlin bisweilen ist) und spielt in einer Band. Daneben nutzt er seine Social-Media-Accounts (böse: Zuckerberg und Musk!), um seine Wut auf Superreiche zum Ausdruck zu bringen. Auf Instagram folgen ihm rund 367.000 Menschen, auf Facebook rund 250.000, auch auf TikTok findet sich Kling-Content. Und hier wird der Autor zum Agitator, etwa, wenn er mit dem Co-Parteivorsitzenden der Linken, Jan van Aken, spricht, oder wenn es um ein AfD-Verbot geht (Kling ist natürlich dafür).
Ach ja, beim Großkonzern des superreichen Jeff Bezos verkauft er seine Bücher natürlich dennoch – von irgendwas muss man ja auch als Linker leben. Auf seinem Instagram-Profil steht: „Wenn Du keinen Bock mehr auf Big Tech hast, findest Du Marc-Uwe auch im Fediverse“, darunter ein Link zu seinem Mastodon-Account. Like, wer’s noch kennt. Aber ganz ohne Konzerne geht’s eben auch bei Klassenkämpfern nicht, wenn die Kasse klingeln soll.

Marc-Uwe Kling auf dem roten Teppich bei der Premiere von Die Känguru-Verschwörung im Zoo Palast Berlin.
Wohlhabender Wüterich
Vor wenigen Tagen hat Kling den Kasseler Literaturpreis bekommen. Auch Helge Schneider und Loriot wurden damit schon für ihre Sprachkunst und ihren Humor ausgezeichnet. Kling erschien in Jeans und mit Baskenmütze (Symbol des Widerstands und der Arbeiterklasse!), die er auch beim Handshake mit dem Oberbürgermeister und der Stiftungsratsvorsitzenden nicht absetzte. Die 10.000 Euro Preisgeld spendete er laut Hessenschau an „Lobbycontrol“. Auf deren Homepage wird unter anderem Stimmung gegen NIUS gemacht. „Ultrarechte Formate wie NIUS“ diskreditierten demnach zivilgesellschaftliche Organisationen als Teil eines vermeintlichen „Schattenstaats“, der angeblich gegen die Interessen der Allgemeinheit arbeite. So launig die Bücher oft daherkommen: Hinter jedem Witz staut sich offenbar Wut.
Karl Marx für die Jutetasche
Ob das Preisgeld dort gut aufgehoben ist? Vielleicht kann Kling sich noch daran erinnern, dass 10.000 Euro für die Arbeiterklasse richtig viel Geld sind. Zum Beispiel, um einen Dispokredit abzubezahlen oder endlich mal eine dringend benötigte Urlaubsreise zu buchen.
Aber die Welt in den Beuteltier-Bestsellern ist bemerkenswert unterkomplex: Es gibt Gut und Böse. Die Bösen sind, wie in der verfilmten „Känguru-Verschwörung“, Klimaleugner und Falschinformationen-Verbreiter. Und über die darf die linke Flaschenbier-Elite mit 8-Euro-Popcorn auf dem Schoß hemmungslos lachen. Gefährlich sind immer nur die anderen.
Morgen also ein neues Kling-Buch. Es handelt – logo – von Faschismus, Überreichtum, Klimakrise. Und natürlich von einem kommunistischen Känguru, dem haarigen Sidekick, das Schnapspralinen liebt, fiese Immobilienhaie bekämpft und gern Nirvana hört. Deren Sänger ist übrigens genauso tot wie viele linke Ideen.
Lesen Sie auch:
Correctiv ist auch mit dabei: Neues Agitprop-Format von Künstlern und Aktivisten entpuppt sich als Comedy aus der Hölle
Weitere Artikel zum Thema
Auf Nimmerwiedersehen, Georg Restle! Warum ich Deutschlands berüchtigtsten Haltungsjournalisten nicht vermissen werde
Dieser Krieg ist auch unser Krieg: Warum Deutschland sich am Iran-Krieg beteiligen sollte
Bojen, Brüste, Badehosen: Hurra, endlich wieder schöne Menschen bei „Baywatch“!
Nicht „gesichert rechtsextrem“, kein „Masterplan“: Wie zwei Gerichtsurteile die linke Macht zertrümmern
„Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ – warum Heino mit 87 immer noch Kult ist
Ex-VW-Vorstand Herbert Diess (2000 Euro Rente am Tag): „Die goldenen Jahre sind vorbei“
Mehr als eine halbe Million Kirchenaustritte: Bleiben Sie in der Kirche, auch wenn es manchmal schwer fällt!
Melanie Grün
Autor
Artikel teilen
Kommentare