Mein Musikgeschmack gilt als toxisch – Was nun?
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In der Welt der Musik und ihren zahlreichen Subkulturen taucht neuerdings ein Begriff auf, der für Stirnrunzeln sorgt: „Male Manipulator Music“ (MMM). In einfachen Worten: Musik, die von emotional manipulativen Männern gehört wird, auch um von Frauen dafür gemocht zu werden.
Dabei spielen vor allem Künstler eine Rolle, die sensibel und melancholisch auftreten – ganz vorne mit dabei: The Smiths und der Frontmann Morrissey. Männliche Fans der britischen Band sollen sich also vulnerabel zeigen, um die Gefühle von Frauen zu manipulieren. Sie stellen sich in Krisensituationen immer als Opfer dar und inszenieren sich als „unverstanden“.
Es ist ironisch, da Morrissey selbst mit seinen politischen Ansichten bereits als „gecancelled“ gilt. Trotzdem wird durch das Konzept von MMM suggeriert, dass die Fans dieser Band manipulativ seien und zum Teil die Bands nur „hören“, weil es gut bei Frauen ankommt.
Musikgeschmack sagt kaum was über die Person dahinter aus
Doch was ist, wenn man den Klang von Johnny Marrs Gitarre in Kombination mit Morrisseys Gesang wirklich mag? Muss man das jetzt verstecken, um nicht als „männlicher Manipulator“ abgestempelt zu werden?
NEIN!
Der Musikgeschmack macht einen nicht zum spezifischen Typ Mensch – die „Arctic Monkeys“ zu hören macht einen nicht zum manipulativen Arschloch, Rammstein zu hören nicht zum Sexisten und Herbert Grönemeyer in der Playlist macht einen nicht zum Gutmensch.
Musik ist ein hochgradig subjektives und persönliches Erlebnis, und die Reduktion auf ein solches Label, wie MMM, kann der Komplexität und Tiefe, die Musik bieten kann, nicht gerecht werden.
Männern wird von Progressiven vorgeworfen, sie setzen sich zu wenig mit ihren Gefühlen auseinander. Wenn sie es dann doch tun, in diesem Fall durch Musik, sind sie dennoch schuldig.
Egal wie, man macht es falsch ...
Ein klassisches Beispiel für „Male Manipulator Music“:
Drehen wir den Spieß mal um
Stellen wir uns eine Welt vor, in der Männer beginnen, ausschließlich Musik zu hören, die von Frauen verachtet wird, nur um einem Stereotyp zu entgehen. Ein solches Szenario wäre ebenso lächerlich wie das Konzept der „Male Manipulator Music“ selbst. Es würde die Musik auf ein primitives Signal reduzieren, welches als Mittel zur sozialen Markierung dient, anstatt sie als das zu schätzen, was sie ist: ein Ausdruck der menschlichen Seele und künstlerisches Produkt.
Außerdem würde der männliche Hörer aus einem „problematischen Genre“ in das andere rutschen. Von manipulativ, emotional zu pubertär und vielleicht sogar sexistisch.
Das Konzept von „Male Manipulator Music“ reiht sich hervorragend in die linke Logik des Schwarz-Weiß-Denkens ein – es gibt keine Graustufen. Alles lässt sich in Täter und Opfer, Unterdrücker und Unterdrückter, gut und böse einteilen. Wer die falsche Musik hört, zählt automatisch als böse beziehungsweise wird er so vorverurteilt.
Ein Beispiel für Musik, die (die meisten) Frauen eher abschreckt:
Ein Lied voller Sexismus und pubertärem Humor – frei von jeglicher Melancholie oder Reflexion. Jetzt kann einem keiner mehr vorwerfen, manipulativ zu sein.
Vorurteile sind menschlich, aber Schubladendenken hilft beim Daten nicht weiter
Jeder Mensch hat seine Vorurteile und das ist auch gut so. Sie basieren auf persönlichen Erfahrungen und bilden vorerst eine Leitplanke für den alltäglichen Wahnsinn. Doch eine normative Herangehensweise und Vorverurteilung von Fans, nur weil sie einen anderen Geschmack haben, hilft keinem weiter. Ein Vorurteil übernommen von wem anders ist keine persönliche Erfahrung – es ist eine ressentimentgeladene Kopie der Lebensrealität einer anderen Person.
Nur weil der Ex-Freund einer Frau ein manipulatives Arschloch war, der zu den Smiths tanzte, heißt es lange nicht, dass jeder Smiths-Fan so ist. Das Streuen dieses Stereotyps beeinflusst die Wahrnehmung ohne empirische Basis.
Ein treffender Vergleich könnte sein, der Ex-Partner, der ein begeisterter Stromberg-Fan ist und zudem ein „charmanter Partner“ war. Bedeutet das nun, dass alle Stromberg-Fans begnadete Liebhaber sind?
Wohl kaum.
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Amir Makatov
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