Früher ging’s mit dem VW über den Brenner – heute geht’s mit dem VW über die Wupper
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Der VW Käfer ist das erfolgreichste deutsche Auto aller Zeiten: 21,5 Millionen Mal verkauft, luftgekühlter unverwüstlicher Boxermotor – „Made in Germany“ im besten Wortsinn.
1949 erstmals in Wolfsburg ausgeliefert, entwickelte er sich zum weltweiten Exportschlager. Der Käfer war das Symbol des Wirtschaftswunders. Um ihn zu erwerben, musste ein durchschnittlich verdienender Arbeiter 16 Bruttomonatslöhne investieren. Die Standardausführung kostete 1960 knapp unter 5.000 D-Mark.

Am fünften August 1955 lief der millionste Käfer im Wolfsburger VW-Werk vom Band. Das Kultauto war das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders.
Die ganze Familie im alten VW Käfer
Es sind fast zwei Generationen vergangen, seit dieses Auto nicht mehr unser Straßenbild prägt. Allerdings gibt es kein Straßenfoto aus deutschen Städten in den letzten Jahrzehnten, auf dem nicht ein Käfer zu sehen ist. Und wohl kaum ein altes Fotoalbum, in dem nicht eine Familie ihren VW Käfer zeigt. Oft bei ihrer ersten Familienreise über den Brenner nach Italien.

Mit dem Käfer über die Alpen an den Gardasee – ein Traum, den sich viele Deutsche in den sechziger Jahren verwirklichten.
Leider muss man heute feststellen – und das ist nicht zynisch, sondern mitfühlend gemeint: Früher ging’s mit dem VW über den Brenner – heute geht’s mit dem VW über die Wupper. Der Begriff „über die Wupper gehen“ bedeutet im Volksmund nichts anderes als „verschwinden“ oder „sterben“.
Ein tapferer Satz, der fast rührend klingt
NIUS-Reporter Eric Steinberg hat in Wolfsburg mit VW-Mitarbeitern gesprochen, ob sie Angst vor einer Kündigung haben. Viele klangen tapfer. Einer sagte: „Die können mich nicht rausschmeißen. Ich habe ja einen Vertrag.“ So ein Satz hat etwas Rührendes. Allein: Die Wahrscheinlichkeit, dass er den Kern der Wahrheit trifft, ist gering. Die VW-Bosse bekommen ihre Dividenden, weil sie Arbeiter entlassen, nicht weil deren Verträge erfüllt oder verlängert werden.
Es klingt bitter, und es ist bitter. Wie lange ist es her, dass ganze Familien und deren Nachkommen irgendwie eng mit dem Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg verwoben waren. Familien entdeckten mit dem ersten eigenen Volkswagen das Land der Sehnsucht jenseits der Alpen. Sie entdeckten ein neues Lebensgefühl – die Italiener mit ihrer Leichtigkeit, ihrer Eleganz, ihrer Gelassenheit. Mit Parmaschinken und Bel Paese, San-Marzano-Tomaten und Focaccia.
Es war eine Reise ins Glück – sie ist längst beendet. 2030 blicken nur wenige Mitarbeiter optimistisch in die Zukunft. Der Gewinneinbruch um fast die Hälfte und die Ankündigung von 50.000 Stellenstreichungen bis 2030 hinterlassen tiefe Spuren in der einst großen, stolzen VW-Familie.
Leider ist auch das ein Stück „Made in Germany“ – ein besonders hässliches.
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