Miniatur Wunderland: Politische Haltung im Kleinformat – Widerspruch in Lebensgröße
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Es ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands: Das Miniatur Wunderland – betrieben unter anderem von den Zwillingsbrüdern Frederik und Gerrit Braun. Schon mehr als 26 Millionen Besucher haben sich in der Hamburger Speicherstadt die Welt im Kleinen angesehen.
Weil das Wetter nicht für draußen, und das Konto nicht für Fernreisen reicht – oder auch nur, um die Kleinstkunstwerke zu besichtigen, die von rund 450 Mitarbeitern, den sogenannten „Wunderländern“, geschaffen und instandgehalten werden.

2,4 Millionen Instagram-Follower verfolgen regelmäßig, wie Landschaften wie die Atacama-Wüste oder der Regenwald modelliert werden. Manchmal spielen Bands wie Kraftklub ein Exklusiv-Konzert. Sogar einen Kinofilm gibt’s.

Beim Besuch im Miniatur Wunderland: Die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigt sich im Jahr 2025 sichtlich amüsiert.
Doch was ein liebenswert-nerdiges Lebenswerk sein könnte, bekommt gerne mal Belehrungs-Schlagseite: Im aktuellen Spiegel-Interview sagt Frederik Braun:
„Wenn wir über Deutschland im Jahr 2026 reden, ist die gesellschaftliche Spaltung mein größtes Thema. Dieser Negativismus, unsere Unfähigkeit, unser Glück zu sehen.“

Gerrit Braun (links) und Frederik Braun
Die politische Schlagseite passt nicht jedem
Natürlich können auch politische Posts zu dieser Spaltung beitragen. Im September 2015 appellieren die Wunderland-Macher angesichts der Migrationskrise an die Menschlichkeit. Darunter steht #refugeeswelcome. 2017 rufen sie vor den Bundestagswahlen mit einem drastischen Weltuntergangsvideo zum Wählen auf, das viele Menschen verärgert. Im Spiegel verteidigt sich Frederik Braun damals: „Ich verliere lieber ein paar Gäste als meine Seele. Mein Bruder und ich haben schon öfter die Reichweite des Miniatur Wunderlands genutzt, um Haltung zu zeigen, wenn Themen uns einfach nicht loslassen.“
Das sorgt gelegentlich für Unmut: Seit Jahren laden die Brüder Menschen ein, die sich den Eintritt von 22 Euro nicht leisten können. Die eigentlich noble Geste rief viele Kritiker auf den Plan, die fürchten, dass sich Schmarotzer den Eintritt erschleichen.
2019 solidarisieren sich die Brauns mit Aktivistin Greta Thunberg, denn, klar, die Brüder sind auch Umwelt-Warner. Mithilfe einer Augmented-Reality-Brille können schon junge Besucher sehen, wohin unsere Erde im Zuge des Klimawandels womöglich steuert: Da sackt Venedig in die Fluten, und der Wald um Schloss Neuschwanstein brennt. So geht Politikbeeinflussung im Kleinen.

Mini-Greta im Miniatur Wunderland
Man stelle sich im Umkehrschluss nur vor, Konservative würden eine harmlose Familienattraktion für politische Meinungsmache nutzen. Ein Shitstorm, Sondersendungen, Demos vor der Tür wären vorprogrammiert.
Ach ja, Trump fehlt noch: Im März 2025 steht im Miniatur Wunderland ein großer Donald Trump in einer zerstörten Stadt. Darunter sinngemäß: „Donald Trump, nutzen Sie Ihre Macht, um Menschen zu einen und Liebe statt Angst zu verbreiten.“
Auch AfD-Wähler werden geduldet. Dennoch verwahren sich die Brüder, die sich als „beide eher links“ beschreiben, gegen Ausgrenzung (im Team arbeiten auch AfD-Wähler). Gerrit Braun betont im Spiegel: „Hier haben auch Leute ‚Fuck AfD‘-Aufkleber am Arbeitsplatz. Wenn wir die tolerieren, müssen wir auch die Retourkutsche aushalten.“ Sein Bruder wird noch deutlicher und sagt im Interview, dass die AfD nicht so stark wäre, gäbe es eine konsequentere Migrationspolitik.
Darf eine Familienattraktion politisch sein? Ja, wenn sie auch Gegenstimmen toleriert. Die Wunderländer (deren Unternehmen nicht mit Steuergeldern finanziert wird) halten offenbar auch andere Meinungen aus. Und das ist dann wieder groß.
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