Neue bekloppte Sprachregeln: „Hallo“ – ich bin kein Hallo!
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Die Tagesschau hat angefangen (sie hat „Guten Abend, meine Damen und Herren“ gestrichen), jetzt geht es mit Zeitgeist-Anreden in Briefen und Mails weiter: Das Textanalyse-Portal „Wortliga“, das sich auch um die Pflege der deutschen Sprache kümmert, behauptet: Die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ wirkt „verstaubt und distanziert“. Die Bild-Zeitung titelte: Schluss mit „Sehr geehrte Damen und Herren“!
Mein gesunder Menschenverstand sagt: Gemach, gemach! Was so lange so gut war, ist nicht plötzlich schlecht. Die Zwangsgebühren-finanzierte Tagesschau mag versuchen, dem Zeitgeist nachzuhinken. Aber eine tief erprobte Anredeform in Briefen oder Mails abzuschaffen, ist etwas anderes. Etwas Fremdes vor allem. Ja, wenn man in bestimmte Innenstadtbezirke unserer Brennpunkt-Städte schaut, dann mag die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ etwas deplatziert sein, vielleicht etwas überhöht. Aber wie jedermann in angelsächsischen Ländern als „Sir“ angesprochen wird, ohne wirklich einer zu sein – lieber einen Zacken zu viel als einen zu wenig. Und damit meine ich die Alternativen, die zum Beispiel von der Sprachplattform „Wortliga“ angeboten werden:
Guten Tag! Na ja, wenn ich einen Brief oder eine Mail mit dieser Anrede bekomme, ist der Tag schon nicht mehr so gut. Wer erlaubt es sich, mir einen guten Tag zu wünschen, ohne mich zu kennen?
Hallo! Ich bin kein Hallo, ich halte die Anrede für ungebührlich und dumm.
Hallo zusammen! Noch schlimmer als nur hallo. Wieso „zusammen“? Und wer ist „zusammen“? Die, die gerade im Raum sitzen?
Hallo in die Runde. Das klingt nach Kneipe, nach „gibst du uns ’ne Runde aus?“
Lieber, liebe. Ist eigentlich charmant, aber man muss denjenigen schon kennen, um ihn als „lieb“ zu bezeichnen, oder?
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. Eigentlich ok. Aber wenn mir meine Versicherung eine Beitragserhöhung schickt, bin ich ja nicht ihr „Kollege“.
Duzen – ich finde, ein No-Go. Nach dem Motto: Was duzen Sie mich, Sie Flegel?
Fazit: Nicht alles, was alt ist, ist schlecht. Und nicht alles, was altmodisch scheint, ist neumodisch besser. Lieber eine Mail mit „sehr geehrt“ als ein „Hallo“ ohne Ehre.
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Louis Hagen
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